Testosteron im Labor
Gesamt- und freies Testosteron müssen mit Abnahmezeitpunkt, Assay, SHBG und passenden Symptomen eingeordnet werden. Freies Testosteron ist vor allem bei grenznahem Gesamtwert oder verändertem SHBG sinnvoll; Referenzbereiche sind populations- und methodenabhängig.
Was Gesamt- und freies Testosteron messen
Gesamt-Testosteron ist der diagnostische Ausgangswert. Eine Diagnose wird jedoch nicht aus dem Laborwert allein gestellt, sondern setzt passende Symptome oder Zeichen voraus. SHBG, das sexualhormonbindende Globulin, ist besonders relevant, wenn seine Konzentration verändert ist und deshalb die Einordnung des Gesamtwerts unsicherer wird.
Freies Testosteron ist kein universell vergleichbarer Einzelwert. Seine Bestimmung hängt von der Mess- oder Berechnungsmethode, dem verwendeten Assay und dem Referenzintervall des Labors ab.
Wie ein niedriger Befund abgesichert wird
Für die diagnostische Abklärung empfiehlt die Leitlinie eine nüchterne Morgenmessung des Gesamt-Testosterons mit einem zuverlässigen Assay. Ist der Befund niedrig, soll er an einem zweiten nüchternen Morgen wiederholt werden.
Ein kleines klinisches Cross-over-Experiment untersuchte zehn Männer unter experimenteller Gonadotropinunterdrückung mit stündlichen Blutproben über 24 Stunden. In der behandelten Gruppe gab es keine Tagesvariation des Testosterons. Das Modell ist nicht mit jeder Ersatztherapie gleichzusetzen und erlaubt deshalb keine pauschale Übertragung des natürlichen Tagesrhythmus auf exogenes Testosteron.
Wann freies Testosteron und SHBG mehr Information liefern
Freies Testosteron ist besonders dann sinnvoll, wenn das Gesamt-Testosteron nahe an der unteren Normgrenze liegt oder eine Bedingung vorliegt, die SHBG verändert. Als geeignete Wege nennt die Leitlinie die Gleichgewichtsdialyse oder eine genaue Berechnung aus Gesamt-Testosteron, SHBG und Albumin.
Die Gleichgewichtsdialyse gilt als Referenzmethode, ist für Routinelabore aber technisch aufwendig. Assays sind nicht harmonisiert, gemeinsame Referenzintervalle fehlen, und berechnete Werte können in Populationen, für die das Berechnungsmodell nicht entwickelt wurde, ungenau sein.
Warum Referenzbereiche nicht universell sind
Eine harmonisierte Analyse von 9054 in der Gemeinschaft lebenden Männern aus vier Kohorten in den USA und Europa leitete einen Bereich von 264 bis 916 ng/dl für die 2,5. bis 97,5. Perzentile ab. Für die 5. bis 95. Perzentile lag der Bereich bei 303 bis 852 ng/dl. Diese Werte galten für gesunde, nicht adipöse Männer im Alter von 19 bis 39 Jahren und standardisierte Messverfahren.
Der Bereich beschreibt Gesamt-Testosteron in einer eng definierten Referenzpopulation. Er gilt nicht automatisch für andere Altersgruppen, für adipöse oder hochtrainierte Männer, für jedes Labor oder für freies Testosteron und SHBG. Ein substantieller Teil der Unterschiede zwischen den untersuchten Kohorten wurde auf Assayunterschiede zurückgeführt.
Welche Ernährungs- und Trainingsdaten die Einordnung verändern
Eine Meta-Analyse von sieben randomisierten Studien zeigte keine einheitliche Richtung unter Kalorienrestriktion. Bei übergewichtigen oder adipösen Männern stieg das Gesamt-Testosteron in drei von vier Studien signifikant. Bei normalgewichtigen gesunden Männern sank es in zwei von drei Studien signifikant. Ein Kaloriendefizit lässt sich deshalb nicht pauschal als senkender Einfluss beschreiben.
In den vier Studien, die SHBG erfassten, stieg SHBG unter Kalorienrestriktion unabhängig von der Körperzusammensetzung gegenüber der Kontrolle signifikant. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, wie sich das freie Testosteron oder Beschwerden bei einer einzelnen Person entwickeln.
Eine Meta-Analyse von elf randomisierten Studien mit 421 offenbar gesunden, insuffizient aktiven Männern im Alter von 19 bis 75 Jahren fand für ruhendes Gesamt-Testosteron einen vernachlässigbaren Gesamteffekt. Die standardisierte Mittelwertdifferenz betrug 0,00 mit einem 95%-Konfidenzintervall von -0,20 bis 0,20. Untersucht wurden Ausdauer-, Kraft- und kombiniertes Training über mindestens vier Wochen, im Median zwölf Wochen.
Diese Trainingsdaten stammen nicht von hochtrainierten Bodybuildern und untersuchen kein eindeutig festgestelltes Übertraining. Der Nullbefund bei insuffizient aktiven Männern beantwortet diese spezielle Frage daher nicht direkt.
Was nach einem bestätigten Mangel noch geklärt wird
Nach einem festgestellten Androgenmangel empfiehlt die Leitlinie eine zusätzliche diagnostische Abklärung der Ursache. Dazu gehören Gonadotropine wie LH und FSH. Das vorliegende Material belegt jedoch keine feste Richtungskombination für jeden einzelnen Befund und keine pauschale Pflicht, bei jedem Screening gleichzeitig alle Marker zu bestimmen.
Was sich im Kraftsport praktisch ableiten lässt
Für Verlaufskontrollen ist die Vergleichbarkeit wichtiger als eine isolierte Zahl. Assay, Laborreferenz, Abnahmebedingungen und, bei einer Therapie, die verwendete Formulierung sollten dokumentiert werden, weil Messverfahren nicht harmonisiert sind und Assayunterschiede Laborwerte verschieben können.
Bei injizierbarem Testosteron darf die natürliche Tagesrhythmik nicht pauschal auf die Therapie übertragen werden. Der Zeitpunkt im Injektionsintervall muss zusammen mit der Formulierung angegeben werden; ein allgemeingültig aussagekräftigster Talwert ist nicht belegt.
Auch Ernährung und Training sollten nicht nach einer einfachen Wenn-dann-Regel bewertet werden. Körperzusammensetzung, untersuchte Population, Trainingsstatus und der Unterschied zwischen einem Ruhemarker und einem Leistungsendpunkt begrenzen die Übertragbarkeit.
Welche Grenzen für Leistungsaussagen bleiben
Die hier beschriebenen Untersuchungen erfassen vor allem Testosteronkonzentrationen und diagnostische Laborparameter. Die Trainings-Meta-Analyse untersuchte bei 421 insuffizient aktiven, eugonadalen Männern das ruhende Gesamt- und freie Testosteron, nicht Leistung, Muskelaufbau oder Gesundheit.
Ob ein einzelner Gesamt- oder freier Testosteronwert bei Kraftsportlern zuverlässig Leistung, Muskelaufbau oder Gesundheit vorhersagt, bleibt damit offen.
Quellen
- Bhasin S et al. Testosterone Therapy in Men With Hypogonadism: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. J Clin Endocrinol Metab. 2018. PubMed
- Guzelce EC et al. Accurate measurement of total and free testosterone levels for the diagnosis of androgen disorders. Best Pract Res Clin Endocrinol Metab. 2022. PubMed
- Keevil BG et al. Assessment of free testosterone concentration. J Steroid Biochem Mol Biol. 2019. PubMed
- Travison TG et al. Harmonized Reference Ranges for Circulating Testosterone Levels in Men of Four Cohort Studies in the United States and Europe. J Clin Endocrinol Metab. 2017. PubMed
- Walton MJ et al. A diurnal variation in testicular hormone production is maintained following gonadotrophin suppression in normal men. Clin Endocrinol (Oxf). 2007. PubMed
- Smith SJ et al. Examining the effects of calorie restriction on testosterone concentrations in men: a systematic review and meta-analysis. Nutr Rev. 2022. PubMed
- Potter NJ et al. Effects of Exercise Training on Resting Testosterone Concentrations in Insufficiently Active Men: A Systematic Review and Meta-Analysis. J Strength Cond Res. 2021. PubMed
Dieser Artikel wurde unter Einsatz von KI-Systemen erstellt. Mehr dazu