Tadalafil
Tadalafil hemmt PDE5 und ist bei erektiler Dysfunktion sowie Beschwerden der unteren Harnwege wirksam. Die mittlere Halbwertszeit beträgt 17,5 Stunden, während ein klinischer Erektionsendpunkt bis 36 Stunden untersucht wurde. Ein Nutzen für AAS-bedingten Bluthochdruck, Pump oder Muskelaufbau ist nicht gezeigt.
Auch bekannt als: Cialis, Adcirca, Tadalafil
Vad det är
Tadalafil ist ein verschreibungspflichtiger Hemmstoff der Phosphodiesterase 5, kurz PDE5. Klinisch untersucht ist es vor allem bei erektiler Dysfunktion und Beschwerden der unteren Harnwege. Seine vergleichsweise lange Verweildauer erklärt, warum sowohl eine tägliche Einnahme als auch eine bedarfsweise Anwendung untersucht wurden.
Eine integrierte pharmakokinetische Auswertung erfasste 237 gesunde Personen aus 13 klinisch-pharmakologischen Studien und schloss Einzel- sowie Mehrfachdosierungsdaten ein. In den integrierten Einzeldosisdaten lagen die Dosen zwischen 2,5 und 20 mg. Die mittlere Halbwertszeit betrug 17,5 Stunden. BMI, Alter, Geschlecht und Rauchen veränderten die Exposition nicht klinisch bedeutsam. Nahrung hatte einen vernachlässigbaren Einfluss auf die Bioverfügbarkeit.
Die oft genannten 36 Stunden bezeichnen nicht die Halbwertszeit. In einer Studie mit 483 Männern blieb ein klinischer Effekt auf erfolgreiche Geschlechtsverkehrsversuche nach 10 oder 20 mg noch 36 Stunden nach der Dosis nachweisbar.
Halbwertszeit und klinisches Wirkfenster beantworten verschiedene Fragen. Nach 17,5 Stunden ist die Plasmakonzentration im Mittel auf die Hälfte gefallen. Das schließt einen messbaren Effekt zu einem späteren Zeitpunkt nicht aus.
Hur det fungerar
PDE5 und cGMP
In einem isolierten Enzymassay hemmte Tadalafil die Hydrolyse von cGMP durch PDE5 kompetitiv. Die IC50 lag bei 1,8 ± 0,40 nM. Wird cGMP langsamer abgebaut, kann es sich stärker anreichern und die Relaxation glatter Gefäßmuskulatur begünstigen.
Der Enzymassay belegt das molekulare Ziel, aber keine wirksame Humandosis und keinen Nutzen für Blutdruck, Kraft oder Muskelaufbau. Eine Konzentration am isolierten Enzym lässt sich nicht unmittelbar in Milligramm pro Tablette übersetzen.
Gefäßwirkung
Eine länger anhaltende cGMP-Wirkung macht eine Gefäßerweiterung mechanistisch plausibel. Dass daraus tatsächlich eine Blutdruckänderung entsteht, muss jedoch am Menschen gemessen werden. Eine kontrollierte Studie fand nach einmalig 20 mg eine kurzfristige Senkung des ambulanten Blutdrucks.
Eine vorübergehende Blutdrucksenkung ist weder gleichbedeutend mit kardiovaskulärer Prävention noch ein Nachweis dafür, dass Tadalafil AAS-bedingte Gefäßschäden verhindert.
Hypothese am Skelettmuskel
In C2C12-Skelettmuskelzellen erhöhte Tadalafil in Konzentrationen von 10⁻⁷ bis 10⁻⁶ M nach 24 beziehungsweise 72 Stunden die mRNA- und Proteinexpression des Androgenrezeptors sowie die Myogenin-Proteinexpression. Berichtet wurden Veränderungen um das 2,8 ± 0,4-Fache und das 1,4 ± 0,02-Fache, wobei die Zusammenfassung die beiden Werte nicht eindeutig den einzelnen Markern zuordnet.
Das ist ein Zellbefund. Es fehlt der Abgleich mit Konzentrationen, die nach einer üblichen Humandosis im Muskel erreicht werden. Mehr Rezeptorprotein oder Myogenin in Zellkultur ist zudem kein Nachweis für mehr Kraft oder Muskelhypertrophie.
Vad studierna visar
Erektile Funktion und Beschwerden der unteren Harnwege
In einer randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studie wurden 483 Männer mit erektiler Dysfunktion nach Ausgangsschwere stratifiziert. Nach 24 Stunden betrug der mittlere Anteil erfolgreicher Geschlechtsverkehrsversuche 41,8 Prozent unter Placebo, 55,8 Prozent unter 10 mg und 67,3 Prozent unter 20 mg. Nach 36 Stunden waren es 32,8, 56,2 und 61,9 Prozent. Beide Tadalafil-Dosen waren zu beiden Zeitpunkten Placebo überlegen.
Eine Metaanalyse aus 13 randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studien umfasste 3973 Patienten und untersuchte 5 mg einmal täglich über etwa zwölf Wochen. Gegenüber Placebo verbesserten sich der International Prostate Symptom Score um eine standardisierte mittlere Differenz von −2,02, der BPH Impact Index um −0,58 und die Domäne für erektile Funktion im International Index of Erectile Function um 5,18.
In der veröffentlichten Zusammenfassung wurde keine Moderatoranalyse nach Alter, AAS-Status oder Begleitmedikation berichtet. Die zusammengefassten Ergebnisse belegen einen mittleren Nutzen bei den untersuchten Indikationen. Sie zeigen nicht, ob AAS-Anwender anders reagieren.
Blodtryck
In einer randomisierten, doppelblinden Crossover-Studie erhielten 114 Personen mit Hypertonie einmalig 20 mg Tadalafil oder Placebo. Über 26 Stunden sank der ambulante Blutdruck gegenüber Placebo im Mittel um 4,8 mmHg systolisch und 2,9 mmHg diastolisch. Bei unkontrollierter Hypertonie trotz zwei bis vier Blutdruckmitteln betrugen die Unterschiede 7,5 und 4,3 mmHg.
Geprüft wurden einmalig 20 mg, nicht 5 mg täglich. Die Studie dauerte 26 Stunden, schloss keine AAS-Anwender ein und untersuchte weder eine dauerhafte Blutdruckkontrolle noch Herzinfarkte, Schlaganfälle oder andere Ereignisse. Daraus folgt kein Beleg für „kardiovaskuläre Unterstützung“ während einer AAS-Anwendung.
Training und Regeneration
In einer doppelblinden Crossover-Studie mit körperlich aktiven Männern wurden 20 mg Tadalafil 36 Stunden vor einer erschöpfenden Belastung geprüft. Tadalafil verringerte GSH/GSSG um 36 Prozent und erhöhte Kreatinkinase um 75 Prozent, Laktatdehydrogenase um 36 Prozent, Malondialdehyd um 41 Prozent und Protein-Carbonyle um 50 Prozent. Unter Belastung lagen diese Marker höher als unter Placebo.
Diese Blutmarker beschreiben Redoxhaushalt und ausgetretene Zellbestandteile. Sie messen weder Kraft noch Muskelkater, Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit oder langfristige Trainingsanpassung. Der Befund spricht daher gegen die einfache Erzählung eines belegten Regenerationsvorteils, beweist aber auch keine verschlechterte Trainingsleistung.
Dosering
- 5 mg einmal täglich: Diese Dosis ist über etwa zwölf Wochen für erektile Dysfunktion und Beschwerden der unteren Harnwege gegen Placebo untersucht. Sie ist kein belegtes Schema zur Behandlung AAS-bedingter Hypertonie.
- 10 oder 20 mg nach Bedarf: Beide Dosen verbesserten in der ED-Studie den klinischen Endpunkt nach 24 und 36 Stunden. Die 20-mg-Dosis erzielte nach 24 Stunden den höheren Mittelwert, die Studie begründet aber keine allgemeine Selbsttitration.
- 20 mg und Blutdruck: Der vorhandene Blutdruckbeleg betrifft eine einzelne Dosis bei Personen mit Hypertonie. Er trägt weder eine tägliche Dauertherapie noch die Übertragung auf gesunde Kraftsportler.
- Nahrung und Einnahmezeit: Nahrung hatte in der pharmakokinetischen Auswertung vernachlässigbare Effekte auf die Bioverfügbarkeit. Die mittlere Halbwertszeit betrug 17,5 Stunden. Für den Tageszeitpunkt ist in den berichteten Ergebnissen kein belastbarer Nullbefund ausgewiesen.
- AAS-Kontext: Es gibt keine anhand kontrollierter Humanstudien begründete Tadalafil-Dosis für „on-cycle“, Pump, Nährstofftransport, Muskelaufbau oder Regeneration. Eine Dosisentscheidung muss sich daher an einer medizinisch geprüften Indikation orientieren.
Biverkningar
Unerwünschte Ereignisse und Behandlungsabbrüche
Was passiert im Körper? In der Metaanalyse führten unerwünschte Ereignisse unter 5 mg täglich häufiger zum Behandlungsabbruch als unter Placebo. Dieser Sicherheitsendpunkt zeigt jedoch nicht, welche einzelne Beschwerde oder welcher körperliche Mechanismus dafür verantwortlich war.
Wovon hängt es ab? Untersucht wurden Patienten mit erektiler Dysfunktion und/oder Beschwerden der unteren Harnwege über etwa zwölf Wochen. Eine Moderatoranalyse nach einzelnen Beschwerden, AAS-Status oder Begleitmedikation wurde in der Zusammenfassung nicht berichtet.
Was folgt daraus? Die Odds Ratio für einen Abbruch wegen unerwünschter Ereignisse betrug 1,79 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 1,12 bis 2,85. Absolute Abbruchraten und dosisbezogene Risiken einzelner Beschwerden sind daraus nicht bestimmbar.
Was kann man tun? Bei anhaltenden oder belastenden Beschwerden sollten Dosis, Einnahmeschema, Begleitmedikation und Indikation medizinisch neu bewertet werden. Für eine bestimmte Gegenmaßnahme liefern die ausgewerteten Studien keinen Beleg.
Blutdruckabfall und organische Nitrate
Was passiert im Körper? Tadalafil verlangsamt über PDE5 den Abbau von cGMP. Kommt die blutdrucksenkende Wirkung eines organischen Nitrats hinzu, kann der Blutdruck stärker abfallen als unter dem Nitrat allein.
Wovon hängt es ab? In einer Crossover-Studie erhielten 150 Männer sieben Tage lang 20 mg Tadalafil täglich und anschließend zu festgelegten Zeitpunkten 0,4 mg Nitroglycerin sublingual. Geprüft wurde die Wechselwirkung bis 96 Stunden nach der letzten Tadalafil-Dosis.
Was folgt daraus? Nach 4, 8 und 24 Stunden fiel der stehende systolische Blutdruck unter Tadalafil häufiger unter 85 mmHg als unter Placebo. Ab 48 Stunden war kein signifikanter Unterschied mehr messbar. Dieser Nullbefund bei gesunden Männern ist keine allgemeine Sicherheitsfreigabe.
Was kann man tun? Ein sicherer Einnahmeabstand lässt sich aus dieser Studie nicht ableiten. Eine gemeinsame Anwendung kann auf Grundlage dieser Daten nicht als sicher gelten und muss vorab ärztlich geprüft werden.
Klassificering
Für erektile Dysfunktion ist der Nutzen von Tadalafil in einer kontrollierten Einzelstudie und über zahlreiche randomisierte Studien hinweg gezeigt. Auch Beschwerden der unteren Harnwege verbesserten sich in der Metaanalyse. Dafür war 5 mg täglich das untersuchte Schema.
Bei Hypertonie kann eine einzelne Dosis von 20 mg den Blutdruck kurzfristig senken. Das ist ein klinischer Effekt, aber kein Nachweis kardiovaskulärer Prävention und keine geprüfte Therapie AAS-bedingter Hypertonie.
Für AAS-Anwender fehlen kontrollierte Humanstudien zu Blutdruck, erektiler Funktion, Pump, intramuskulärer Durchblutung, Nährstofftransport, Kraft, Trainingsvolumen, Muskelaufbau und langfristiger Sicherheit. Der PDE5-Mechanismus ist stark belegt. Die Kausalkette vom Enzym über einen besseren „Pump“ bis zu mehr Muskulatur ist es nicht.
Trägt die Blutdruckhypothese für 5 mg täglich während einer AAS-Anwendung, müsste sie sich über mehrere Wochen in einer placebokontrollierten ambulanten 24-Stunden-Messung zeigen. Trägt die Muskelhypothese, müssten intramuskuläre Durchblutung, Trainingsleistung und Muskelwachstum unter standardisiertem Krafttraining gemessen werden. Solche Endpunkte fehlen bisher.
Tadalafil ist damit ein gut belegter Wirkstoff für bestimmte medizinische Beschwerden, aber keine belegte allgemeine „on-cycle“-Absicherung. Für Pump oder Muskelaufbau bleibt die Erwartung offen, für die Kombination mit organischen Nitraten besteht dagegen ein konkret gemessenes Risiko.
Källor
- Patterson D et al. Influence of a single dose of 20 mg tadalafil, a phosphodiesterase 5 inhibitor, on ambulatory blood pressure in subjects with hypertension. Br J Clin Pharmacol. 2006. PubMed
- Forgue ST et al. Tadalafil pharmacokinetics in healthy subjects. Br J Clin Pharmacol. 2006. PubMed
- Young JM et al. Tadalafil improved erectile function at twenty-four and thirty-six hours after dosing in men with erectile dysfunction: US trial. J Androl. 2005. PubMed
- Wang Y et al. Tadalafil 5 mg Once Daily Improves Lower Urinary Tract Symptoms and Erectile Dysfunction: A Systematic Review and Meta-analysis. Low Urin Tract Symptoms. 2018. PubMed
- Kloner RA et al. Time course of the interaction between tadalafil and nitrates. J Am Coll Cardiol. 2003. PubMed
- Blount MA et al. Binding of tritiated sildenafil, tadalafil, or vardenafil to the phosphodiesterase-5 catalytic site displays potency, specificity, heterogeneity, and cGMP stimulation. Mol Pharmacol. 2004. PubMed
- Aversa A et al. Tadalafil improves lean mass and endothelial function in nonobese men with mild ED/LUTS: in vivo and in vitro characterization. Endocrine. 2017. PubMed
- Ceci R et al. Effects of tadalafil administration on plasma markers of exercise-induced muscle damage, IL6 and antioxidant status capacity. Eur J Appl Physiol. 2015. PubMed
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