Halodrol

Wirkstoff: Chlorodehydromethylandrostendiol. Strukturell Turinabol mit reduzierter Ketogruppe, also dessen Vorstufe, und damit das eine Präparat dieser Welle, bei dem der Verkaufsname „Prohormon“ zutrifft. Zu dem Stoff selbst existiert keine einzige Veröffentlichung.

Auch bekannt als: Halodrol, CDMA, Chlorodehydromethylandrostenediol, H-Drol, Chlordehydromethylandrostendiol

Wissen Bodybuilding Bible

Was es ist

Halodrol ist 4-Chlor-17α-methyl-androsta-1,4-dien-3,17-diol, mit der Summenformel C₂₀H₂₉ClO₂. Es wurde als frei verkäufliches Präparat verkauft, in derselben Welle wie Epistane und Methylstenbolon, und wie diese als „Prohormon“ bezeichnet.

Bei diesem Stoff trifft der Begriff ausnahmsweise zu. Stellt man die Strukturen nebeneinander, unterscheidet sich Halodrol von Turinabol an genau einer Stelle: Wo Turinabol an Position 3 eine Ketogruppe trägt, trägt Halodrol dort eine Hydroxygruppe. Alles andere, das Chloratom an C4, die beiden Doppelbindungen im Ring A und die Methylgruppe an C17, ist gleich. Halodrol ist damit im Wortsinn eine Vorstufe des DDR-Dopingmittels, das um 1968 entwickelt wurde.

Ob und wie vollständig der menschliche Körper diese Hydroxygruppe zur Ketogruppe umwandelt, ist für Halodrol nicht gemessen. Dass eine solche Umwandlung stattfindet, ist für ein baugleiches Paar belegt: Nach der Einnahme des Präparats „1-Androsteron“, das eine Hydroxygruppe an Position 3 und eine Ketogruppe an 17 trägt, fand sich im Urin eines Freiwilligen unter den Hauptabbauprodukten 1-Testosteron, also die Form mit vertauschten Gruppen. Der Schluss auf Halodrol ist eine Analogie und kein Befund.

Wie es wirkt

Was sich aus der Struktur ableiten lässt

Das Chloratom an Position 4 versperrt der Aromatase den Zugriff auf den Ring A; aus dem Stoff kann kein Östradiol entstehen. Der Stummel, der hier vorher stand, sprach von „geringer estrogener Aktivität“ und „mildem Aromatisieren“; strukturell ist beides nicht möglich. Praktisch heißt das: keine östrogenbedingte Wassereinlagerung und ein Aromatasehemmer ohne Angriffspunkt.

Die Methylgruppe an C17 macht den Stoff schluckbar, indem sie die Oxidation der Hydroxygruppe an dieser Stelle verhindert. Sie ist zugleich der Grund für die Leberlast, die alle oralen Steroide teilen, und dabei ist es dieselbe Eigenschaft von zwei Seiten.

Eine veröffentlichte Bindungsmessung von Halodrol am Androgen-Rezeptor liess sich nicht finden, und auch keine zu Turinabol. Alle Angaben zur Wirkstärke dieses Stoffes stammen aus Anwenderberichten.

Was die Studien zeigen

Zu Halodrol gibt es nichts. Nicht wenig, sondern nichts: keine Wirksamkeitsstudie, keine Fallserie, keinen Fallbericht, keine Stoffwechseluntersuchung. Gesucht wurde unter dem Handelsnamen, unter der Bezeichnung Chlorodehydromethylandrostendiol, unter der vollen chemischen Bezeichnung und über die Verwandtschaft zu Turinabol; keine dieser Suchen liefert eine Arbeit.

Damit steht dieser Artikel auf drei Beinen, und keines davon ist der Stoff selbst: der Struktur, dem, was für die Vorstufen-Umwandlung an einem baugleichen Paar gezeigt wurde, und dem, was für die Stoffklasse der frei verkäuflichen Designersteroide insgesamt gilt.

Was für die Stoffklasse gilt

Eine Übersichtsarbeit zu diesen Präparaten hält fest, dass unter irreführenden Bezeichnungen wie „Prohormon“, „natürliches Steroid“ oder „Testosteron-Booster“ seit über einem Jahrzehnt anabole Steroide legal verkauft werden, und dass daraus schwere Nebenwirkungen berichtet sind: Lebertoxizität, Gallestau, Nierenversagen, Hypogonadismus, Gynäkomastie und Unfruchtbarkeit. Der Steroidgebrauch gilt inzwischen als häufigste Ursache eines Hypogonadismus bei Männern im zeugungsfähigen Alter.

Wie der Leberschaden dieser Klasse aussieht, zeigt die prospektive Reihe des amerikanischen DILIN-Netzwerks: 44 Männer, im Mittel 33 Jahre alt, entwickelten im Mittel 73 Tage nach Beginn einen Leberschaden, alle mit Gelbsucht, 84 Prozent mit Juckreiz und 71 Prozent im Krankenhaus. Gestorben ist niemand, eine Lebertransplantation brauchte niemand. In mehreren Präparaten fanden sich anabole Steroide, die nicht auf dem Etikett standen.

Der letzte Punkt ist bei diesen Präparaten kein Einzelfall. Auch scheinbar hormonfreie Erzeugnisse wie Vitamin-, Mineralstoff- und Aminosäurepräparate enthielten in Untersuchungen nicht deklarierte anabole Steroide, was neben gesundheitlichen Folgen auch zu positiven Dopingproben führen kann.

Und was die Verwandtschaft zu Turinabol bedeutet

Trifft die Vorstufen-Annahme zu, gilt für Halodrol auch, was für Turinabol gemessen ist, und das betrifft vor allem die Nachweisbarkeit. Nach einer einzelnen Gabe von 5 mg Turinabol war ein Abbauprodukt bei einem von fünf Freiwilligen noch 45 Tage später nachweisbar, und solche Langzeitmetaboliten haben in den Nachtests der Olympischen Spiele von 2008 und 2012 zu positiven Befunden geführt.

Für die Wirkstärke lässt sich aus der Verwandtschaft nichts ableiten. Zu Turinabol selbst gibt es ebenfalls keine kontrollierte Wirksamkeitsstudie, obwohl es zwei Jahrzehnte lang an Tausenden verabreicht wurde. Eine Vorstufe eines Stoffes ohne Wirksamkeitsdaten hat keine besseren Daten als dieser.

Dosierung

  • Es gibt keine Dosis, auf die man sich stützen könnte. Zu diesem Stoff existiert keine einzige Untersuchung. Die Angaben auf den ehemaligen Etiketten sind keine Studiendosen.
  • Als Vorstufe ist die aufgenommene Menge nicht die wirksame. Wie viel davon in die aktive Form übergeht, ist nicht bestimmt. Eine Dosis, die auf dem Papier moderat aussieht, kann im Körper deutlich mehr oder deutlich weniger bedeuten.
  • Ein Aromatasehemmer ist gegenstandslos. Das Chloratom an C4 verhindert die Aromatisierung; ein Hemmer senkt nur das Östradiol aus anderen Quellen im Stack.
  • Für getestete Sportler kommt der Stoff nicht in Frage. Wenn die Umwandlung zu Turinabol stattfindet, gilt dessen Nachweisdauer: bis zu 45 Tage nach einer einzelnen 5-mg-Gabe.
  • Nicht neben ein zweites orales Steroid. Zwei 17-alpha-alkylierte Präparate greifen an derselben Stelle in der Leber an.
  • Ausgangswerte vor der ersten Kapsel. Transaminasen, Bilirubin, alkalische Phosphatase, Blutdruck und Lipidprofil. Bei einem Stoff ohne jede Sicherheitsdaten ist die eigene Messung die einzige verfügbare Information.

Nebenwirkungen

Leber

Was passiert: Die Methylgruppe an C17 stört bei den oralen Steroiden den Abtransport der Gallensalze aus der Leberzelle; es entsteht ein Gallestau mit Gelbsucht und Juckreiz bei wenig Zelluntergang. Für die Klasse der frei verkäuflichen Designersteroide sind Lebertoxizität und Gallestau ausdrücklich berichtet.

Wovon es abhängt: Von der Alkylierung, von der Dosis, von der Dauer und von der Veranlagung im Gallensalztransport; in der DILIN-Reihe trugen bis zu 20 Prozent der Betroffenen eine Variante im Gen der Gallensalzpumpe. Was folgt daraus: Zu Halodrol selbst gibt es keinen Fallbericht, und das ist bei einem Präparat, das nur wenige Jahre im Handel war, kein aussagekräftiges Zeichen. Gemessen wird Bilirubin und alkalische Phosphatase, nicht nur die Transaminasen: Der Gallestau kann bei fast normalen Transaminasen bestehen. Was man tun kann: Bei Gelbfärbung, dunklem Urin oder Juckreiz sofort absetzen und ärztlich abklären lassen. Für TUDCA gibt es bei diesem Krankheitsbild keine kontrollierte Studie; die einzige Maßnahme mit belegter Wirkung ist das Absetzen.

Die eigene Achse

Was passiert: Ein zugeführtes Androgen fährt die HPTA-Achse herunter, LH und FSH fallen. Da aus Halodrol kein Östradiol entsteht, fallen Androgen und Östrogen zugleich, siehe Östrogen. Für die Stoffklasse ist Hypogonadismus als Folge ausdrücklich beschrieben, und der Steroidgebrauch gilt als häufigste Ursache eines Hypogonadismus bei Männern im zeugungsfähigen Alter.

Wovon es abhängt: Von Dosis und Dauer, und in der Erholung vom Alter. Eine Messung von LH, FSH und Testosteron unter Halodrol gibt es nicht. Was folgt daraus: Antriebslosigkeit, Libidoverlust und Stimmungstief nach dem Absetzen sind der erwartete Verlauf und dauern Wochen bis Monate. Was man tun kann: Die Anwendung kurz halten und den Ausstieg planen. Für den Wiederanlauf sind HCG und Clomifen die etablierten Mittel, beide verschreibungspflichtig.

Blutfette, Blutdruck und Nieren

Was passiert: Orale 17-alpha-alkylierte Steroide steigern in der Leber den Abbau der HDL-Partikel; das HDL fällt, das LDL steigt. Für die Stoffklasse nennt eine Übersichtsarbeit erhöhten Blutdruck und ein gesenktes HDL samt seiner Unterfraktionen als die maßgeblichen Risikoveränderungen, und für die Designersteroide zusätzlich Nierenversagen.

Wovon es abhängt: Vom oralen Weg, von der Dosis und von der Dauer. Zahlen speziell zu Halodrol gibt es nicht. Was folgt daraus: Da kein Östradiol entsteht, fehlt zugleich der Anteil, der beim Mann günstig auf die Blutfette wirkt. Was man tun kann: Lipidprofil, Blutdruck und Kreatinin vor Beginn und nach vier Wochen, siehe kardiovaskuläre AAS-Risiken.

Was tatsächlich in der Dose war

Was passiert: Diese Präparate wurden ohne arzneiliche Kontrolle hergestellt. In der DILIN-Reihe enthielten mehrere anabole Steroide, die nicht auf dem Etikett standen, und Untersuchungen fanden nicht deklarierte Steroide sogar in scheinbar hormonfreien Vitamin- und Aminosäurepräparaten.

Wovon es abhängt: Vom Hersteller und von der Charge. Bei einem Stoff, der seit Jahren nicht mehr regulär im Handel ist, kommt hinzu, dass heute unter demselben Namen alles Mögliche verkauft wird. Was folgt daraus: Die Unsicherheit über den Inhalt ist bei diesem Stoff größer als die Unsicherheit über seine Wirkung, und das will etwas heißen. Was man tun kann: Die Packung aufbewahren, damit sich im Schadensfall nachträglich analysieren lässt, was drin war. Eine Prüfung vor der Einnahme steht dem Käufer nicht zur Verfügung.

Einordnung

Halodrol ist der Stoff dieser Kategorie mit der dünnsten Datenlage überhaupt: zu ihm selbst existiert keine einzige Veröffentlichung. Was sich sagen lässt, folgt aus seiner Struktur und aus dem, was für seine Nachbarn gilt.

Die Struktur sagt zweierlei, und beides ist nachprüfbar. Erstens kann der Stoff wegen des Chloratoms an Position 4 nicht aromatisiert werden; die Beschreibung als „mild aromatisierend“ war falsch. Zweitens ist er Turinabol mit einer reduzierten Ketogruppe, also dessen Vorstufe. Bei diesem einen Präparat der Prohormon-Welle trifft die Verkaufsbezeichnung damit zu, während sie bei Epistane und Methylstenbolon eine Umgehung des Arzneimittelrechts war.

Für den Anwender ist das eine schlechte Nachricht in zwei Richtungen. Die aufgenommene Menge ist nicht die wirksame, weil ein unbekannter Anteil erst umgewandelt wird. Und der Stoff, zu dem umgewandelt wird, hat selbst keine kontrollierte Wirksamkeitsstudie, dafür aber eine Nachweisdauer von bis zu 45 Tagen nach einer einzelnen Tablette.

Was die Sache entscheiden würde, ist bei diesem Stoff die einfachste denkbare Untersuchung, und sie hat nie stattgefunden: eine einzelne Gabe an einen Freiwilligen mit anschließender Urinanalyse, wie sie für 1-Androsteron gemacht wurde. Sie würde beantworten, ob und in welchem Umfang Halodrol tatsächlich zu Turinabol wird. Bis dahin ist der ganze Artikel eine Ableitung aus zwei Strukturformeln.

Quellen

  1. Parr MK et al. Seized designer supplement named 1-Androsterone: identification as 3beta-hydroxy-5alpha-androst-1-en-17-one and its urinary elimination. Steroids. 2011. PubMed
  2. Parr MK et al. Analytical strategies for the detection of non-labelled anabolic androgenic steroids in nutritional supplements. Food Addit Contam. 2004. PubMed
  3. Stolz A et al. Severe and protracted cholestasis in 44 young men taking bodybuilding supplements: assessment of genetic, clinical and chemical risk factors. Aliment Pharmacol Ther. 2019. PubMed
  4. Rahnema CD et al. Designer steroids: over-the-counter supplements and their androgenic component: review of an increasing problem. Andrology. 2015. PubMed
  5. Loke S et al. Controlled administration of dehydrochloromethyltestosterone in humans: Urinary excretion and long-term detection of metabolites for anti-doping purpose. J Steroid Biochem Mol Biol. 2021. PubMed
  6. Hartgens F, Kuipers H. Effects of androgenic-anabolic steroids in athletes. Sports Med. 2004. PubMed

Dieser Artikel wurde unter Einsatz von KI-Systemen erstellt. Mehr dazu