Masteron

Wirkstoff: Drostanolon (Drostanolone). DHT-Derivat mit Methylgruppe an C2, ursprünglich ein Brustkrebsmittel. Die verbreitete Erklärung, diese Gruppe schütze vor dem Abbau an Position 3, widerlegt die Stoffwechseluntersuchung. Zu Trainierenden gibt es keine Studie.

Auch bekannt als: Drostanolon, Drostanolone, Mast P, Mast E, Masterone

Knowledge Bodybuilding Bible

What it is

Drostanolon ist 2α-Methyl-17β-hydroxy-5α-androstan-3-on, also der Abkömmling des Dihydrotestosterons mit einer Methylgruppe an C2. Die Summenformel lautet C₂₀H₃₂O₂. Der nächste Verwandte ist Mesterolon, bei dem dieselbe Methylgruppe an C1 statt an C2 sitzt; die beiden werden in der Dopingkontrolle gemeinsam behandelt und unterscheiden sich um eine Ringposition.

In der Medizin war Drostanolonpropionat ein Brustkrebsmittel. In den 1960er und 1970er Jahren wurde es bei fortgeschrittenem Mammakarzinom eingesetzt und dabei auch im direkten Vergleich mit Nandrolondecanoat geprüft. Heute spielt es dort keine Rolle mehr; die Aromatasehemmer und die SERM haben es abgelöst.

Verabreicht wird es als Ester, meist als Propionat mit kurzer und als Enantat mit längerer Abgabedauer. Geschluckt wirkt es nicht.

How it works

Was die Methylgruppe an C2 tut, und was sie nicht tut

Die übliche Erklärung lautet: Die Methylgruppe an C2 schützt die Ketogruppe an Position 3 davor, von der 3α-Hydroxysteroid-Dehydrogenase reduziert zu werden, und deshalb bleibt der Stoff im Muskel wirksam, während Dihydrotestosteron dort abgebaut wird. Der erste Teil dieser Erklärung stimmt nicht.

Die Stoffwechseluntersuchung zeigt es deutlich. Der Hauptmetabolit von Drostanolon im Urin ist 2α-Methyl-Androsteron, und Androsteron ist genau das Produkt jener Reduktion: 3α-Hydroxy statt 3-Keto. Zusätzlich wurden die Zwischenstufen mit 3α- und 17β-Hydroxygruppe gefunden. Die Reduktion zu den entsprechenden 3β-Hydroxysteroiden war dagegen ein Nebenweg.

Die Methylgruppe an C2 verhindert diesen Abbau also nicht, sie verlangsamt ihn allenfalls. Warum Drostanolon trotzdem wirkt und Dihydrotestosteron im Muskel kaum, ist damit offen. Denkbar ist ein Unterschied in der Geschwindigkeit, denkbar ist auch, dass der Ester und der Aufnahmeweg mehr ausmachen als die Methylgruppe. Gemessen ist keine der beiden Möglichkeiten. Dass Dihydrotestosteron im Muskel über eben diese Reduktion an Wirkung verliert, ist dagegen belegt.

At the receptor

Eine veröffentlichte Bindungsmessung von Drostanolon am Androgen receptor liess sich in der hier durchgesehenen Literatur nicht finden. Die kursierende Verhältniszahl von etwa 62 zu 25 hat damit keine nachweisbare Quelle, und sie hätte am Rezeptor ohnehin keine Entsprechung: In der einzigen größeren Verdrängungsreihe zu dieser Stoffklasse lag das Verhältnis der Bindung im Muskel zu der in der Prostata bei allen geprüften Steroiden nahe bei eins und schwankte meist nur zwischen etwa 0,4 und 1,7. Ein Steroid, das im Muskel zweieinhalbmal so stark wirkt wie an der Prostata, gibt es nach dieser Messung nicht.

Kein Östrogen, und die Sache mit der Aromatasehemmung

Als Abkömmling des Dihydrotestosterons kann Drostanolon nicht aromatisiert werden. Aus dem Stoff entsteht kein Östradiol, es gibt keine östrogenbedingte Wassereinlagerung und keine Gynäkomastie durch ihn selbst. Verbreitet ist darüber hinaus die Aussage, er hemme zusätzlich die aromatase im Gewebe.

Für diese Hemmung liess sich keine Quelle finden, weder für Drostanolon noch für das nah verwandte Mesterolon. Dass ein Brustkrebsmittel gegen einen hormonabhängigen Tumor wirkte, ist kein Beleg dafür: Androgene wirken bei Brustkrebs auch über den Androgenrezeptor selbst. Wer Drostanolon anstelle eines Aromatasehemmers einsetzt, stützt sich auf eine Annahme.

Was „Härte“ bedeutet

Der Stoff gilt als Härter für den Wettkampf, und der Effekt ist real beschrieben. Erklärbar ist er ohne besondere Annahmen: Drostanolon lagert kein Wasser ein, weil es kein Östradiol liefert, und es verdrängt in einem Stack nichts, was Wasser einlagert. Wer aromatisierende Stoffe teilweise durch ihn ersetzt, hat am Ende weniger Wasser unter der Haut.

Die weitergehende Behauptung, Drostanolon verändere darüber hinaus unmittelbar die Muskelstruktur oder das Bindegewebe, findet in der durchgesehenen Literatur keine Stütze. Sie ist auch nicht nötig: weniger Unterhautwasser erklärt die Beobachtung vollständig, und der Effekt ist entsprechend nur bei niedrigem Körperfettanteil sichtbar. Dass ein Stoff bei 20 Prozent Körperfett nichts hermacht, ist damit keine Eigenschaft des Stoffes, sondern eine der Optik.

What the studies show

Zu Trainierenden gibt es nichts. Keine kontrollierte Untersuchung, keine Dosisfindung, keine Messung von Kraft, Muskelmasse oder Körperzusammensetzung. Was existiert, stammt aus zwei Richtungen, und beide sagen wenig über den Sport.

Die erste ist die Onkologie der 1960er und 1970er Jahre. Drostanolonpropionat wurde beim fortgeschrittenen Mammakarzinom eingesetzt und in einer Arbeit von 1976 mit Nandrolondecanoat verglichen. Von dieser Arbeit liegt in der Literaturdatenbank nur der Titel vor, ohne Abstract; ein Ergebnis wird hier deshalb nicht behauptet. Was sie belegt, ist der klinische Ursprung des Stoffes.

Die zweite ist die Dopingkontrolle. Sie hat den Stoffwechsel des Stoffes aufgeklärt und liefert nebenbei den einzigen dokumentierten Fall, in dem Drostanolon in einem sportlichen Zusammenhang eine Rolle spielt.

Ein Todesfall am Tag vor dem Wettkampf

Ein junger Mann wurde tot im Bett eines Hotelzimmers gefunden; am Tag darauf hätte er an einem Bodybuilding-Wettkampf teilnehmen sollen. Die Obduktion ergab ein vergrößertes Herz mit Blutstauung in Lunge, Leber, Nieren, Nebennieren, Milz und Gehirn. In der Toxikologie fanden sich Clenbuterol in Blut, Urin und Haar sowie der Hauptmetabolit des Drostanolons im Urin, dazu ein erhöhtes Verhältnis von Testosteron zu Epitestosteron. Die Haaranalyse sprach für einen langfristigen Gebrauch verschiedener anaboler Steroide. Da sich keine andere Ursache fand, wurde der Missbrauch von Dopingsubstanzen als zugrunde liegende Todesursache festgestellt.

Ein Einzelfall belegt keine Häufigkeit, und hier lagen mehrere Substanzen zugleich vor; welchen Anteil das Drostanolon hatte, sagt der Bericht nicht. Was er zeigt, ist der Zusammenhang, in dem dieser Stoff typischerweise steht: kurz vor einem Wettkampf, neben einem Stimulans, bei einem Menschen im Zustand der Entwässerung. Die Belastung entsteht aus der Kombination, und der Stoff ist dabei selten der einzige Faktor.

Was der Stoffklasse insgesamt zugeschrieben wird, fasst eine Übersichtsarbeit zusammen: kurzfristige Gabe steigert Kraft um etwa 5 bis 20 Prozent des Ausgangswerts und das Körpergewicht um 2 bis 5 kg, ohne dass eine Abnahme der Fettmasse stattzufinden scheint. Blutdruck und HDL-Cholesterin verändern sich ungünstig, und die Störung der eigenen Hormonbildung kann Monate nach dem Absetzen anhalten.

Dosage

  • Es gibt keine geprüfte Dosis für den Sport. Die üblichen 300 bis 600 mg je Woche stammen aus der Szene. Aus der Onkologie sind Dosen überliefert, die für einen anderen Zweck gewählt wurden und deren genaue Höhe sich aus den verfügbaren Angaben nicht sicher entnehmen lässt.
  • Der Ester bestimmt den Rhythmus. Propionat gibt schnell ab und wird entsprechend häufiger gespritzt, Enantat langsamer. Der Wirkstoff ist derselbe.
  • Der Zweck ist die Optik, nicht der Aufbau. Wer Masse will, wählt den Stoff nach seiner schwächsten Eigenschaft aus. Der beschriebene Effekt tritt bei niedrigem Körperfettanteil auf, und er besteht darin, dass kein Wasser dazukommt.
  • Als Ersatz für einen Aromatasehemmer ist er nicht belegt. Wer unter einer stark aromatisierenden Testosterondosis auf Drostanolon setzt statt auf Anastrozole or Exemestan, verlässt sich auf eine Annahme.
  • Die Kombination ist das Risiko, nicht der Stoff allein. Der Zeitraum, in dem Drostanolon genommen wird, ist derselbe, in dem entwässert, Kohlenhydrate manipuliert und häufig ein Stimulans genommen wird. Genau diese Kombination steht im einzigen dokumentierten Todesfall.
  • Initial values ​​before the first injection. Blutdruck und Lipidprofil, dazu Hematocrit. In der Wettkampfphase kommt die Entwässerung hinzu, und ein ohnehin hoher Hämatokrit wird dadurch weiter steigen.

Side effects

skin and hair

What happens: Drostanolon ist ein reines Androgen ohne Östrogenanteil und wirkt an Talgdrüse und Haarfollikel unmittelbar. Für die Stoffklasse sind Akne, vermehrte Körperbehaarung und beschleunigter androgenetischer Haarausfall beschrieben.

What it depends on: Vor allem von der Veranlagung. What follows from this is: Bei einem Abkömmling des Dihydrotestosterons ist der Haarausfall die naheliegendste androgene Nebenwirkung, denn genau dieses Molekül steuert die Miniaturisierung der Follikel. Akne bildet sich zurück, verlorenes Haar nicht. What you can do: Ein Hemmer der 5-alpha reductase hilft hier nicht, denn der Stoff ist bereits reduziert und wird von diesem Enzym nicht mehr angefasst. Es bleiben örtliche Mittel und der Verzicht.

Blutdruck, Blutfette und Blut

What happens: Für die Stoffklasse nennt eine Übersichtsarbeit erhöhten Blutdruck und ein gesenktes HDL cholesterol samt seiner Unterfraktionen als die maßgeblichen Risikoveränderungen; Androgene regen zudem die Blutbildung an. Im Obduktionsbefund des Wettkampffalls stand ein vergrößertes Herz mit Blutstauung in mehreren Organen.

What it depends on: Von Dosis und Dauer, und beim Blutdruck von der Begleitmedikation in der Wettkampfvorbereitung. Zahlen speziell zu Drostanolon liess sich in der durchgesehenen Literatur keine finden. What follows from this is: Als gespritztes, nicht alkyliertes Steroid belastet es die Blutfette voraussichtlich weniger als ein orales; belegt ist das für diesen Stoff nicht. What you can do: Lipid profile, blood pressure and Hematocrit vor Beginn und nach vier Wochen messen, siehe Cardiovascular risks associated with AAS. In der Woche vor einem Wettkampf ist ein hoher Hämatokrit zusammen mit Entwässerung die gefährlichste Kombination dieses Zeitraums.

Your own axis

What happens: An supplied androgen drives the HPTA axis herunter, LH und FSH fallen. Da Drostanolon nicht aromatisiert, fällt zugleich der Nachschub für die Östradiolbildung weg, wenn kein anderes Androgen danebensteht.

What it depends on: Von Dosis und Dauer. Eine Messung von LH, FSH und Testosteron unter Drostanolon liess sich nicht finden; für die Stoffklasse gilt, dass die Störung Monate nach dem Absetzen anhalten kann. What follows from this is: Wer den Stoff allein fährt, hat Androgen und Östrogen zugleich niedrig, mit den bekannten Folgen für Gelenke, Libido und Stimmung, siehe Estrogen. What you can do: Eine Testosteronbasis danebenstellen und den Ausstieg planen. Für den Wiederanlauf sind HCG and Clomiphene the established means.

Die Wettkampfphase als eigener Risikofaktor

What happens: Drostanolon wird fast ausschließlich in den letzten Wochen vor einem Wettkampf genommen, also in einem Zustand mit niedrigem Körperfett, eingeschränkter Kalorienzufuhr, oft manipuliertem Wasser- und Salzhaushalt und häufig zusätzlichen Stimulanzien. Genau diese Häufung steht im einzigen dokumentierten Todesfall, in dem der Stoff nachgewiesen wurde.

What it depends on: Von der Zahl der gleichzeitig verwendeten Substanzen und vom Ausmaß der Entwässerung. Ein Einzelfall sagt nichts über die Häufigkeit. What follows from this is: Das Risiko dieser Phase entsteht nicht aus einem einzelnen Stoff, sondern aus ihrer Summe, und es fällt in einen Zeitraum, in dem niemand abbrechen will. What you can do: Die Zahl der gleichzeitigen Substanzen begrenzen, die Entwässerung nicht zusätzlich mit einem Stimulans kombinieren, und Herzstolpern, Brustschmerz oder Luftnot in dieser Woche ernst nehmen statt sie der Diät zuzuschreiben, siehe Competition preparation.

Classification

Masteron ist ein Stoff, über den viel gesagt und wenig gemessen wird. Die beiden Begründungen, mit denen er üblicherweise empfohlen wird, halten der Nachprüfung nicht stand. Die Methylgruppe an C2 verhindert den Abbau über die 3-Position nicht: das Hauptabbauprodukt ist genau das Ergebnis dieser Reduktion. Und für die zusätzliche Aromatasehemmung findet sich keine Quelle.

Was bleibt, ist einfacher und trägt trotzdem. Der Stoff liefert kein Östradiol, lagert kein Wasser ein, und in einem Stack ersetzt er anteilig etwas, das beides täte. Wer im Wettkampf ein trockeneres Bild will, bekommt es auf diesem Weg. Ein Aufbaumittel ist er nicht, und dafür wird er auch nicht genommen.

Die Datenlage ist unter den gängigen Steroiden eine der dünnsten: keine kontrollierte Untersuchung an Trainierenden, keine Bindungsmessung, keine Dosisfindung, und aus der Onkologie nur Arbeiten, von denen mehrere nicht einmal als Abstract vorliegen. Das ist kein Hinweis auf Unbedenklichkeit, sondern auf ein Fehlen von Untersuchungen.

Was die Sache entscheiden würde, wäre eine Bindungsmessung am Androgenrezeptor und eine Bestimmung, wie schnell Drostanolon im menschlichen Muskelgewebe an Position 3 reduziert wird, verglichen mit Dihydrotestosteron. Die zweite Messung würde beantworten, ob die verbreitete Erklärung wenigstens der Größenordnung nach zutrifft. Beides ist machbar, beides fehlt, und solange es fehlt, ist die Wirkung dieses Stoffes eine Beobachtung ohne Mechanismus.

Sources

  1. de Boer D et al. The methyl-5 alpha-dihydrotestosterones mesterolone and drostanolone; gas chromatographic/mass spectrometric characterization of the urinary metabolites. J Steroid Biochem Mol Biol. 1992. PubMed
  2. Favretto D et al. Post-mortem investigation into a death involving doping agents: The case of a body builder. Drug Test Anal. 2022. PubMed
  3. Hartgens F, Kuipers H. Effects of androgenic-anabolic steroids in athletes. Sports Med. 2004. PubMed
  4. Saartok T, Dahlberg E, Gustafsson JA. Relative binding affinity of anabolic-androgenic steroids: comparison of the binding to the androgen receptors in skeletal muscle and in prostate, as well as to sex hormone-binding globulin. Endocrinology. 1984. PubMed
  5. Chowdhury MS et al. A comparison of drostanolone propionate (Masteril) and nandrolone decanoate (Deca-durabolin) in the treatment of breast carcinoma. Clin Oncol. 1976. PubMed

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