IGF-1 LR3

Im Labor veränderte Fassung des Wachstumsfaktors IGF-1, die den Bindungsproteinen entgeht und dadurch länger frei bleibt. Zur Substanz selbst gibt es keine einzige Humanstudie: Was bekannt ist, stammt vom körpereigenen Hormon und vom zugelassenen Präparat für Kinder mit Mangel.

Auch bekannt als: IGF, IGF-1, Long R3 IGF-1, Mechano Growth Factor

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Was es ist

IGF-1 LR3 ist eine im Labor veränderte Fassung des menschlichen insulinähnlichen Wachstumsfaktors 1. Zwei Änderungen unterscheiden es vom Original: An Position 3 sitzt Arginin statt Glutaminsäure, und am vorderen Ende hängt eine Verlängerung aus 13 zusätzlichen Aminosäuren. Aus 70 Bausteinen werden so 83.

Beide Änderungen dienen demselben Zweck. Natives IGF-1 ist im Blut fast vollständig an Bindungsproteine gekoppelt, die IGFBPs, und nur der freie Anteil wirkt. Die veränderte Fassung bindet daran kaum noch, bleibt also frei und länger im Umlauf. Zur Rolle des Hormons im Regelkreis siehe GH-IGF-1-Achse und IGF-1 als Hormon.

Gebunden und frei

Motiv: zwei waagerechte Bahnen übereinander, beide stellen dieselbe Blutbahn dar. Oben natives IGF-1: die meisten Moleküle stecken in einem deutlich größeren Bindungsprotein und sind davon umschlossen, nur ein einzelnes schwimmt frei und dockt rechts an einen Rezeptor in einer Zellwand an. Unten IGF-1 LR3, erkennbar an einem angesetzten Schwanz aus zusätzlichen Bausteinen: die Bindungsproteine sind vorhanden, gleiten aber ab, alle Moleküle schwimmen frei und mehrere erreichen den Rezeptor. Zweck: zeigt in einem Bild, dass die Veränderung nicht die Wirkung am Rezeptor verstärkt, sondern die Menge, die überhaupt dort ankommt, und macht damit verständlich, warum die Wirkdauer und nicht die Wirkstärke der eigentliche Unterschied ist. Stil: flache sachliche Vektorgrafik in der Art einer Lehrbuchtafel, klare Konturen, wenige flächige Farben, kein Fotorealismus, keine Texturen, keine Schlagschatten, keine räumliche Beleuchtung, ruhiger einfarbiger Hintergrund, kein Text im Bild. Beschriftung: natives IGF-1, Bindungsprotein, freier Anteil, Rezeptor, IGF-1 LR3, Verlängerung. Format: quer, etwa 16:9.

Der Unterschied liegt nicht am Rezeptor, sondern davor: Was nicht gebunden wird, bleibt verfügbar.

Wie es wirkt

Der Rezeptor und der Signalweg

IGF-1 bindet an den IGF-1-Rezeptor, eine Rezeptor-Tyrosinkinase. Von dort läuft das Signal über den PI3K/Akt-Signalweg zu mTOR, dem Schalter, der die Muskelproteinsynthese anwirft. Derselbe Rezeptor ist dem Insulinrezeptor eng verwandt, und beide erkennen sich gegenseitig, was die Unterzuckerung als Nebenwirkung erklärt.

Satellitenzellen

Der interessantere Teil betrifft nicht die vorhandene Muskelfaser, sondern ihre Reserve. IGF-1 aktiviert Satellitenzellen, die Stammzellen des Muskels, und regt sie zur Teilung und zum Einbau in bestehende Fasern an. Eine Übersichtsarbeit zur muskeleigenen IGF-1-Produktion beschreibt genau das als den Weg, über den der Muskel auf mechanische Belastung antwortet.

Hier liegt der entscheidende Unterschied, der im Marketing untergeht. Was in dieser Arbeit beschrieben wird, ist IGF-1, das der Muskel selbst am Ort der Belastung herstellt, autokrin und parakrin. Eine Injektion flutet dagegen den ganzen Körper. Ein lokal wirkender Faktor wird durch systemische Zufuhr nicht einfach stärker, er wirkt an anderen Orten mit. Der Schluss vom trainingsbedingten lokalen Anstieg auf den Nutzen einer Spritze ist genau die Übertragung, die niemand geprüft hat.

Was Hyperplasie hier bedeutet

Die verbreitete Behauptung, IGF-1 erzeuge im Gegensatz zu Steroiden neue Muskelfasern statt nur dickerer, stammt aus der Satellitenzellbiologie. Satellitenzellen teilen sich tatsächlich und liefern neue Zellkerne. Ob daraus beim erwachsenen Menschen zusätzliche Fasern entstehen, ist eine andere Frage, und sie ist offen. Belegt ist die Zellteilung, nicht die neue Faser.

Was die Studien zeigen

Zu IGF-1 LR3 selbst

Nichts. Es gibt keine Studie am Menschen zu dieser Substanz, weder zur Wirksamkeit noch zur Sicherheit noch zur Pharmakokinetik. Die kursierenden Angaben zur Halbwertszeit stammen nicht aus Humandaten. Eine Übersicht zum Einsatz von Wachstumshormon, IGF-1 und Insulin zu anabolen Zwecken hält für die ganze Stoffgruppe fest, dass es trotz der verbreiteten Überzeugung an belastbaren Daten am Menschen fehlt.

Das ist kein Nebensatz, sondern der Kern. Alles Weitere in diesem Artikel stammt entweder vom nativen IGF-1 oder vom zugelassenen rekombinanten IGF-1, das eine andere Substanz mit anderem Zeitverhalten ist. Die offene Vorhersage lautet: Trägt die Annahme, müsste sich unter LR3 bei gleichem Training und gleicher Ernährung ein Unterschied in der fettfreien Masse über zwölf Wochen zeigen. Niemand hat das gemessen, und im Bezugsrahmen einer nicht zugelassenen Substanz wird es auch niemand tun.

Was das zugelassene IGF-1 zeigt

Rekombinantes IGF-1 gibt es als Medikament unter dem Namen Mecasermin, zugelassen für Kinder mit schwerem IGF-1-Mangel. Aus dieser Anwendung stammt das Nebenwirkungsprofil: Die häufigste Nebenwirkung ist die Unterzuckerung, die sich durch Einnahme zu den Mahlzeiten beherrschen lässt. Dazu kommen eine Vergrößerung lymphatischen Gewebes, die gelegentlich operiert werden muss, Fetteinlagerung und eine Vergröberung der Gesichtszüge. In einer Studie an Patientinnen mit Rett-Syndrom wurde das Mittel auf Sicherheit und Pharmakokinetik geprüft.

Diese Daten stammen von Kindern mit einem Mangel, denen ein fehlendes Hormon ersetzt wird. Auf einen gesunden Erwachsenen mit normalem Spiegel lässt sich davon die Art der Nebenwirkungen übertragen, nicht ihre Häufigkeit und nicht das Nutzen-Risiko-Verhältnis. Ein Mangel auszugleichen und einen Normalwert zu überschreiten sind zwei verschiedene Eingriffe.

Der Zusammenhang mit Krebs

Hier gibt es große und saubere Daten, allerdings nur zu körpereigenen Spiegeln. Eine gepoolte Auswertung von 17 prospektiven Studien mit 4790 Erkrankten und 9428 Vergleichspersonen fand für Frauen im obersten Fünftel der IGF-1-Konzentration ein um 28 Prozent erhöhtes Brustkrebsrisiko gegenüber dem untersten Fünftel, Verhältnis 1,28 bei einem Bereich von 1,14 bis 1,44. Für östrogenrezeptorpositive Tumoren lag es bei 1,38, für östrogenrezeptornegative bei 0,80 und damit ohne Zusammenhang.

Das sind Beobachtungsdaten zu natürlicher Streuung im Normalbereich, keine Studien zu Injektionen. Sie belegen keinen Ursachenzusammenhang, und sie sagen nichts darüber, was ein kurzzeitig weit überhöhter Spiegel bewirkt. Was sie zeigen, ist die Richtung: Innerhalb des normalen Bereichs geht mehr IGF-1 mit mehr und nicht mit weniger Risiko einher. Wer den Wert absichtlich über diesen Bereich hebt, bewegt sich in einem Bereich, für den es überhaupt keine Daten gibt. Dass IGF-1 den programmierten Zelltod hemmt, ist der mechanistische Grund, warum diese Sorge ernst genommen wird.

Der einfache Weg nach oben

Erwähnenswert ist, was den IGF-1-Spiegel ohnehin hebt. In der Dosis-Wirkungs-Studie an 61 gesunden Männern über 20 Wochen stieg IGF-1 parallel zur Testosteronkonzentration an, und die fettfreie Masse nahm dosisabhängig um 3,4, 5,2 und 7,9 Kilogramm zu. Wer bereits Testosteron verwendet, hat seinen IGF-1-Spiegel damit schon angehoben.

Dosierung

  • Es gibt keine geprüfte Dosis. Für LR3 existiert keine Humanstudie, aus der sich eine ableiten ließe. Die kursierenden Angaben sind Anwenderpraxis ohne Grundlage, und das gehört dazugesagt.
  • Die Unterzuckerung ist der begrenzende Faktor, nicht das Empfinden. Sie ist die häufigste Nebenwirkung des verwandten zugelassenen Präparats. Wer die Menge nach Verträglichkeit steigert, hat kein Warnsignal, auf das er sich verlassen kann.
  • Zu einer Mahlzeit, weil sich die Unterzuckerung beim zugelassenen Präparat genau so beherrschen lässt.
  • Reinheit und Gehalt sind unbekannt. LR3 wird als Forschungschemikalie gehandelt, ohne Arzneimittelprüfung. Bei einem Peptid ist weder der Gehalt noch der Abbauzustand am Fläschchen erkennbar.
  • Nicht neben Insulin. Beide senken den Blutzucker über verwandte Rezeptoren, siehe Insulin. Die Wirkungen addieren sich, und für die Kombination gibt es keinerlei Daten.

Nebenwirkungen

Unterzuckerung

Was passiert: Der IGF-1-Rezeptor und der Insulinrezeptor sind eng verwandt, IGF-1 wirkt deshalb in höherer Konzentration auch am Insulinrezeptor. Der Blutzucker fällt. Beim zugelassenen Präparat ist das die häufigste Nebenwirkung überhaupt.

Wovon es abhängt: Von Dosis, Zeitpunkt und Mahlzeit. Bei LR3 kommt die lange Wirkdauer hinzu, die gerade der Zweck der Veränderung ist: Was länger frei im Blut bleibt, senkt den Blutzucker auch länger. Was folgt daraus: Anders als bei Insulin kommt der Tiefpunkt nicht in einem gut umrissenen Zeitfenster, sondern gezogen über Stunden. Was man tun kann: Zu den Mahlzeiten zuführen, schnelle Kohlenhydrate erreichbar halten, und die Substanz nicht vor dem Schlafengehen verwenden. Zum Vorgehen bei einer Unterzuckerung siehe Insulin, dort steht es ausführlich.

Wachstum von Gewebe, das nicht gemeint war

Was passiert: Der IGF-1-Rezeptor sitzt auf fast jeder Zelle. Ein systemisch angehobener Spiegel wirkt deshalb überall, nicht nur im Muskel. Beim zugelassenen Präparat sind eine Vergrößerung lymphatischen Gewebes, Fetteinlagerung und eine Vergröberung der Gesichtszüge dokumentiert.

Wovon es abhängt: Von Höhe und Dauer der Erhöhung. Was folgt daraus: Diese Veränderungen kommen langsam und werden erst spät bemerkt, an Blutwerten sieht man sie nicht. Was man tun kann: Es gibt keine Gegenmaßnahme außer der Begrenzung von Dosis und Dauer. Wer Veränderungen an Händen, Gesichtszügen oder Zahnstellung bemerkt, sollte absetzen, siehe auch HGH, wo dasselbe Muster ausführlicher steht.

Die Krebsfrage

Was passiert: IGF-1 hemmt den programmierten Zelltod und fördert die Zellteilung. Damit begünstigt es theoretisch das Wachstum von Zellen, die bereits entartet sind. In den Beobachtungsdaten geht ein höherer körpereigener Spiegel mit einem höheren Brustkrebsrisiko einher.

Wovon es abhängt: Unbekannt. Die vorliegenden Daten betreffen natürliche Spiegelunterschiede, nicht Injektionen. Was folgt daraus: Dies ist eine begründete Sorge und kein belegter Schaden, und beides zu vermischen wäre falsch. Ein bestehender Tumor wird nicht ausgelöst, sondern möglicherweise begünstigt. Was man tun kann: Wer eine Krebserkrankung in der Vorgeschichte hat oder familiär belastet ist, hat hier einen konkreten Grund gegen die Substanz. Für alle anderen gibt es keine Vorsorgeuntersuchung, die diese Frage beantwortet, siehe PSA für den einen Wert, der überhaupt regelmäßig kontrolliert wird.

Zur Langzeitanwendung bei Gesunden gibt es keine Daten. Weder die Sorge noch die Entwarnung lässt sich belegen. Was sich sagen lässt: Die Sorge stützt sich auf einen Mechanismus und auf große Beobachtungsdaten, die Entwarnung auf gar nichts.

Einordnung

IGF-1 LR3 ist der Fall mit dem größten Abstand zwischen dem, was behauptet wird, und dem, was gemessen wurde. Zur Substanz selbst existiert keine einzige Humanstudie. Was über IGF-1 bekannt ist, stammt aus der Muskelphysiologie, aus der Behandlung eines Mangels bei Kindern und aus Beobachtungsdaten zum Krebsrisiko. Keine dieser Quellen sagt etwas über eine Injektion beim gesunden Erwachsenen.

Der Mechanismus ist dabei tatsächlich überzeugend, und das macht die Sache schwierig statt einfach. Satellitenzellaktivierung ist real, der Signalweg ist real, und die lokale Rolle beim Muskelwachstum ist beschrieben. Was fehlt, ist der Schritt von dort zur Spritze, und dieser Schritt beinhaltet einen Wechsel von lokal zu systemisch, der die Wirkung nicht einfach vergrößert.

Praktisch bleibt eine unangenehme Rechnung. Auf der Nutzenseite steht eine Vermutung, auf der Risikoseite eine dokumentierte Unterzuckerung, eine begründete Krebssorge und ein Produkt ohne jede Qualitätskontrolle. Wer den IGF-1-Spiegel heben will, tut das mit Testosteron ohnehin schon, und dort ist wenigstens bekannt, was er anrichtet.

Quellen

  1. Adams GR. Autocrine/paracrine IGF-I and skeletal muscle adaptation. J Appl Physiol. 2002. PubMed
  2. Key TJ et al. Insulin-like growth factor 1 (IGF1), IGF binding protein 3 (IGFBP3), and breast cancer risk: pooled individual data analysis of 17 prospective studies. Lancet Oncol. 2010. PubMed
  3. Rosenbloom AL. Mecasermin (recombinant human insulin-like growth factor I). Adv Ther. 2009. PubMed
  4. Khwaja OS et al. Safety, pharmacokinetics, and preliminary assessment of efficacy of mecasermin (recombinant human IGF-1) for the treatment of Rett syndrome. Proc Natl Acad Sci U S A. 2014. PubMed
  5. Anderson LJ, Tamayose JM, Garcia JM. Use of growth hormone, IGF-I, and insulin for anabolic purpose: pharmacological basis, methods of detection, and adverse effects. Mol Cell Endocrinol. 2018. PubMed
  6. Bhasin S et al. Testosterone dose-response relationships in healthy young men. Am J Physiol Endocrinol Metab. 2001. PubMed

Dieser Artikel wurde unter Einsatz von KI-Systemen erstellt. Mehr dazu