T2
3,5-T2 ist ein körpereigener Schilddrüsenhormon-Metabolit mit Stoffwechseleffekten in Labor- und Tierstudien. Für Gewichtsverlust und Sicherheit beim Menschen reichen die bisherigen Daten nicht aus.
Auch bekannt als: T2, 3,5-Diiodothyronine, 3,5-Diiodthyronin, Diiodothyronine
Was es ist
3,5-Diiodthyronin, kurz 3,5-T2, ist ein körpereigener Metabolit der Schilddrüsenhormone. Es gehört zu den Iodthyroninen und enthält zwei Iodatome.
In Serumproben von 28 gesunden Personen wurde 3,5-T2 durchgehend nachgewiesen. Der mittlere endogene Wert betrug 78 ± 9 pmol/l. Das ist ein Ausgangswert ohne verabreichtes T2, kein Zielwert für eine Einnahme.
Wie es wirkt
Mitochondriale Atmung
An isolierter Cytochrom-c-Oxidase aus Rinderherz band 3,5-T2 an die Untereinheit Va und hob in einem rekonstituierten System die ATP-bedingte Hemmung der Atmung auf. Eine narrative Übersicht beschreibt Mitochondrien als mögliches Ziel, hält den gesamten Wirkmechanismus aber für ungeklärt und nennt auch rezeptorvermittelte Wirkungen.
Die Bindung an ein isoliertes Enzym zeigt noch nicht, dass eine eingenommene Dosis beim Menschen dort in wirksamer Konzentration ankommt. Nach Einnahme erreichte Blut- und Gewebekonzentrationen sind nicht bekannt.
Zellulärer Stoffwechsel und hormonelle Rückkopplung
In H9c2-Zellen aus Ratten stieg die Glukoseaufnahme bei 0,1 µM 3,5-T2 um 24 Prozent und bei 1,0 µM um 35 Prozent. Glukoseaufnahme in einer Zelllinie ist weder Gewichtsverlust noch ein Leistungsendpunkt.
Schon die niedrigere Zellkonzentration liegt weit über dem gemessenen endogenen Serumwert gesunder Menschen. Zellmedium und Blut sind unterschiedliche Messräume; ohne Daten nach Einnahme lässt sich daraus weder eine wirksame noch eine sichere Humandosis ableiten.
In einem 90-tägigen Versuch mit Wistar-Ratten sanken unter subkutan verabreichtem 3,5-T2 die Serumwerte von TSH, T3 und T4 dosisabhängig. In einer anderen Rattenstudie mit fettreicher Ernährung blieben diese Werte dagegen unverändert. Die Tierbefunde tragen daher keine allgemeine Behauptung, 3,5-T2 schone die Schilddrüsenachse.
Was die Studien zeigen
In einer Intervention mit verabreichtem 3,5-T2 wurden zwei Menschen mit normaler Schilddrüsenfunktion untersucht. Bei beiden stieg der Ruheumsatz. Nach einer weiteren dreiwöchigen Behandlungsphase mit 300 µg täglich lag das Körpergewicht laut Abstract etwa 4 Prozent niedriger; unter Placebo wurde bei denselben Personen keine signifikante Veränderung beobachtet.
Zwei Personen erlauben keine belastbare Schätzung des durchschnittlichen Gewichtsverlusts. Randomisierung und Verblindung sind im Abstract nicht beschrieben. Ob einzelne Menschen wiederholt reagieren oder bestimmte Ausgangswerte die Wirkung verändern, wurde nicht geprüft. Eine größere kontrollierte Untersuchung müsste Gewicht und Ruheumsatz sowie individuelle Reaktionen unter T2 und Placebo messen.
Bei Ratten unter fettreicher Ernährung war das Körpergewicht mit 3,5-T2 gegenüber der Kontrollgruppe 13 Prozent niedriger, die Fettmasse etwa 50 Prozent geringer und die Leberfettsäureoxidation 42 Prozent höher. Dosis und Studiendauer nennt der ausgewertete Abstract nicht. Im 90-tägigen Wistar-Rattenversuch stieg ebenfalls der Sauerstoffverbrauch und die Körpermasse sank, zugleich wurden Schilddrüsenwerte unterdrückt.
Darstellung: Zwei Balken auf einer gemeinsamen Prozentachse mit Nullpunkt; die Konzentrationen stehen unter den Balken. Daten: H9c2-Rattenkardioblasten, 0,1 µM 3,5-T2: Glukoseaufnahme +24 %; 1,0 µM 3,5-T2: Glukoseaufnahme +35 %, jeweils gegenüber der Kontrolle. Fundstellen: s11, Evidenzmatrix, Zeile „In H9c2-Rattenkardioblasten erhöhte 3,5-T2 die Glukoseaufnahme“, Felder „dose“, „result“ und „effectSize“; wörtlicher Beleg: „glucose uptake being increased by 24 or 35% in cells exposed to 0.1 or 1.0 µM T2“. Hinweise: Zwei gemessene Zellkonzentrationen als Vergleich darstellen, keine Kurve und keine Umrechnung in eine Einnahmedosis. Die Zahl unabhängiger Replikate ist im Abstract nicht angegeben.
Dosierung
- Zur Gewichtsabnahme: Eine wirksame und sichere Dosis lässt sich aus der Untersuchung mit zwei Personen nicht festlegen. Die dort verwendeten 300 µg täglich sind eine Studiendosis, keine Dosierungsempfehlung.
- Übertragung aus Tierstudien: Die 90-tägige Rattenstudie prüfte täglich 25, 50 oder 75 µg pro 100 g Körpergewicht durch subkutane Gabe und fand eine dosisabhängige Suppression von Schilddrüsenwerten. Diese Dosen lassen sich nicht unmittelbar auf eine Einnahme beim Menschen übertragen.
- Praktische Entscheidung: Eine Einnahme zum Fettabbau lässt sich derzeit nicht evidenzbasiert planen. Orale Aufnahme, Konzentrationsverlauf und Wirkstoffgehalt kommerzieller Produkte sind mit den ausgewählten Daten nicht geklärt.
Nebenwirkungen
Schilddrüsenachse: Nach 90 Tagen subkutaner Gabe sanken bei Ratten TSH, T3 und T4 dosisabhängig. In der Rattenstudie mit fettreicher Ernährung blieben diese Werte unverändert. Bei den zwei untersuchten Menschen blieben FT3, FT4 und TSH ebenfalls unverändert. Für diesen menschlichen Nullbefund gab es keine verlässliche Prüfung von Risikogruppen oder Dosisschwellen. Wer 3,5-T2 bereits einnimmt, sollte Veränderungen von TSH und freien Schilddrüsenhormonen ärztlich abklären lassen; ein belegtes Schema, mit dem sich dieses Risiko bei der Einnahme vermeiden ließe, fehlt.
Herz: Bei den zwei untersuchten Menschen wurden keine kardialen Nebenwirkungen beobachtet. Im 90-tägigen Rattenversuch blieben Herzfrequenz und Herzmasse unverändert. Bei 10 µM 3,5-T2 sank das Herzzeitvolumen eines isolierten Rattenherzens dagegen leicht und vorübergehend; in Rattenzellen bestätigte ein Viabilitätstest eine Abnahme erst bei 10 µM. Diese Befunde bestimmen keine menschliche Risikoschwelle. Bei Herzbeschwerden unter einer Einnahme ist eine medizinische Abklärung sinnvoll; eine belegte Begleitmaßnahme, die kardiale Risiken zuverlässig verhindert, ist nicht bekannt.
Einordnung
3,5-T2 hat einen konkreten biochemischen Ansatzpunkt und messbare Stoffwechseleffekte in Tier- und Zellmodellen. Die bisherige Humanintervention mit zwei Personen reicht weder für einen Wirksamkeitsnachweis beim Fettabbau noch für eine Sicherheitsbewertung. Eine narrative Übersicht beschreibt die Humanforschung ebenfalls als sehr begrenzt.
Für Menschen, die Gewicht verlieren oder ihre Trainingsleistung steigern wollen, ist ein Nutzen nicht gezeigt. Offen sind insbesondere eine kontrollierte Gewichtsprüfung mit ausreichender Stichprobe, der Konzentrationsverlauf nach Einnahme und die längerfristigen Folgen für Schilddrüsenachse und Herz.
Quellen
- Antonelli A et al. 3,5-diiodo-L-thyronine increases resting metabolic rate and reduces body weight without undesirable side effects. J Biol Regul Homeost Agents. 2011. PubMed
- Senese R et al. 3,5-Diiodothyronine: A Novel Thyroid Hormone Metabolite and Potent Modulator of Energy Metabolism. Front Endocrinol (Lausanne). 2018. PubMed
- Lorenzini L et al. Assay of Endogenous 3,5-diiodo-L-thyronine (3,5-T(2)) and 3,3'-diiodo-L-thyronine (3,3'-T(2)) in Human Serum: A Feasibility Study. Front Endocrinol (Lausanne). 2019. PubMed
- Lanni A et al. 3,5-diiodo-L-thyronine powerfully reduces adiposity in rats by increasing the burning of fats. FASEB J. 2005. PubMed
- Padron AS et al. Administration of 3,5-diiodothyronine (3,5-T2) causes central hypothyroidism and stimulates thyroid-sensitive tissues. J Endocrinol. 2014. PubMed
- Arnold S et al. 3,5-Diiodothyronine binds to subunit Va of cytochrome-c oxidase and abolishes the allosteric inhibition of respiration by ATP. Eur J Biochem. 1998. PubMed
- Sacripanti G et al. 3,5-Diiodo-l-Thyronine Increases Glucose Consumption in Cardiomyoblasts Without Affecting the Contractile Performance in Rat Heart. Front Endocrinol (Lausanne). 2018. PubMed
Dieser Artikel wurde unter Einsatz von KI-Systemen erstellt. Mehr dazu