Metribolone

Wirkstoff: Methyltrienolon (Metribolone, R1881). Oral wirksames Trenbolon und im Labor der Standardligand für den Androgenrezeptor, an dem es fester bindet als jedes andere geprüfte Steroid. Am Menschen nie untersucht. Es bindet auch den Progesteronrezeptor.

Auch bekannt als: Metribolone, R1881, Methyltrienolon, Oral Tren, M-Tren, Methyltrienolone

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Was es ist

Methyltrienolon, in der Forschung als R1881 geführt, ist 17β-Hydroxy-17α-methyl-estra-4,9,11-trien-3-on. Die Summenformel lautet C₁₉H₂₄O₂. Es ist Trenbolon mit einer zusätzlichen Methylgruppe an C17, also dieselbe Beziehung wie zwischen Nandrolon und Norethandrolon: das 19-Nor-Gerüst, das die Doppelbindungen an 4, 9 und 11 trägt, plus der Anbau, der den Stoff schluckbar macht.

Ein Arzneimittel war es nie. Seine eigentliche Laufbahn hat dieser Stoff im Labor gemacht: Er ist der Standardligand, mit dem Androgenrezeptoren in Gewebeproben sichtbar gemacht werden. Das ist der Grund, warum es ihn überhaupt zu kaufen gibt, und der Grund, warum er in der Szene als Forschungschemikalie gehandelt wird.

Wie es wirkt

Warum es der Referenzligand wurde

In den 1970er Jahren wurde ein Verfahren entwickelt, um für jede Klasse von Steroidrezeptoren einen möglichst spezifischen markierten Liganden zu finden. Aus Zielorganen wurde ein Rohextrakt hergestellt, und für über 700 Moleküle wurde gemessen, wie gut sie den markierten Liganden aus seiner Bindung verdrängen; für 81 davon wurde ausgewertet, welche Anbauten am Steroidgerüst Affinität und Spezifität wie verändern. Methyltrienolon ging als der Ligand für den Androgenrezeptor aus diesem Verfahren hervor.

Wie stark es bindet, zeigt eine spätere Verdrängungsreihe an Skelettmuskel und Prostata: Dort war Methyltrienolon der wirksamste Wettbewerber überhaupt, vor Nandrolon, Metenolon und Testosteron. Die Angabe, dieser Stoff binde den Androgenrezeptor fester als jedes andere gängige Steroid, ist damit eine der wenigen Wirkstärkeaussagen dieser Kategorie, die tatsächlich gemessen sind.

Und dabei nicht so spezifisch, wie der Name verspricht

Ausgerechnet beim Referenzliganden für den Androgenrezeptor ist die Spezifität eingeschränkt. Methyltrienolon bindet mit hoher Affinität an Eiweiß aus menschlichem Prostatagewebe, es bindet den Androgenrezeptor der Rattenprostata und den Progesteronrezeptor der Kaninchengebärmutter. Prüft man, welche anderen Steroide ihm die Bindungsplätze im menschlichen Prostatagewebe streitig machen, ähnelt das Muster eher dem des Progesteronrezeptors als dem des Androgenrezeptors; diese progesteronrezeptorähnlichen Bindungsstellen sitzen im Bindegewebe der Prostata und nicht im Drüsenepithel.

Für den Anwender folgt daraus die Erklärung für die verbreitete Beobachtung einer gestagenen Wirkung. Sie ist bei diesem Stoff nicht nur aus der 19-Nor-Struktur erschlossen, sondern in einem Bindungsversuch gezeigt, wenn auch an tierischem Gewebe und an menschlichem Prostatagewebe statt an einem Endpunkt. Für die Laborpraxis folgt daraus, dass ein Befund mit diesem Liganden ohne weitere Vorkehrungen nicht allein den Androgenrezeptor abbildet.

Keine Aromatisierung

Die drei Doppelbindungen im Gerüst machen einen Umbau durch die Aromatase unmöglich. Es entsteht kein Östradiol, es gibt keine östrogenbedingte Wassereinlagerung, und ein Aromatasehemmer hat daneben nichts zu hemmen. Wer den Stoff allein einsetzt, hat Androgen und Östrogen zugleich niedrig, siehe Östrogen.

Was die Studien zeigen

Zum Menschen gibt es nichts. Keine kontrollierte Untersuchung, keine Beobachtungsreihe, keine Dosisfindung, keine Messung von Kraft, Muskelmasse oder Nebenwirkungen, und keine Zulassung in irgendeinem Land. Gesucht wurde nach dem Freinamen, nach der Forschungskennung R1881 und nach Anwendung am Menschen; was zurückkommt, ist Rezeptorforschung.

Damit steht dieser Stoff in einer eigenen Klasse. Bei den meisten Steroiden dieser Kategorie fehlt die Wirksamkeitsstudie, aber es gibt wenigstens Fallberichte oder eine klinische Vorgeschichte. Hier gibt es beides nicht: Was über Metribolone gesagt wird, stammt vollständig aus Bindungsdaten und aus Anwenderberichten.

Die einzige Untersuchung zur Leberfrage

Metribolone gilt als eines der lebertoxischsten Steroide überhaupt. Ein Fallbericht, der das stützen würde, liess sich nicht finden. Was sich fand, ist eine französische Arbeit von 1970 mit dem Titel „Fehlen hepatotoxischer Zeichen bei Schweinen, die hohe Dosen Methyltrienolon im Futter erhielten“.

Von dieser Arbeit liegt kein Abstract vor; hier steht deshalb nichts als das, was der Titel hergibt. Als Entwarnung taugt sie nicht: Schweine sind keine Menschen, Futter ist keine Tablette, und ein fehlender Befund in einer einzelnen alten Untersuchung ist kein Nachweis der Unbedenklichkeit. Was sie zeigt, ist, dass die Zuschreibung „extrem lebertoxisch“ bei diesem Stoff auf keiner Messung beruht. Der Verdacht bleibt begründet, weil die Methylgruppe an C17 dieselbe ist wie bei Methandienon und Methasteron, und bei denen ist der Gallestau gut belegt. Er bleibt aber ein Schluss aus der Bauweise.

Für die Stoffklasse insgesamt beschreibt eine Übersichtsarbeit bei kurzfristiger Gabe Kraftzuwächse von etwa 5 bis 20 Prozent des Ausgangswerts und 2 bis 5 kg Körpergewicht, dazu erhöhten Blutdruck, gesenktes HDL-Cholesterin und eine Störung der eigenen Hormonbildung, die Monate nach dem Absetzen anhalten kann. Wo Metribolone darin liegt, ist nicht bestimmt; seine Bindungsstärke lässt das obere Ende erwarten.

Dosierung

  • Es gibt keine Dosis, auf die man sich stützen könnte. Nicht im Sinne von „nicht am Menschen geprüft“, sondern im Sinne von: Dieser Stoff war nie ein Arzneimittel, es gibt keine Packungsbeilage, keine Studiendosis und keinen klinischen Erfahrungswert. Die kursierenden Bruchteile eines Milligramms sind Szenepraxis.
  • Die hohe Bindungsstärke ist der Grund für die geringe Spanne. Ein Stoff, der den Rezeptor fester bindet als jedes andere gängige Steroid, erreicht seine Wirkung bei entsprechend kleiner Menge, und damit liegen wirksame und übermäßige Dosis dicht beieinander. Ein Abmessen im Bereich von Bruchteilen eines Milligramms ist mit Haushaltsmitteln nicht möglich.
  • Was als Forschungschemikalie verkauft wird, ist nicht geprüft. Reinheit und Gehalt unterliegen keiner Kontrolle, und bei einem Stoff, bei dem ein Faktor zehn in der Dosis entscheidet, ist das die größte einzelne Unsicherheit.
  • Nicht neben ein zweites orales Steroid. Zwei 17-alpha-alkylierte Präparate greifen an derselben Stelle in der Leber an, und zu diesem Stoff fehlt jede Angabe darüber, was er dort allein anrichtet.
  • Ein Aromatasehemmer hat hier keinen Angriffspunkt. Ohne Aromatisierung gibt es nichts zu hemmen; er senkt nur das Östradiol aus anderen Quellen im Stack.
  • Ausgangswerte vor der ersten Gabe. Transaminasen, Bilirubin, alkalische Phosphatase, Blutdruck und Lipidprofil. Bei einem Stoff ohne jede Sicherheitsdaten ist die eigene Messung die einzige verfügbare Information.

Nebenwirkungen

Die eigene Achse

Was passiert: Ein zugeführtes Androgen fährt die HPTA-Achse herunter, LH und FSH fallen, die eigene Produktion kommt zum Erliegen. Bei einem Stoff, der den Rezeptor fester bindet als jedes andere geprüfte Steroid, ist eine besonders vollständige Unterdrückung zu erwarten.

Wovon es abhängt: Von Dosis und Dauer. Eine Messung von LH, FSH und Testosteron unter Metribolone liess sich nicht finden; für die Stoffklasse gilt, dass die Störung Monate nach dem Absetzen anhalten kann. Was folgt daraus: Die Erwartung stützt sich auf die Bindungsstärke und nicht auf eine Messung, und sie geht in die ungünstige Richtung. Was man tun kann: Die Anwendung kurz halten, den Ausstieg vorher planen, Testosteron und LH vor Beginn und nach dem Absetzen bestimmen. Für den Wiederanlauf sind HCG und Clomifen die etablierten Mittel, beide verschreibungspflichtig.

Die gestagene Seite

Was passiert: Metribolone bindet neben dem Androgenrezeptor auch den Progesteronrezeptor, und im menschlichen Prostatagewebe ähnelt sein Bindungsmuster eher dem des Progesteronrezeptors. Eine gestagene Teilwirkung kann Libido und Erektion stärker beeinträchtigen, als der Testosteron- oder Östradiolwert vermuten lässt, und sie kann zum Wachstum von Brustdrüsengewebe beitragen, ohne dass Östradiol beteiligt ist.

Wovon es abhängt: Von Dosis und Dauer. Gemessen ist die Bindung, nicht die Wirkung am Menschen. Was folgt daraus: Wer die gestagene Seite erwartet, deutet einen Libidoverlust bei normalem Östradiol richtig, statt weiter am Aromatasehemmer zu drehen. Ein Aromatasehemmer greift hier ohnehin nicht an. Was man tun kann: Bei Spannungsgefühl hinter der Brustwarze oder ausbleibender Erholung Testosteron, Östradiol und Prolaktin zusammen bestimmen lassen, bevor eine Ursache angenommen wird.

Leber

Was passiert: Die Methylgruppe an C17 stört bei den anderen oralen Steroiden den Abtransport der Gallensalze aus der Leberzelle; es entsteht ein Gallestau mit Gelbsucht und Juckreiz bei wenig Zelluntergang. Für Metribolone selbst ist das nicht gezeigt: Es gibt keinen Fallbericht, und die einzige auffindbare Untersuchung fand bei Schweinen unter hohen Futterdosen keine hepatotoxischen Zeichen.

Wovon es abhängt: Vermutlich von Dosis und Dauer, wie bei den verwandten Stoffen. Was folgt daraus: Die Datenlage ist hier nicht beruhigend, sondern leer, und das ist etwas anderes. Bei einem Stoff, der in Bruchteilen eines Milligramms wirkt, ist die absolute Menge, die die Leber passiert, allerdings sehr klein, und darin unterscheidet er sich von den Substanzen, die in zweistelligen Milligrammmengen genommen werden. Was man tun kann: Transaminasen, Bilirubin und alkalische Phosphatase vor Beginn und nach zwei Wochen, weil es hier keinen Erfahrungswert gibt, an dem man sich orientieren könnte. Bei Gelbfärbung, dunklem Urin oder Juckreiz sofort absetzen.

Blutfette und Blutdruck

Was passiert: Für die Stoffklasse nennt eine Übersichtsarbeit erhöhten Blutdruck und ein gesenktes HDL-Cholesterin samt seiner Unterfraktionen als die maßgeblichen Risikoveränderungen. Da Metribolone nicht aromatisiert, fehlt zugleich das Östradiol, das beim Mann günstig auf die Blutfette wirkt.

Wovon es abhängt: Vom oralen Weg und von der Dosis. Zahlen speziell zu Metribolone gibt es nicht. Was folgt daraus: Der Effekt ist nicht spürbar, nur messbar, und bei einem Stoff ohne jede Sicherheitsdaten ist die eigene Messung die einzige Rückmeldung, die man bekommt. Was man tun kann: Lipidprofil und Blutdruck vor Beginn und nach zwei bis vier Wochen, siehe kardiovaskuläre AAS-Risiken.

Einordnung

Metribolone ist unter den Stoffen dieser Kategorie der Sonderfall: Seine Wirkstärke ist besser belegt als bei fast allen anderen, und über seine Wirkung und Verträglichkeit am Menschen ist weniger bekannt als über jeden anderen. In der Verdrängungsreihe war er der wirksamste Wettbewerber am Androgenrezeptor, und aus einem Verfahren mit über 700 geprüften Molekülen ging er als Standardligand hervor. Am Menschen wurde er nie untersucht, weil er nie ein Arzneimittel werden sollte.

Der interessanteste Befund widerspricht seinem Ruf als spezifischster Androgenligand. Er bindet auch den Progesteronrezeptor, und im menschlichen Prostatagewebe verhält sich seine Bindung eher wie die eines Gestagens als die eines Androgens. Was in der Szene als gestagene Nebenwirkung beschrieben wird, hat damit eine gemessene Grundlage, und sie stammt ausgerechnet aus der Arbeit, die den Stoff als Werkzeug in Frage stellt.

Die verbreitete Warnung vor extremer Lebertoxizität ist dagegen nicht belegt. Es gibt keinen Fallbericht, und die einzige auffindbare Untersuchung zur Frage fand bei Schweinen nichts. Das entlastet den Stoff nicht, es verschiebt nur die Begründung: Die Sorge folgt aus der Bauweise, die er mit den gut dokumentierten oralen Steroiden teilt, und nicht aus Beobachtungen an ihm selbst.

Was die Sache entscheiden würde, ist bei diesem Stoff bereits die allererste Stufe: eine Messung von Leberwerten, Blutfetten und Hormonen bei Anwendern über zwei bis vier Wochen. Es gibt zu Metribolone nicht einmal eine Fallserie, und damit fehlt jede Grundlage, auf der sich Nutzen und Schaden gegeneinander abwägen liessen. Wer ihn nimmt, betreibt einen Selbstversuch, für den es keine Vorlage gibt.

Quellen

  1. Ojasoo T, Raynaud JP. Unique steroid congeners for receptor studies. Cancer Res. 1978. PubMed
  2. Saartok T, Dahlberg E, Gustafsson JA. Relative binding affinity of anabolic-androgenic steroids: comparison of the binding to the androgen receptors in skeletal muscle and in prostate, as well as to sex hormone-binding globulin. Endocrinology. 1984. PubMed
  3. Cowan RA, Cowan SK, Grant JK. Binding of methyltrienolone (R1881) to a progesterone receptor-like component of human prostatic cytosol. J Endocrinol. 1977. PubMed
  4. Szumowski P, Grandadam A. Absence of hepatotoxic symptoms in swine receiving high doses of methyltrienolone in their diet. C R Seances Soc Biol Fil. 1970. PubMed
  5. Hartgens F, Kuipers H. Effects of androgenic-anabolic steroids in athletes. Sports Med. 2004. PubMed

Dieser Artikel wurde unter Einsatz von KI-Systemen erstellt. Mehr dazu