DHB

Wirkstoff: 1-Testosteron (Dihydroboldenon). Das an Position 5 reduzierte Boldenon, nicht aromatisierbar. Entsteht im Körper auch aus den frei verkäuflichen 1-Andro-Präparaten. Am Menschen nie auf Wirkung untersucht; die kursierende Verhältniszahl findet im Tierversuch keine Stütze.

Auch bekannt als: Dihydroboldenon, 1-Test Cyp, 1-Testosterone, DHB, 1-TC, 1-Testosteron-Cypionat

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Was es ist

DHB ist 1-Testosteron, chemisch 17β-Hydroxy-5α-androst-1-en-3-on. Die Summenformel lautet C₁₉H₂₈O₂. Der geläufige Name Dihydroboldenon beschreibt die Verwandtschaft richtig: Es ist das an Position 5 reduzierte Boldenon, so wie Dihydrotestosteron das reduzierte Testosteron ist. Verabreicht wird es als Ester, meist als Cypionat.

Ein Arzneimittel war es nie. Bemerkenswert ist ein anderer Weg, auf dem dieser Stoff in Menschen gelangt: Die frei verkäuflichen Präparate der „1-Andro“-Reihe enthalten 3β-Hydroxy-5α-androst-1-en-17-on, und nach der Einnahme findet sich 1-Testosteron unter den Hauptabbauprodukten im Urin. Wer ein solches Präparat nimmt, nimmt in der Sache diesen Stoff.

Wie es wirkt

Warum es nicht aromatisiert werden kann

Die Aromatase braucht einen Ring A mit Ketogruppe an 3 und Doppelbindung zwischen C4 und C5. Bei 1-Testosteron ist der Ring an Position 5 reduziert und die Doppelbindung sitzt zwischen C1 und C2. Aus diesem Stoff entsteht kein Östradiol.

Die verbreitete Angabe, DHB aromatisiere mit etwa der halben Rate von Testosteron, ist damit nicht bloß unbelegt, sondern strukturell nicht möglich. Praktisch heißt das: keine östrogenbedingte Wassereinlagerung, keine Gynäkomastie durch den Stoff selbst, und ein Aromatasehemmer hat daneben nichts zu hemmen. Es heißt zugleich, dass bei alleiniger Anwendung das schützende Östradiol wegfällt, siehe Östrogen.

Was am nächsten Verwandten gemessen wurde

Zu 1-Testosteron selbst gibt es keine Wirksamkeitsuntersuchung. Zu Methyl-1-testosteron, also demselben Molekül mit einer zusätzlichen Methylgruppe an C17, gibt es eine, und sie ist gründlich. Im Hefe-Testsystem erwies sich der Stoff als potentes Androgen. In Ratten steigerte er nach Injektion unter die Haut dosisabhängig sowohl das Gewicht der Prostata als auch das des Levator-ani-Muskels. Geschluckt hatte er auf das Muskelgewicht keine Wirkung, regte aber die Zellteilung in der Prostata an und veränderte die Menge von IGF-1 und Androgenrezeptor im Wadenmuskel. Die Messung eines Leberenzyms sprach für eine starke Wirkung in der Leber, und zwar deutlich stärker nach dem Schlucken.

Der erste dieser Befunde widerspricht der verbreiteten Verhältniszahl. Ein Steroid mit deutlicher Bevorzugung des Muskels müsste im Hershberger-Versuch den Muskel stärker wachsen lassen als die Prostata; hier stiegen beide dosisabhängig. Übertragen lässt sich das nur mit Vorsicht: Es ist ein Rattenversuch, und Methyl-1-testosteron ist nicht DHB, sondern seine methylierte Form. Was sich übertragen lässt, ist die Warnung vor einer Zahl, für die sich keine Messung finden liess.

Der Stoffwechsel

Wie jedes anabole Steroid wird auch dieses in der Leber umgebaut und über den Urin ausgeschieden; eine Übersichtsarbeit zur Dopingkontrolle behandelt den Stoffwechsel von 26 dieser Stoffe im Menschen einschließlich der Veränderungen an den einzelnen Ringen. Nach der Einnahme des Vorläufers fanden sich neben 1-Testosteron auch 1-Androstendion und mehrere reduzierte Formen im Urin. Zugleich veränderten sich die üblichen Kennzahlen des Steroidprofils, besonders die Verhältnisse von Androsteron zu Etiocholanolon und der beiden Androstandiole sowie die Konzentration des Dihydrotestosterons. Ein charakteristisches Abbauprodukt war nach einer einzelnen Gabe noch neun Tage später nachweisbar.

Was die Studien zeigen

Zum Menschen gibt es keine Wirksamkeitsstudie. Keine kontrollierte Untersuchung, keine Dosisfindung, keine Messung von Kraft oder Muskelmasse, keine Sicherheitsdaten. Gesucht wurde nach 1-Testosteron, nach Dihydroboldenon und nach den Vorläuferpräparaten; was zurückkommt, ist Dopinganalytik und ein Tierversuch am methylierten Geschwisterstoff.

Der einzige dokumentierte Versuch an einem Menschen ist eine einzelne Gabe eines beschlagnahmten Nahrungsergänzungsmittels an einen Freiwilligen, und sein Zweck war die Nachweisführung, nicht die Wirkung. Immerhin belegt er den Punkt, der diesen Stoff über die Nischenanwendung hinaus interessant macht: 1-Testosteron entsteht im menschlichen Körper aus einem Präparat, das als Nahrungsergänzung verkauft wurde.

Die Beobachtung, dass DHB besonders starke Schmerzen an der Einstichstelle verursacht, ist unter Anwendern verbreitet und liess sich in der Literatur nicht belegen. Sie ist auch keine Eigenschaft des Wirkstoffs allein: Wie stark eine Injektion schmerzt, hängt vom Lösungsmittel, von der Konzentration und von der Verarbeitung ab, und bei einem Stoff ohne arzneiliche Herstellung schwankt all das von Charge zu Charge.

Für die Stoffklasse insgesamt beschreibt eine Übersichtsarbeit bei kurzfristiger Gabe Kraftzuwächse von etwa 5 bis 20 Prozent des Ausgangswerts und 2 bis 5 kg Körpergewicht, dazu erhöhten Blutdruck, ein gesenktes HDL-Cholesterin und eine Störung der eigenen Hormonbildung, die Monate nach dem Absetzen anhalten kann. Warum manche Abkömmlinge im Muskel stärker wirken als an Haut und Prostata, gilt als nicht restlos geklärt; als maßgeblich gelten die gewebeabhängige Steuerung der Rezeptormenge und der Stoffwechsel innerhalb der Zelle.

Dosierung

  • Es gibt keine geprüfte Dosis. Die üblichen 200 bis 400 mg je Woche stammen aus der Szene. Für den Stoff selbst existiert keine einzige Dosis-Wirkungs-Messung am Menschen.
  • Ein Aromatasehemmer ist hier gegenstandslos. Aus DHB entsteht kein Östradiol; ein Hemmer senkt nur das Östradiol aus anderen Quellen im Stack und bringt dessen Nebenwirkungen mit.
  • Eine Testosteronbasis gehört daneben. Ohne Aromatisierung und mit unterdrückter eigener Produktion sind Androgen und Östrogen zugleich niedrig, mit den bekannten Folgen für Gelenke, Libido und Stimmung.
  • Wer ein „1-Andro“-Präparat nimmt, nimmt diesen Stoff. Der Vorläufer wird im Körper zu 1-Testosteron umgebaut. Das ist kein Nahrungsergänzungsmittel mit milder Wirkung, sondern eine andere Darreichung desselben anabolen Steroids.
  • Für getestete Sportler kommt der Stoff nicht in Frage. Ein charakteristisches Abbauprodukt war nach einer einzelnen Gabe noch neun Tage später nachweisbar, und das Steroidprofil verschob sich messbar.
  • Ausgangswerte vor der ersten Spritze. Blutdruck, Lipidprofil, Hämatokrit, Testosteron und LH. Bei einem Stoff ohne jede Sicherheitsdaten ist die eigene Messung die einzige Rückmeldung.

Nebenwirkungen

Prostata und androgene Wirkungen

Was passiert: Der Stoff ist bereits an Position 5 reduziert und wird von der 5-Alpha-Reduktase nicht weiter verstärkt. Daraus wird üblicherweise ein günstiges Profil abgeleitet. Der Tierversuch am methylierten Geschwisterstoff stützt das nicht: Dort stiegen Prostata- und Muskelgewicht beide dosisabhängig, und nach dem Schlucken regte der Stoff die Zellteilung in der Prostata an, ohne den Muskel zu beeinflussen.

Wovon es abhängt: Von Dosis und Aufnahmeweg. Der Befund stammt aus Ratten und von einem verwandten, nicht demselben Molekül. Was folgt daraus: Die Erwartung eines besonders prostatafreundlichen Steroids hat keine Grundlage. Akne und beschleunigter androgenetischer Haarausfall sind wie bei jedem 5α-reduzierten Androgen zu erwarten. Was man tun kann: Ein Hemmer der 5-Alpha-Reduktase hilft nicht, weil der Stoff bereits reduziert ist. Es bleiben örtliche Mittel, die Dosis und beim älteren Anwender eine PSA-Bestimmung vor Beginn.

Leber

Was passiert: DHB ist nicht an C17 alkyliert und gilt deshalb als leberfreundlich. Beim methylierten Geschwisterstoff sprach die Messung eines Leberenzyms für eine starke Wirkung in der Leber, und zwar deutlich stärker nach dem Schlucken als nach der Injektion.

Wovon es abhängt: Vom Aufnahmeweg und von der Alkylierung. Was folgt daraus: Der Befund betrifft die methylierte Form und den oralen Weg, also genau das, was DHB als gespritzter, nicht alkylierter Stoff nicht ist. Er ist damit eher ein Argument gegen die geschluckten „1-Andro“-Präparate als gegen DHB selbst. Was man tun kann: Transaminasen vor Beginn und im Verlauf messen, und bei einem Anstieg Bilirubin und alkalische Phosphatase mitbestimmen, bevor der Wert dem Training zugeschrieben wird.

Blutfette, Blutdruck und Blutbild

Was passiert: Für die Stoffklasse nennt eine Übersichtsarbeit erhöhten Blutdruck und ein gesenktes HDL-Cholesterin samt seiner Unterfraktionen als die maßgeblichen Risikoveränderungen; Androgene regen zudem die Blutbildung an.

Wovon es abhängt: Von Dosis und Dauer. Zahlen speziell zu DHB gibt es nicht. Was folgt daraus: Da kein Östradiol entsteht, fehlt der Anteil, der beim Mann günstig auf die Blutfette wirkt; das spricht eher für eine ungünstigere Wirkung als bei einem aromatisierbaren Androgen. Belegt ist das für diesen Stoff nicht. Was man tun kann: Lipidprofil, Blutdruck und Hämatokrit vor Beginn und nach vier Wochen, siehe kardiovaskuläre AAS-Risiken.

Die eigene Achse

Was passiert: Ein zugeführtes Androgen fährt die HPTA-Achse herunter, LH und FSH fallen. Nach Einnahme des Vorläuferpräparats verschob sich das körpereigene Steroidprofil messbar, unter anderem die Konzentration des Dihydrotestosterons.

Wovon es abhängt: Von Dosis und Dauer, und beim Cypionat von der langen Abgabedauer des Esters. Eine Messung von LH, FSH und Testosteron unter DHB liess sich nicht finden; für die Stoffklasse gilt, dass die Störung Monate nach dem Absetzen anhalten kann. Was folgt daraus: Die Unterdrückung endet nicht mit der letzten Spritze, und ohne Aromatisierung fällt zugleich das Östradiol weg. Was man tun kann: Testosteron und LH vor Beginn und nach dem Absetzen bestimmen und den Ausstieg planen. Für den Wiederanlauf sind HCG und Clomifen die etablierten Mittel, beide verschreibungspflichtig.

Einordnung

DHB ist ein Stoff mit einer sauberen chemischen Beschreibung und ohne jede Untersuchung am Menschen. Was sich belegen lässt, ist seine Herkunft: Es ist das 5α-reduzierte Boldenon, es kann nicht aromatisiert werden, und es entsteht im Körper aus den frei verkäuflichen Präparaten der „1-Andro“-Reihe. Der letzte Punkt ist der wichtigste dieses Artikels, weil er zwei Dinge verbindet, die getrennt verkauft werden: ein injizierbares Nischensteroid und eine Kapsel aus dem Regal.

Zwei verbreitete Angaben halten nicht stand. Die geringe Aromatisierung ist keine geringe, sondern keine, und das folgt aus dem Ringsystem. Und das Verhältnis von 200 zu 100 findet im einzigen einschlägigen Tierversuch keine Stütze: Dort wuchsen Prostata und Muskel beide dosisabhängig.

Was der Stoff im Muskel leistet, ist damit weiterhin offen. Die Anwenderberichte beschreiben gleichmäßige Zuwächse ohne Wassereinlagerung, und das ist bei einem nicht aromatisierbaren Androgen genau das zu Erwartende. Ob mehr dahintersteckt als bei jedem anderen nicht aromatisierbaren Steroid, hat niemand geprüft.

Was die Sache entscheiden würde, wäre der Versuch, der beim methylierten Geschwisterstoff bereits gemacht wurde, nur mit DHB selbst: ein Hershberger-Versuch, der Prostata- und Muskelgewicht getrennt misst. Er würde beantworten, ob die Verhältniszahl, die dem Stoff seinen Ruf gibt, überhaupt eine Entsprechung hat. Solange sie fehlt, ist DHB ein Androgen ohne bekannte Besonderheit außer der, die man ihm ansieht.

Quellen

  1. Parr MK et al. Seized designer supplement named 1-Androsterone: identification as 3beta-hydroxy-5alpha-androst-1-en-17-one and its urinary elimination. Steroids. 2011. PubMed
  2. Parr MK et al. Endocrine characterization of the designer steroid methyl-1-testosterone: investigations on tissue-specific anabolic-androgenic potency, side effects, and metabolism. Endocrinology. 2011. PubMed
  3. Schaenzer W. Metabolism of anabolic androgenic steroids. Clin Chem. 1996. PubMed
  4. Hartgens F, Kuipers H. Effects of androgenic-anabolic steroids in athletes. Sports Med. 2004. PubMed
  5. Kicman AT. Pharmacology of anabolic steroids. Br J Pharmacol. 2008. PubMed

Dieser Artikel wurde unter Einsatz von KI-Systemen erstellt. Mehr dazu