Cardiovascular risks associated with AAS
Herz und Gefäße tragen vier Wirkungen gleichzeitig: dickere Kammerwand, abgestürztes HDL, höherer Blutdruck, zähflüssigeres Blut. Ein einzelner Zyklus bildet sich in acht Monaten zurück, die Ablagerung in den Gefäßen nicht.
Auch bekannt als: Herzmuskel, Kardiomyopathie, Linksventrikelhypertrophie, LVH, Herz, Herzhypertrophie, AAS und Herz, Steroide Herz
Was gemeint ist
Anabole androgene Steroide wirken an vielen Stellen im Körper, aber die Folgen, an denen Anwender tatsächlich sterben, sammeln sich an Herz und Gefäßen. Der Grund ist nicht eine einzelne besonders gefährliche Wirkung, sondern das Zusammentreffen von vier Veränderungen im selben Menschen: Der Herzmuskel verdickt sich, die Blutfette kippen, der Blutdruck steigt, das Blut wird dickflüssiger. Jede für sich wäre beherrschbar und über Monate oft sogar unauffällig. Zusammen und über Jahre ist sie es nicht.
Dieser Artikel kann seit Kurzem mit Zahlen arbeiten statt mit Warnungen. Lange bestand die Literatur aus Fallberichten und Autopsieserien, also aus Menschen, die bereits auffällig geworden waren, und aus solchen Daten lässt sich kein Risiko berechnen. Drei Arbeiten haben das geändert: eine Querschnittsuntersuchung mit Herzultraschall und Gefäßdarstellung an 140 Kraftsportlern von 2017, eine Verlaufsmessung über einen kompletten Zyklus mit Nachuntersuchung von 2021 und eine Registerauswertung über im Mittel elf Jahre von 2025. Sie widersprechen einander nicht, sie beantworten drei verschiedene Fragen: Wie sieht das Herz eines langjährigen Anwenders aus, was macht ein einzelner Zyklus, und was landet am Ende in den Krankenhausdaten.
Wie das Herz auf Androgene reagiert
Der Herzmuskel liest dieselbe Anweisung
Im Herzmuskel sitzen Androgenrezeptoren, und sie arbeiten dort wie überall: Das Hormon bindet, der Komplex wandert in den Zellkern, die Ablesung der Bauanleitungen für kontraktile Eiweiße steigt. Der Unterschied zur Skelettmuskulatur liegt nicht im Signal, sondern in zwei Eigenheiten des Organs.
Erstens teilen sich Herzmuskelzellen beim Erwachsenen praktisch nicht mehr. Was wächst, sind die vorhandenen Zellen, und was abstirbt, wird durch connective tissue ersetzt, nicht durch neue Muskelzellen. Zweitens ist das Herz eine Pumpe, und ihre Leistung hängt nicht am Querschnitt des Muskels, sondern an der Geometrie: daran, wie viel Blut in die Kammer passt und wie leicht sie sich zwischen zwei Schlägen wieder füllt. Mehr Muskel ist hier nicht automatisch mehr Leistung. Ab einem gewissen Punkt ist es das Gegenteil.
Konzentrisch statt exzentrisch
Ausdauerbelastung lässt das Herz ebenfalls wachsen, aber nach einem anderen Muster. Weil dauernd große Blutmengen bewegt werden, dehnt sich die Kammer, und die Wand wächst im Verhältnis mit. Das Ergebnis ist ein größeres Schlagvolumen bei normaler Füllung, das bekannte Sportlerherz. Es ist eine Anpassung und bildet sich nach dem Ende der Karriere zurück.
Krafttraining mit Androgenen erzeugt das andere Muster: Die Wand wird dicker,
die Kammer nicht größer. Der Fachbegriff dafür ist konzentrische Hypertrophie, und
es ist dieselbe Form, die auch aus jahrelang unbehandeltem Bluthochdruck entsteht.
Motif: Drei Querschnitte der linken Herzkammer nebeneinander, gleiche Bildgröße. Erstens ein normales Herz. Zweitens die Ausdaueranpassung: weite Kammer, Wand im Verhältnis mitgewachsen. Drittens die Anpassung unter Androgenen: deutlich dickere Wand bei unveränderter, dadurch enger wirkender Kammer. Purpose: Trägt die zentrale Aussage des Abschnitts, dass mehr Herzmuskel nicht mehr Pumpleistung heißt, sondern ab einem Punkt das Gegenteil. Style: flat, factual vector graphic in the style of a textbook blackboard, clear contours, few flat colors, no photorealism, no textures, no drop shadows, no spatial lighting, calm monochrome background, no text in the image. Label: „normal“, „Ausdauer“, „Androgene“. Keine Zahlen im Bild. Format: across, about 16:9
Warum die dicke Wand das Füllen stört
Die Erschlaffung des Herzens zwischen zwei Schlägen ist kein passives Nachgeben, sondern ein aktiver Vorgang, der Energie kostet: Kalzium muss zurück in die Speicher gepumpt werden, bevor die Kammer weich wird. Ein dickerer, steiferer Muskel erschlafft langsamer, und die Kammer füllt sich schlechter. Gemessen wird das an der Geschwindigkeit, mit der sich die Klappenebene in der frühen Füllungsphase bewegt. Bei langjährigen Anwendern lag sie bei 9,3 gegenüber 11,1 Zentimetern je Sekunde.
Der linke Vorhof merkt das zuerst, weil er gegen die steifere Kammer anarbeiten muss. Über einen Zyklus wuchs sein Volumen um 9,2 Milliliter. Ein vergrößerter linker Vorhof ist der übliche Einstieg in Vorhofflimmern. Damit ist ein Teil der Rhythmusstörungen weiter unten schon erklärt, ohne dass man irgendeine direkte Wirkung auf Ionenkanäle bemühen müsste.
Und warum auch das Auswerfen nachlässt
Das ist die Beobachtung, die am wenigsten zur Intuition passt: mehr Herzmuskel, weniger Auswurf. Die Auswurffraktion, also der Anteil des Kammerinhalts, der pro Schlag hinausgeht, lag bei langjährigen Anwendern bei 52 Prozent gegenüber 63 bei Kraftsportlern ohne Steroidgebrauch. Und innerhalb der Anwendergruppe war es abgestuft: Wer zum Zeitpunkt der Untersuchung gerade im Zyklus war, kam auf 49 Prozent, wer gerade pausierte, auf 58.
Der wahrscheinlichste Grund ist Bindegewebe zwischen den Muskelzellen. Es macht die Wand dicker, ohne etwas zur Kraftentwicklung beizutragen, und es stört die geordnete Weiterleitung der Erregung. Eine finnische Autopsieserie fand bei steroidpositiven Fällen häufiger eine feinverteilte Fibrose der linken Kammer, mahnt im selben Atemzug aber, dass sich ein Anwender unter dem Mikroskop gerade nicht sicher erkennen lässt: Die Befunde überlappen zu stark mit dem, was auch andere Ursachen hinterlassen. Wer eine Zahl wie „über 90 Prozent der plötzlichen Herztode bei jungen Kraftsportlern sind steroidbedingt“ liest, sollte nach der Arbeit fragen, aus der sie stammt.
What the studies show
140 Kraftsportler, gemessen statt befragt
Die Arbeit von 2017 ist bis heute die aussagekräftigste Momentaufnahme. 86 Männer mit mindestens zwei Jahren zusammengerechneter Anwendung und 54 Kraftsportler ohne, alle zwischen 34 und 54 Jahren, alle mit Herzultraschall und einer Darstellung der Herzkranzgefäße im Computertomografen. Drei Endpunkte standen vorher fest, damit nicht hinterher das Auffälligste zum Ergebnis erklärt wird: Pumpfunktion, Füllungsfunktion und Verkalkung der Herzkranzgefäße.
Alle drei fielen zuungunsten der Anwender aus. Bei den Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen war der Unterschied besonders anschaulich: In der Vergleichsgruppe war im Median überhaupt keine messbar, bei den Anwendern schon. Wichtiger als dieser Gruppenunterschied ist allerdings der Zusammenhang mit der Menge. Je zehn Jahre zusammengerechneter Anwendung stieg die Ablagerungslast um 0,60 Standardabweichungen, mit einem Vertrauensbereich von 0,16 bis 1,03. Es gibt also keine Schwelle, unterhalb derer nichts passiert, sondern eine Dosis-Wirkungs-Beziehung.
Der Bauart nach ist das eine Querschnittsuntersuchung: Gemessen wird einmal, und wer Steroide nimmt, unterscheidet sich möglicherweise auch sonst von dem, der keine nimmt. Genau diese Dosis-Wirkungs-Beziehung innerhalb der Anwendergruppe ist das Argument, das den Einwand am ehesten aushält.
Ein Zyklus, dreimal gemessen
Die zweite Arbeit beantwortet die Frage, die den einzelnen Anwender interessiert: Was macht ein Zyklus, und geht das wieder weg. 31 Kraftsportler wurden vor Beginn untersucht, am Ende des Zyklus nach im Median 16 Wochen und ein weiteres Mal nach im Median acht Monaten ohne Steroide.
Am Ende des Zyklus war die dreidimensional gemessene Auswurffraktion um 4,9 Prozentpunkte gefallen, mit einem Vertrauensbereich von 2,5 bis 7,2. Das Verhältnis der beiden Füllungsphasen war um 0,45 gesunken, die Kammermasse um 28,3 Gramm und das Vorhofvolumen um 9,2 Milliliter gestiegen. Alles hing an der Dosis. Und dann das Entscheidende: Nach acht Monaten ohne Steroide lagen sämtliche Werte wieder auf dem Ausgangsniveau.
Das ist die wichtigste Einzelaussage dieses Artikels, und sie geht in beide Richtungen. Ein Zyklus hinterlässt am Muskel des Herzens nichts Bleibendes, die verbreitete Vorstellung vom unwiderruflich vernarbten Herzen nach der ersten Kur ist so nicht haltbar. Umgekehrt heißt es aber auch: Wer die Erholung nicht abwartet und den nächsten Zyklus auf den nur halb zurückgebildeten Befund setzt, addiert. Die Querschnittsuntersuchung von 2017 hat genau solche Männer angesehen.
Elf Jahre Register
Die dritte Arbeit verlässt die Messgeräte und schaut auf Ereignisse. Ausgangspunkt war ein dänisches Dopingkontrollregister: 1189 Männer mit positivem Befund aus Fitnessstudios, verglichen mit 59450 Männern aus der Allgemeinbevölkerung, nachbeobachtet über durchschnittlich elf Jahre und ausgewertet über die nationalen Krankenhausdaten.
Ein paar Einordnungen, damit die Zahlen nicht größer wirken, als sie sind. Es sind relative Häufigkeiten: Bei jungen Männern ist auch das Neunfache eines kleinen Risikos in absoluten Zahlen noch ein kleines Risiko. Und ein Register beweist keine Ursache. Wer bei einer Dopingkontrolle auffällt, unterscheidet sich von der Allgemeinbevölkerung in mehr als nur den Steroiden, und ausgleichen lässt sich nur, was in den Daten steht. Was das Ergebnis trotzdem trägt, ist die Übereinstimmung mit den Messwerten: Die Diagnosen, die am deutlichsten häufiger sind, sind genau die, die man aus der verdickten Kammer, dem gefallenen HDL und dem dickeren Blut vorhersagen würde.
Was Jahre nach dem letzten Zyklus noch messbar ist
Neben dem Herzmuskel, der sich erholt, gibt es Befunde, die das nicht tun. Die Steifigkeit der Hauptschlagader war bei ehemaligen Anwendern um rund 21 Prozent erhöht, also genauso stark wie bei aktuellen. In einer Untersuchung der Durchblutungsreserve der kleinsten Herzkranzgefäße mit nuklearmedizinischer Bildgebung fand sich eine Einschränkung bei aktuellen und, seltener, auch bei ehemaligen Anwendern, während in der Vergleichsgruppe kein einziger Fall auftrat. Und die Auswurffraktion der Pausierenden aus der Querschnittsuntersuchung lag zwar über der der Aktiven, aber immer noch unter der der Nichtanwender.
Am wenigsten rückgängig zu machen ist das, was sich in den Gefäßwänden abgelagert hat. Eine Ablagerung verschwindet nicht, wenn die Blutfette sich wieder normalisieren. Was sich beeinflussen lässt, ist die Geschwindigkeit, mit der weitere dazukommt.
Nebenwirkungen im Einzelnen
Was folgt, ist die Aufschlüsselung nach Mechanismus. Die Reihenfolge ist nicht die der Schwere, sondern die der Kausalkette: Was zuerst steht, treibt das Spätere.
Verdickung und Pumpschwäche der linken Kammer
Mechanism: Androgene lassen die Herzmuskelzelle wachsen, ohne dass die Kammer sich weitet. Die Wand wird dicker und steifer, die Füllung schlechter, und weil zwischen den Zellen Bindegewebe eingelagert wird, trägt ein wachsender Teil der Wand nichts zur Kraftentwicklung bei. Der Blutdruck, der unter Androgenen ohnehin steigt, zieht in dieselbe Richtung: Er ist für sich genommen schon eine Ursache konzentrischer Hypertrophie.
Dependency: Dosis- und dauerabhängig, in der Verlaufsmessung für beides direkt gezeigt. Über 16 Wochen sind es rund 28 Gramm Kammermasse und knapp fünf Prozentpunkte Auswurffraktion. Über Jahre landet man bei den 52 gegen 63 Prozent der Querschnittsuntersuchung. Wer zusätzlich Clenbuterol oder andere Sympathomimetika nimmt, addiert einen zweiten Wachstumsreiz auf dasselbe Organ.
Consequence: Nach einem Zyklus mit ausreichend langer Pause bildet sich das zurück, in der Verlaufsmessung binnen acht Monaten vollständig. Was sich nicht zurückbildet, ist der Anteil, der bereits Narbe ist. Praktisch heißt das: Die Länge der Pause ist keine Formsache und nicht durch eine höhere Dosis im nächsten Zyklus aufzuwiegen.
What you can do: Die Pause ist die Maßnahme, und sie lässt sich prüfen statt schätzen: erst wieder anfangen, wenn der Herzultraschall auf dem Ausgangswert liegt, nicht wenn der Kalender es sagt. Alles, was den Blutdruck senkt, wirkt hier mit, weil er selbst ein Wachstumsreiz für die Kammerwand ist. Sympathomimetika wie Clenbuterol oder hoch dosiertes Caffeine gehören in dieser Zeit weg, sie legen einen zweiten Reiz auf dasselbe Organ.
Absturz des HDL und beschleunigte Verkalkung
Mechanism: Androgene steigern die Aktivität der hepatischen Lipase, des Enzyms, das HDL-Partikel in der Leber abbaut. Damit fällt der Rücktransport von Cholesterin aus der Gefäßwand weg, gleichzeitig steigt in der Regel das LDL. Das ist keine Laborkosmetik, sondern die Konstellation, aus der über Jahre Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen entstehen.
Dependency: Hier entscheidet weniger die Dosis als die Substanzklasse, und zwar deutlicher als bei fast jeder anderen Nebenwirkung. Geschluckte, in der 17-Position alkylierte Stoffe passieren die Leber in voller Konzentration und wirken dort ein Vielfaches stärker als gespritzte Ester.
Bemerkenswert an diesem Versuch ist, dass ausgerechnet das schwächer androgen wirkende Mittel die Blutfette härter trifft. Androgene Stärke und Wirkung auf den Fettstoffwechsel sind zwei verschiedene Eigenschaften, und aus der einen lässt sich die andere nicht ableiten. Wer Oxymetholone or Stanozolol für „milder“ hält, weil die Vermännlichungsanzeichen ausbleiben, verwechselt genau das.
Consequence: Der Wert lässt sich für wenig Geld messen, und er reagiert schnell in beide Richtungen. Wie schnell sich das HDL nach dem Absetzen erholt, hängt allerdings davon ab, was gelaufen ist: bei Kraftsportlern, die mehrere Substanzen gleichzeitig anwendeten, waren HDL-Cholesterin, Apolipoprotein A1, Apolipoprotein B und Lipoprotein(a) sechs Wochen nach dem Absetzen noch nicht auf dem Ausgangswert, und nach vierzehn Wochen Anwendung dauerte es länger als nach acht. Was bleibt, ist die Zeit unter schlechten Werten, und die summiert sich über Zyklen hinweg. Die Einzelheiten stehen unter HDL cholesterol. Für die Vorbeugung gilt außerdem: Die üblichen Risikorechner sind für Menschen jenseits der vierzig mit klassischem Risikoprofil gebaut und unterschätzen einen dreißigjährigen Anwender systematisch.
What you can do: Der größte Hebel ist die Substanzklasse: keine geschluckten 17-alkylierten Stoffe, dann bleibt der Schaden im Bereich des Gespritzten. Ausdauereinheiten und ein niedriger Körperfettanteil heben das HDL etwas an, kommen aber gegen den Androgeneffekt nicht an. Bleibt das LDL trotz allem hoch, ist ein Statin die wirksame Maßnahme und bei einem jungen Anwender mit nachgewiesener Ablagerung kein Tabu, sondern das, was die Fachliteratur zu dieser Gruppe ausdrücklich empfiehlt. Was nicht hilft: warten, bis der Rechner ein Risiko anzeigt.
Bluthochdruck und steife Gefäße
Mechanism: Mehrere Wege laufen zusammen. Androgene fördern über den Mineralokortikoid-Weg die Rückhaltung von Sodium und Wasser, was das Blutvolumen erhöht. Sie verändern die Reaktionsbereitschaft der Gefäßmuskulatur, und sie unterdrücken die natriuretischen Peptide, also körpereigene Gegenspieler, deren Aufgabe genau das Ableiten von Volumen ist. In der Messung über 24 Stunden lag der obere Wert bei aktuellen Anwendern bei 132 gegenüber 124 mmHg, und ein behandlungsbedürftiger oberer Wert fand sich bei 51 gegenüber 17 Prozent.
Dependency: Dosisabhängig, zusätzlich abhängig von der Wassereinlagerung und damit von der Aromatisierbarkeit des Stoffes. Die Steifigkeit der Hauptschlagader war dagegen bei ehemaligen Anwendern genauso erhöht wie bei aktuellen, sie folgt also nicht dem aktuellen Spiegel, sondern der Vorgeschichte.
Consequence: Eine einzelne Messung in der Praxis taugt hier wenig, weil die Erhöhung oft über den Tag verteilt und nachts auftritt. Der Blutdruck ist der am leichtesten zu senkende der vier Faktoren und derjenige, der gleichzeitig auf Kammer, Gefäße und kidney wirkt.
What you can do: Zuerst die Ursachen im Zyklus: die aromatisierbare Dosis senken, Drainage und Salzexzesse weglassen, Schlaf und Ausdauereinheiten wieder aufnehmen. Bleibt der Wert über Wochen erhöht, gehört er behandelt und nicht ausgesessen. Wichtig ist die Reihenfolge: Ein Blutdruckmittel auf eine unveränderte Dosis draufzusetzen behandelt die Anzeige, nicht die Ursache, senkt aber immer noch mehr Risiko als gar nichts zu tun.
Dickeres Blut
Mechanism: Androgene kurbeln die Blutbildung an, teils über mehr Erythropoetin, teils indem sie Hepcidin senken und damit mehr Eisen für die Bildung roter Blutkörperchen verfügbar machen. Hematocrit und Hämoglobin steigen. Ab einem gewissen Punkt nimmt die Zähigkeit des Blutes überproportional zu, und damit die Neigung zu Gerinnseln in Venen wie Arterien.
Dependency: Dosisabhängig und abhängig vom Verlaufsprofil: Ester mit hohen Spitzen treiben den Wert stärker als gleichmäßige Spiegel. Rauchen, Schlafapnoe und Höhenaufenthalt addieren sich, ebenso alles, was entwässert. Im Register lag die Rate für venöse Thrombosen beim 2,4-Fachen.
Consequence: Das ist der am einfachsten zu überwachende und am einfachsten zu korrigierende Punkt der ganzen Liste: ein Wert aus dem Blood count, und im Ernstfall Aderlass oder Blutspende. Er gehört zu den wenigen, bei denen die Korrektur sofort wirkt.
What you can do: Dosis senken und auf einen gleichmäßigeren Verlauf umstellen, also dieselbe Wochenmenge häufiger und kleiner, weil die Spitzen den Wert treiben. Aderlass oder Blutspende wirkt sofort, behebt die Ursache aber nicht und zieht bei Wiederholung das Ferritin nach unten, das gehört also mitgemessen. Rauchen und eine unbehandelte Schlafapnoe addieren sich auf denselben Wert und sind der leichtere Hebel. Ausreichend trinken ist kein Gegenmittel, verhindert aber, dass ein ohnehin hoher Wert noch eingedickt wird.
Rhythmusstörungen
Mechanism: Drei Wege, alle indirekt. Die verdickte Kammer und das eingelagerte Bindegewebe stören die geordnete Ausbreitung der Erregung. Der vergrößerte linke Vorhof begünstigt Vorhofflimmern. Und Verschiebungen von Potassium verändern die elektrische Stabilität unmittelbar. Ein direkter Effekt auf die Ionenkanäle des Herzens wird oft behauptet, ist am Menschen aber nicht sauber gemessen, und man braucht ihn zur Erklärung auch nicht.
Dependency: Die gefährlichste Konstellation ist nicht der Zyklus selbst, sondern die Wettkampfwoche: maximale Dosis, Drainage über Diuretika, verschobenes Kalium, wenig Kohlenhydrate, wenig Schlaf und häufig noch ein Stimulans dazu. Genau in diesem Fenster häufen sich die Fallberichte. Im Register lag die Rate für Rhythmusstörungen über den gesamten Zeitraum beim 2,3-Fachen.
Consequence: Herzstolpern unter Belastung, Schwindel oder eine Ohnmacht sind keine Nebensächlichkeiten, die man abwartet. Und wer entwässert, sollte den Kaliumwert kennen, statt ihn zu schätzen.
What you can do: The Wettkampfwoche ist der Ort, an dem sich am meisten gewinnen lässt: keine Diuretika ohne Kaliumkontrolle, keine Stimulanzien obendrauf, und die Kohlenhydrate nicht gleichzeitig auf null. Wer Herzstolpern unter Belastung bemerkt, braucht ein Langzeit-EKG und keine Beruhigung aus dem Forum. Nach einer Ohnmacht ist der nächste Weg die Notaufnahme, weil sich harmloser Kreislaufabfall und Kammertachykardie von außen nicht unterscheiden lassen.
Was man misst
Vier Dinge decken den größten Teil ab, und drei davon kosten fast nichts:
Blutdruck über 24 Stunden. Nicht die Einzelmessung, weil die Erhöhung häufig nachts liegt. Das ist der günstigste Befund mit dem größten Hebel.
Blutfette. HDL, LDL und Triglycerides, mit dem Wissen, dass geschluckte Stoffe die Werte um ein Vielfaches stärker verschieben als gespritzte. Einzelheiten im Laboratory monitoring.
Hämatokrit. Zusammen mit Hämoglobin, im Verlauf und nicht als Einzelwert.
Herzultraschall. Der Punkt, an dem oft gespart wird, und der einzige, bei dem sich das nicht ersetzen lässt. Ein EKG reicht ausdrücklich nicht: Von 100 Kraftsportlern mit Steroidanamnese hatten 32 im Ultraschall eine verdickte Kammerwand, und das beste der geprüften EKG-Kriterien fand davon 31 Prozent bei einer Trefferquote von 88 Prozent für die Unauffälligen. Ein unauffälliges EKG schließt eine Hypertrophie also nicht aus. Bei langjähriger Anwendung kommt die Darstellung der Herzkranzgefäße dazu, weil die Ablagerung das ist, was bleibt.
Classification
Die Datenlage hat sich in den letzten Jahren von Anekdoten zu Zahlen gewandelt, und beide Lager verlieren dabei etwas. Wer Steroide für kardiologisch unbedenklich hält, solange die Blutwerte stimmen, hat gegen sich, dass die Auswurffraktion schon nach einem einzelnen Zyklus messbar fällt und dass die Häufigkeit von Kardiomyopathie im Register um ein Vielfaches erhöht ist. Wer jede Anwendung mit dem irreversibel geschädigten Herzen gleichsetzt, hat gegen sich, dass sich in der sauberen Verlaufsmessung jeder einzelne Ultraschallbefund binnen acht Monaten zurückbildete.
Der Unterschied zwischen beidem ist keine Frage der Substanz und kaum eine der Dosis. Er ist eine Frage der Zeit unter Belastung. Vier Zyklen im Jahr mit kurzen Pausen und vier Zyklen über zehn Jahre enthalten dieselben Milligramm und ergeben ein völlig verschiedenes Herz. Das ist die einzige Stellschraube in diesem Artikel, die niemand außer dem Anwender selbst bedient.
Bleibt der unbequeme Rest. Die Gefäßsteifigkeit war bei Ehemaligen so hoch wie bei Aktiven, die Durchblutungsreserve der kleinen Gefäße bei Ehemaligen noch eingeschränkt, und Ablagerungen in den Kranzgefäßen lösen sich nicht auf. Das Herz verzeiht, die Gefäße rechnen mit.
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Sources
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