Gamma-GT (GGT)
Der Leberwert, der nicht im Muskel steht und deshalb entscheidet, ob erhöhte Transaminasen von der Leber kommen oder vom Training. Als allgemeiner Warnwert sagt er erstaunlich viel voraus; die genetische Gegenprobe hält davon bei Diabetes und Blutdruck nichts, beim Schlaganfall schon.
Was gemessen wird
Die Gamma-Glutamyltransferase sitzt in den Membranen der Gallengangszellen und der Leberzellen. Ihre Aufgabe liegt im Glutathionstoffwechsel: sie spaltet Glutathion außerhalb der Zelle auf und macht dessen Bausteine wieder verfügbar, allen voran das Cystein, aus dem die Zelle neues Glutathion baut.
Für den Kraftsport zählt vor allem, wie sie sich verhält, wenn der Muskel leidet: sie rührt sich nicht, während die Transaminasen ausschlagen. Der naheliegende Grund ist, dass sie im Skelettmuskel kaum vorkommt; gemessen ist im Folgenden das Verhalten, nicht die Verteilung im Gewebe.
Referenzbereich
- Männer etwa 10 bis 60 U/l
- Frauen etwa 8 bis 40 U/l
Konventionen der Labormedizin, keine Studienbefunde. Sie unterscheiden sich je nach Messmethode, maßgeblich ist der Bereich auf dem eigenen Befund.
Warum sie brauchbar ist, wenn man trainiert
Fünfzehn gesunde Männer, die an mäßige Bewegung ohne Krafttraining gewöhnt waren, absolvierten ein einstündiges Gewichthebeprogramm. Danach stiegen AST, ALT, LD, CK und Myoglobin deutlich an und blieben mindestens sieben Tage erhöht. Bilirubin, Gamma-GT und alkalische Phosphatase blieben im Normbereich.
Dass die Teilnehmer ungeübt waren, spricht eher für als gegen den Befund: ungewohnte Belastung richtet im Muskel erfahrungsgemäß mehr an als gewohnte, und die GGT rührte sich trotzdem nicht. Ein Vergleich zwischen gewohnter und ungewohnter Belastung steht in der Arbeit allerdings nicht, das ist eine Überlegung und kein Ergebnis.
Damit gehört sie zusammen mit Bilirubin und der alkalischen Phosphatase zu den Werten, die in diesem Versuch von der Belastung unberührt blieben, während ALT und AST stiegen. Eine Untersuchung, die ihre Treffsicherheit bei dieser Unterscheidung prüft, ist das nicht. Mehr dazu unter Leber.
Eine zweite Beobachtung gehört daneben, und sie wird meist übersehen. Trainierte hatten in einer Untersuchung höhere Ausgangswerte für CK, CK-MB, ALT und LDH als sitzende Vergleichspersonen. Das war ein Gruppenunterschied im Ruhewert, nicht der Ausschlag nach einer Einheit. Eine Verlaufsmessung, die zeigt, wie sich der Ruhewert eines Einzelnen unter Training verschiebt, ist es nicht; die Richtung passt aber zu der Vorsicht, erhöhte Transaminasen bei Trainierenden nicht sofort der Leber zuzuschreiben.
Zusammen mit der alkalischen Phosphatase
Die zweite Aufgabe der GGT ist die Zuordnung eines Anstiegs der alkalischen Phosphatase. Diese kommt auch aus dem Knochen, die GGT nicht. In einer Untersuchung der AP-Unterformen bei Lebererkrankungen fand sich ein hoher Grad an Übereinstimmung zwischen der Gallenwegs-Unterform und der Gesamt-GGT. Steigen beide zusammen, weist das auf die Gallenwege; steigt die AP allein, wird eine Quelle außerhalb der Leber wahrscheinlicher. Wie treffsicher diese Regel im Einzelfall ist, hat die Arbeit nicht geprüft.
Was den Wert hebt
- Alkohol. Der klassische Auslöser und der Grund, warum ein erhöhter Wert oft als Trinkerwert missverstanden wird.
- Cholestase. Anabole androgene Steroide können eine cholestatische Leberschädigung auslösen. In einer Serie von 44 jungen Männern nach Bodybuilding-Präparaten hatten alle klinische Zeichen einer solchen Schädigung, die mediane Zeit bis zur Schädigung lag bei 73 Tagen, und 71 Prozent kamen ins Krankenhaus. Als Mechanismen werden eine Störung antioxidativer Faktoren, eine gesteigerte Gallensäuresynthese und eine Vermehrung von Leberzellen diskutiert.
- Fettverteilung, nicht Fettmenge. In einer Untersuchung an 62 Personen bestand kein Zusammenhang zwischen GGT und der Gesamtfettmasse. Mit dem Bauchfett stieg sie dagegen (β = 0,35), mit dem Hüftfett sank sie (β = −0,48).
- Enzyminduzierende Medikamente, etwa manche Antiepileptika.
Die Höhe unterscheidet sich zwischen den Ursachen. In einem Vergleich von vier Lebererkrankungen lag die GGT bei der Fettleber mit etwa 200 U/l am niedrigsten der vier. Ein Grenzwert für den Einzelfall folgt daraus nicht: welcher Wert abklärungsbedürftig ist, hängt vom Labor, von der Ursache und von der Person ab.
Was ihn senkt
Kaffee, und zwar messbar. In einer Untersuchung an 12 687 Personen aus Vorsorgeuntersuchungen war ein höherer Kaffeekonsum bei Männern unabhängig mit einer niedrigeren GGT verbunden, besonders bei denen, die mehr Alkohol tranken. Bei Männern ohne Alkoholkonsum fehlte dieser Zusammenhang, bei Frauen war er schwach.
Eine Querschnittsuntersuchung, also keine Zuweisung von Ursachen. Was sie nahelegt, ist ein Zusammenhang mit dem Alkohol und nicht ein Lebermittel: ohne Alkohol war auch kein Effekt zu sehen.
Der Wert sagt mehr als etwas über die Leber
Hier wird es interessant, und zwar in beide Richtungen. In Bevölkerungsstudien gehen hohe GGT-Werte mit erstaunlich vielem einher, das mit der Leber wenig zu tun hat. Gemeint ist damit ein Zusammenhang über Gruppen hinweg und keine Vorhersage für einen einzelnen Menschen. Über 7458 Männer, im Mittel fast 13 Jahre beobachtet, lag das Risiko für einen Typ-2-Diabetes im obersten Fünftel der GGT beim 6,8-fachen des untersten, nach Anpassung für Blutzucker, Körpergewicht, Alkohol, Bewegung und weitere Größen immer noch beim 4,8-fachen. An 1878 scheinbar gesunden Männern lag die Hazard Ratio für ein erstes koronares Ereignis im obersten gegenüber dem untersten Viertel bei 2,34, angepasst unter anderem für Blutdruck, Blutfette, Diabetes, Rauchen und Körpergewicht. Über 1667 Personen sagte jeder Anstieg um eine Standardabweichung eine neue Bluthochdruckerkrankung voraus, mit einer Hazard Ratio von 1,20.
Eine Übersichtsarbeit bringt das mit dem Glutathionstoffwechsel zusammen und schlägt vor, erhöhte GGT-Werte als Anzeiger einer unzureichenden antioxidativen Ausstattung zu lesen. Das ist eine Deutung der Zusammenhänge und kein Messergebnis an einzelnen Personen.
Und dann die Gegenprobe
Dasselbe Bild beim Blutdruck. Die GGT-Viertel hingen dort stark mit dem systolischen und dem diastolischen Blutdruck zusammen; über Genvarianten gerechnet blieb davon nichts übrig. Und beim metabolischen Syndrom stieg das Risiko über die GGT-Viertel bei Männern auf das 3,81-fache. Nach zusätzlicher Anpassung für die Insulinresistenz war die lineare Beziehung bei beiden Geschlechtern nicht mehr statistisch bedeutsam; nur Männer im obersten Viertel behielten gegenüber dem untersten ein erhöhtes Risiko.
Bei einem Endpunkt fällt die Gegenprobe anders aus: für den Schlaganfall fand eine Mendelsche Randomisierung einen möglicherweise ursächlichen Zusammenhang mit einer Odds Ratio von 1,23. Die Arbeit selbst hält fest, dass das noch bestätigt werden muss und sich auf eine europäische Bevölkerung bezieht.
Das Muster ähnelt dem beim HDL-Cholesterin: ein starker Anzeiger, dessen ursächlicher Anteil in der genetischen Gegenprobe größtenteils verschwindet. Eine Mendelsche Randomisierung ist dabei keine letzte Instanz, sie hat eigene Annahmen. Was aus der Datenlage folgt, ist trotzdem nicht, den Wert zu ignorieren, sondern ihn nicht als Ziel zu behandeln: ein hoher Wert ist ein Anlass nachzusehen, und ihn zu senken, ohne die Ursache zu ändern, hat hier keinen belegten Nutzen.
Was das im Kraftsport heißt
- Bei erhöhten Transaminasen lohnt der Blick auf die GGT. Bleibt sie normal, wird eine muskuläre Herkunft der Transaminasen wahrscheinlicher; steigt sie mit, verschiebt sich die Frage zur Leber und zur Galle. Geprüft ist diese Regel nicht, sie folgt aus dem unterschiedlichen Verhalten der Werte nach Belastung.
- Unter geschluckten Substanzen gehört sie mit auf den Befund. Sie und die alkalische Phosphatase sind die Werte, die bei einer Cholestase steigen, und die Leitlinie zur Abklärung auffälliger Leberwerte beschreibt die überproportional erhöhte alkalische Phosphatase gegenüber AST und ALT als Kennzeichen der cholestatischen Schädigung.
- Ein Ausgangswert vor Beginn erspart das Raten. Der übliche Bereich ist breit, und der eigene Ausgangspunkt darin ist die brauchbarste Vergleichsgröße. Eine Studie, die das belegt, steht hier nicht; es ist eine naheliegende Vorsichtsmaßnahme.
- Alkohol gehört in die Auskunft. Wer am Wochenende trinkt und am Montag misst, misst zum Teil das Wochenende.
- Eine dauerhaft erhöhte GGT ohne orale Substanzen und ohne Alkohol ist ein Grund, weiterzuschauen, und zwar nicht nur auf die Leber. Die Zusammenhänge mit Blutzucker, Blutdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Bevölkerungsstudien deutlich, auch wenn sie sich als Ursache kaum bestätigen.
Einordnung
Die GGT ist im Kraftsport aus einem banalen Grund brauchbar: sie hat sich in der vorliegenden Belastungsstudie nicht bewegt, während ALT und AST es taten. Damit ist sie ein Anhaltspunkt bei der Frage, an der die Transaminasen allein scheitern, nämlich ob ein auffälliger Befund von der Leber kommt oder vom Training. Eine Untersuchung, die diese Unterscheidung an Kraftsportlern auf ihre Treffsicherheit prüft, ist in den hier herangezogenen Arbeiten nicht enthalten.
Ihr zweites Gesicht ist das eines allgemeinen Warnwerts, und dort ist Vorsicht angebracht. Die Größe der beobachteten Zusammenhänge ist beeindruckend, und ihre ursächliche Deutung hält der genetischen Gegenprobe bei Diabetes und Blutdruck nicht stand. Beim Schlaganfall fand eine solche Analyse dagegen einen möglicherweise ursächlichen Zusammenhang, den ihre Autoren selbst noch als bestätigungsbedürftig bezeichnen. Ein Wert, der viel anzeigt und dessen ursächlicher Anteil offen ist, ist ein guter Anlass nachzusehen und ein zweifelhaftes Ziel.
Offen bleibt, was eine leicht erhöhte GGT bei einem trainierenden, schlanken, nicht trinkenden Menschen bedeutet. Die Bevölkerungsstudien sind an anderen Kollektiven gerechnet, und die Trainingsstudien haben nur die kurzfristige Antwort auf eine Einheit gemessen. Eine Untersuchung, die Kraftsportler über Jahre begleitet, steht unter den hier herangezogenen Arbeiten nicht.
Quellen
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Dieser Artikel wurde unter Einsatz von KI-Systemen erstellt. Mehr dazu