Alkalische Phosphatase (AP)

Sammelwert aus Gallenwegen, Knochen, Darm und Plazenta. Erst zusammen mit der Gamma-GT sagt er, woher der Anstieg kommt. Der verbreitete Schluss von einem erhöhten Wert auf einen Vitamin-D-Mangel trägt nicht, und nach unten schaut kaum jemand, obwohl dort etwas steht.

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Was gemessen wird

Die alkalische Phosphatase ist keine einzelne Substanz, sondern eine Gruppe verwandter Enzyme. Sie sitzen in den Zellen der Gallengänge, im Knochen, im Darm und in der Plazenta. Der Standardbefund misst die Summe, und deshalb sagt ein erhöhter Wert für sich genommen nur, dass irgendwo mehr davon anfällt.

Im Knochen ist die Aufgabe bekannt. Die dort vorkommende Form erhöht örtlich das anorganische Phosphat und spaltet Pyrophosphat, einen Hemmstoff der Mineralisierung. Beides zusammen ist an der Einlagerung von Mineral in die Knochenmatrix beteiligt. Ein Anstieg aus dem Knochen zeigt damit erhöhten Umbau an; ob der normal oder krankhaft ist, sagt er nicht.

Referenzbereich

  • Männer etwa 40 bis 130 U/l
  • Frauen etwa 35 bis 105 U/l
  • Bei Jugendlichen im Wachstum deutlich höher, und das ist normal

Konventionen der Labormedizin, keine Studienbefunde. Sie unterscheiden sich je nach Messmethode, maßgeblich ist der Bereich auf dem eigenen Befund.

Woher der Wert kommt

Beim Erwachsenen kommen zwei Quellen ernsthaft in Frage: die Gallenwege und der Knochen. Sie auseinanderzuhalten ist die eigentliche Aufgabe, und ein zweiter Wert auf demselben Befund hilft dabei weit genug für den Alltag.

Der Trick ist die Gamma-GT. Sie sitzt in den Gallengangszellen und nicht im Knochen. Eine Untersuchung der AP-Unterformen bei Lebererkrankungen fand einen hohen Grad an Übereinstimmung zwischen der Gallenwegs-Unterform und der Gamma-GT. Wo also beide zusammen steigen, weist das auf die Gallenwege; steigt die AP allein, wird eine Quelle außerhalb der Leber wahrscheinlicher. Ein Beweis ist keines von beiden, und wo es darauf ankommt, lassen sich die Unterformen eigens bestimmen.

  • AP hoch, Gamma-GT hoch: spricht für die Gallenwege. Die Leitlinie zur Abklärung auffälliger Leberwerte nennt eine im Verhältnis zu AST und ALT überproportional erhöhte AP als Definition der cholestatischen Schädigung.
  • AP hoch, Gamma-GT normal: macht eine Quelle außerhalb der Leber wahrscheinlicher, meist den Knochen. Bewiesen ist sie damit nicht, und Darm und Plazenta kommen ebenfalls in Frage.
  • AP normal, Gamma-GT hoch: untypisch für eine Cholestase. Ausgeschlossen ist sie damit nicht, siehe die Gamma-GT-Seite.
  • Beide normal: auch dann können ALT und AST erhöht sein, und zwar aus dem Muskel.

Was den Wert hebt

Die Gallenwege

Anabole androgene Steroide können eine cholestatische Leberschädigung auslösen. In der Serie von 44 jungen Männern, die nach Bodybuilding-Präparaten eine Leberschädigung entwickelten, hatten alle klinische Zeichen einer solchen Schädigung; die mediane Zeit bis zur Schädigung lag bei 73 Tagen, 71 Prozent kamen ins Krankenhaus, und niemand starb oder brauchte eine neue Leber; einzelne AP-Werte berichtet die Arbeit nicht. Eine Übersichtsarbeit nennt neben der Cholestase die Peliosis hepatis sowie gutartige und bösartige Lebertumoren und hält fest, dass sich die Leberfunktion nach dem Absetzen meist unter unterstützender Behandlung normalisiert, einzelne Spätfolgen aber bleiben. Der Zusammenhang mit dem Gesamtbild steht unter Leber und Bilirubin.

Der Knochen

Ein erhöhter Knochenumbau kann die Knochenform heben, etwa im Wachstum oder bei einem heilenden Bruch; welche Ursache dahintersteht, ist der alkalischen Phosphatase allein nicht anzusehen. Dass die Höhe des Werts mit dem Knochenzustand zusammenhängt, zeigt eine Auswertung an 6333 Personen, in der ein aus AP und Kreatinin gebildeter Index mit dem Risiko für eine verminderte Knochendichte zusammenhing, mit einer Odds Ratio von 2,09 in der obersten gegenüber der untersten Gruppe.

Und manchmal ein Medikament

Dass ein erhöhter Wert nicht automatisch Leber oder Knochenkrankheit bedeutet, zeigt ein Versuch mit Rifampicin. Eine Woche lang 600 Milligramm täglich hoben die alkalische Phosphatase im Plasma gegenüber Placebo deutlich an, und zwar besonders die Knochenform. Rifampicin bindet den Kernrezeptor PXR; wie die Induktion der alkalischen Phosphatase daraus zustande kommt, ist ungeklärt.

Der Vitamin-D-Reflex hält nicht

Die verbreitete Faustregel lautet: AP allein erhöht, also Vitamin-D-Mangel. Geprüft wurde das an 110 Personen einer orthopädischen Sprechstunde mit gemessenem Mangel, davon 26 mild, 61 mäßig und 21 schwer. In allen drei Gruppen lag die alkalische Phosphatase im Normbereich, und zwischen ihr und dem Vitamin-D-Spiegel bestand kein Zusammenhang (r = 0,05). Die Arbeit schließt daraus, dass sich die alkalische Phosphatase nicht als Suchtest für einen Vitamin-D-Mangel eignet.

Das ist eine Querschnittsuntersuchung, und alle Werte lagen im Normbereich, was einen Zusammenhang rechnerisch verkleinert. Sie widerlegt nicht, dass ein sehr weit fortgeschrittener Mangel mit Knochenerweichung die alkalische Phosphatase hebt. Sie widerlegt den Umkehrschluss, und der ist es, der im Alltag gezogen wird: von einem erhöhten Wert auf einen Vitamin-D-Mangel, oder von einem normalen Wert auf einen ausreichenden Vitamin-D-Status. Beides trägt diese Untersuchung nicht.

Ein niedriger Wert ist auch ein Befund

Nach unten schaut kaum jemand, und das ist ein Fehler. Unter 865 aufeinanderfolgenden Erwachsenen einer auf Knochen spezialisierten Sprechstunde hatten 56 eine anhaltend niedrige alkalische Phosphatase, also 6,5 Prozent. Zwei trugen Varianten in beiden Kopien des zuständigen Gens, 29 weitere eine in einer Kopie. Ein Modell aus einer AP unter 35 U/l sowie erhöhtem Phosphoethanolamin im Urin und erhöhtem Pyrophosphat im Plasma zeigte eine hohe diagnostische Leistung.

Für Kraftsportler ist die zweite Beobachtung interessanter. In einer Untersuchung an 68 Personen war eine niedrige Muskelkraft bei den Betroffenen deutlich häufiger als bei Vergleichspersonen, 30 gegenüber 6 Prozent, und die Handgriffkraft war geringer. Eine niedrige Aktivität der alkalischen Phosphatase war dabei unabhängig von der Diagnose mit einem höheren Risiko für eine niedrige Muskelkraft verbunden.

Eine Querschnittsstudie mit 68 Teilnehmern, und die Autoren halten ausdrücklich fest, dass die ursächliche Rolle der alkalischen Phosphatase für die Muskelkraft offen bleibt. Was der Befund trägt, ist die Aufmerksamkeit: ein Wert unter dem Referenzbereich ist kein Grund zur Erleichterung.

Die alkalische Phosphatase allein reicht für die Abklärung allerdings nicht. In einer Untersuchung an 69 Personen mit Hypophosphatasie oder antiresorptiv behandelter Osteoporose waren die Knochenumbaumarker CTX und P1NP sowie vier daraus gebildete Verhältnisse bei dieser Unterscheidung der alleinigen alkalischen Phosphatase überlegen; P1NP erreichte eine Fläche unter der Kurve von 0,962, das Verhältnis aus AP und P1NP eine von 0,964. Die Kontrollgruppe bestand dort nur aus Frauen.

Was das im Kraftsport heißt

  • Das Training hat sie in der vorliegenden Untersuchung nicht bewegt. In einer Untersuchung an 15 gesunden Männern, die an mäßige Bewegung ohne Krafttraining gewöhnt waren, stiegen nach einer Stunde Gewichtheben AST, ALT, LD, CK und Myoglobin deutlich an und blieben mindestens sieben Tage erhöht. Bilirubin, Gamma-GT und die alkalische Phosphatase blieben im Normbereich. Bei Ungewohnten fällt der Muskelschaden größer aus als bei Trainierten, was den Nullbefund für diese drei Werte eher stützt; für andere Trainingsformen und Belastungsdauern ist er damit trotzdem nicht mitgesagt.
  • Ohne Gamma-GT ist der Wert nicht zu deuten. Die beiden gehören auf denselben Befund, sonst bleibt offen, ob der Absender die Gallenwege oder der Knochen ist.
  • Ein Ausgangswert vor Beginn spart die Rätselei. Wer im Frühjahr 118 U/l hatte, muss im Herbst bei 124 nicht rechnen, ob das etwas bedeutet.
  • Im Wachstum liegt die AP höher. Bei einem jungen Erwachsenen, der noch wächst, ist ein erhöhter Wert deshalb nicht ohne Weiteres ein Leberzeichen; einordnen muss man ihn trotzdem, zusammen mit der Gamma-GT.
  • Ein niedriger Wert gehört angesehen. Er kommt in der genannten Kohorte häufiger vor als vermutet und war dort mit geringerer Muskelkraft verbunden.

Einordnung

Die alkalische Phosphatase ist ein Sammelwert, und das ist keine Schwäche, sondern ihre Eigenart. Sie beantwortet keine Frage für sich allein, und in Verbindung mit der Gamma-GT beantwortet sie eine sehr nützliche: kommt der Anstieg aus den Gallenwegen oder aus dem Knochen. Damit gehört sie neben Bilirubin und Gamma-GT zu den Werten, die in der genannten Untersuchung von der Muskelbelastung unberührt blieben, während AST und ALT dort vorübergehend aus dem Muskel stiegen. Erhöhte Transaminasen gehören deshalb zusammen mit CK, dem Verlauf und dem übrigen Befund gelesen und nicht für sich.

Zwei verbreitete Kurzschlüsse hält sie nicht aus. Der eine ist der Sprung von einem erhöhten Wert auf einen Vitamin-D-Mangel, für den die vorliegende Untersuchung keinen Zusammenhang findet. Der andere ist die Annahme, nach unten gebe es nichts zu sehen.

Offen bleibt, was ein niedriger Wert bei einem gesunden Kraftsportler bedeutet. Die vorliegenden Arbeiten stammen aus Knochensprechstunden, nicht aus dem Sport, und sie sind Querschnitte. Ob sich eine niedrige alkalische Phosphatase beeinflussen lässt und ob das dann etwas an der Muskelkraft ändert, ist in ihnen nicht untersucht.

Quellen

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Dieser Artikel wurde unter Einsatz von KI-Systemen erstellt. Mehr dazu