S-23
S-23 ist ein experimenteller nichtsteroidaler Androgenrezeptor-Agonist, dessen anabole, endokrine und kontrazeptive Befunde fast ausschließlich aus Rattenmodellen stammen. Kontrollierte Humandaten zu Muskelaufbau, Hormonsuppression und Sicherheit sowie belastbare Plasma-Pharmakokinetik fehlen.
Auch bekannt als: S-23, GTx-023, S23
Vad det är
S-23 ist ein nichtsteroidaler selektiver Androgenrezeptor-Modulator, kurz SARM. Der Stoff wurde präklinisch als Bestandteil einer hormonellen Verhütung für Männer untersucht. Die tragenden Wirksamkeitsdaten stammen aus Rezeptortests und Rattenmodellen.
„Nichtsteroidal“ bezeichnet hier das chemische Gerüst, nicht eine andere Zielstruktur: S-23 bindet wie klassische Androgene an den Androgenrezeptor. Eine kritische Übersicht weist darauf hin, dass der fehlende steroidale Stoffwechsel günstige anabol-androgene Verhältnisse im Tiermodell mit erklären kann, ohne damit eine klinisch bedeutsame Gewebeselektivität zu beweisen.
Die Literaturrecherche fand keine kontrollierte Humanstudie zu Muskelmasse, Kraft, Fettmasse, Sexualhormonen, Spermien, Fertilität oder klinischen Nebenwirkungen von S-23. Der direkteste ausgewählte Humanbefund ist eine analytische Untersuchung nach einer einzigen Einnahme bei einem Freiwilligen. Sie beantwortet keine dieser Wirksamkeits- oder Sicherheitsfragen.
Hur det fungerar
Bindung und Aktivierung des Androgenrezeptors
In einem In-vitro-AR-Assay band S-23 mit einer Hemmkonstante von 1,7 ± 0,2 nM an den Androgenrezeptor und verhielt sich als Vollagonist. Das belegt eine starke Rezeptorwirkung innerhalb dieses Testsystems.
Für die verwendeten In-vitro-Bedingungen fehlt der Vergleich mit erreichbaren menschlichen Plasmaspiegeln. Aus der Bindungsaffinität folgt deshalb weder eine wirksame Humandosis noch ein Ausmaß von Muskelaufbau oder Hormonsuppression.
Gewebeantwort ist nicht gleich Gewebeselektivität
Bei kastrierten männlichen Ratten lag die subkutane ED50 bei 0,43 mg pro Tag für die Prostata und bei 0,079 mg pro Tag für den Levator-ani-Muskel. Der Muskelendpunkt reagierte in diesem Modell somit bei einer niedrigeren Dosis als der Prostataendpunkt.
Eine Folgearbeit aus demselben Forschungsprogramm beschrieb S-23 in Ratten- und In-vitro-Systemen jedoch als Vollagonisten in androgenen wie auch anabolen Geweben. Eine kritische Übersicht bewertet daher als ungeklärt, ob die präklinischen Unterschiede eine klinisch bedeutsame Gewebeselektivität ergeben.
Hormonachse und Fertilität
Bei intakten männlichen Ratten senkte S-23 nach 14 Tagen das Serum-LH um mehr als 50 Prozent, wenn mehr als 0,1 mg pro Tag subkutan gegeben wurden. Gleichzeitig wurde die Prostata kleiner und der Levator-ani-Muskel größer.
In einem Kontrazeptionsregime aus 0,1 mg S-23 pro Tag plus Estradiolbenzoat wurde die beobachtete Infertilität nach dem Absetzen als reversibel beschrieben. Nach 100 Tagen Erholung betrug die Schwangerschaftsrate 100 Prozent. Diese Erholung gehört zu einer kombinierten Behandlung bei Ratten, nicht zu einer S-23-Monotherapie beim Menschen.
Beim Menschen wurden weder LH, FSH und Testosteron noch Spermiogramm und Fertilität unter S-23 kontrolliert untersucht. Trägt der Mechanismus auf den Menschen über, müssten genau diese Endpunkte während der Einnahme und über eine ausreichend lange Erholung verfolgt werden. Eine solche Prüfung fehlt.
Vad studierna visar
Körperzusammensetzung und Leistung
Bei intakten männlichen Ratten erhöhte S-23 über Behandlungszeiten von bis zu zehn Wochen dosisabhängig die Knochenmineraldichte und die Lean Mass, während die Fat Mass sank. Das Abstract nennt dafür keine numerischen Effektgrößen und berichtet keinen Kraft- oder Leistungsendpunkt.
Wie wenig sich mehr Lean Mass allein über Leistung aussagt, zeigt eine indirekte Vergleichsstudie mit einem anderen SARM. In einer sechsmonatigen, doppelblinden Studie erhielten 170 Frauen ab 65 Jahren mit Sarkopenie zweimal täglich 50 mg MK-0773 oder Placebo, jeweils zusammen mit Vitamin D und Protein. Die Lean Body Mass nahm gegenüber Placebo zu, der Kraftunterschied war mit p = 0,269 nicht signifikant und auch der Gruppenunterschied bei der körperlichen Funktion war gegenüber Placebo nicht signifikant. Eine S-23- oder Responder-Subgruppenanalyse gab es nicht.
Was bei einem Menschen tatsächlich gemessen wurde
Ein Freiwilliger nahm einmalig ungefähr 8 mg S-23 oral ein. Der Ausgangsstoff war im hydrolysierten Urin von zwei Stunden bis 28 Tage nach der Einnahme nachweisbar, bei gemessenen Urinkonzentrationen von 0,5 bis 93 ng/ml. Menschliche Lebermikrosomen erzeugten in derselben Arbeit vier Metaboliten. Das sind analytische Urin- und In-vitro-Daten, keine Plasmakinetik, Bioverfügbarkeit oder klinische Sicherheitsprüfung.
Indirekte Humanbefunde aus anderen SARMs
In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie erhielten 76 gesunde Männer im Alter von 21 bis 50 Jahren für 21 Tage täglich 0,1, 0,3 oder 1,0 mg LGD-4033 oder Placebo. Gesamt-Testosteron, SHBG, HDL und Triglyceride sanken dosisabhängig. Freies Testosteron und FSH waren nur bei 1,0 mg signifikant vermindert. Hormone und Lipide kehrten nach dem Absetzen zum Ausgangswert zurück.
In derselben kurzen Studie traten keine arzneibezogenen schweren unerwünschten Ereignisse und keine signifikanten Änderungen von AST, ALT, PSA oder QT auf. Dosisgruppen wurden geprüft, aber keine S-23-spezifischen Moderatoren. Der Nullbefund gilt deshalb nur für LGD-4033, die untersuchten Dosen und den kurzen Zeitraum.
Eine kritische Übersicht findet insgesamt keine robuste Evidenz, dass SARMs konventionellen Androgenen überlegen sind. Es fehlen direkte Vergleichsstudien, und für S-23 liegt keine kontrollierte Humanstudie vor.
Dosering
- Keine evidenzbasierte Human-Dosis: Es gibt keine kontrollierte S-23-Studie, aus der sich eine wirksame oder vertretbar sichere Dosierung ableiten ließe.
- Die Einmalgabe von ungefähr 8 mg ist keine Dosierungsempfehlung: Sie diente einer analytischen Untersuchung bei einem einzigen Freiwilligen und lieferte keine Wirksamkeits- oder Sicherheitsdaten.
- Rattendosen werden nicht in eine Humandosis umgerechnet: Die ED50-Werte von 0,079 und 0,43 mg pro Tag stammen aus subkutan behandelten, kastrierten Ratten und aus tierischen Gewebeendpunkten.
- Kein belastbares Einnahmeintervall: Cmax, AUC, Plasmahalbwertszeit, orale Bioverfügbarkeit und Steady State beim Menschen sind nicht bestimmt. Ein Urinnachweis bis Tag 28 misst keine Halbwertszeit.
- Kein belegtes PCT-Protokoll: Es wurde nicht kontrolliert geprüft, ob eine PCT nach S-23 nötig ist oder die menschliche Erholung verbessert. Dass sich Hormone nach LGD-4033 wieder dem Ausgangswert annäherten, belegt weder die Erholung nach S-23 noch einen Nutzen der PCT.
Biverkningar
Hormonsuppression und Fertilität
Was passiert im Körper? Bei intakten Ratten senkte S-23 nach 14 Tagen bei Dosen über 0,1 mg pro Tag das LH um mehr als 50 Prozent und veränderte androgenabhängige Gewebe. Wovon hängt es ab? Belegt ist dies für subkutane Rattendosen und, bei der Fertilitätsprüfung, für eine Kombination mit Estradiolbenzoat. Die dort beobachtete Infertilität war nach 100 Tagen Erholung reversibel. Was folgt daraus? Beim Menschen wären LH, FSH, Testosteron und bei Kinderwunsch ein Spermiogramm die direkten Endpunkte. Für S-23 gibt es weder Referenzverläufe noch eine belegte Erholungsdauer. Was kann man tun? Es gibt keinen kontrollierten S-23-Beleg dafür, dass eine pharmakologische Gegenmaßnahme oder PCT die Erholung verbessert. Die verlässlichste Risikoreduktion ist der Verzicht auf die Exposition; eine bereits bestehende Suppression gehört medizinisch beurteilt und nicht anhand eines unbelegten PCT-Schemas behandelt.
Levervärden
Was passiert im Körper? Ein S-23-spezifischer Mechanismus oder eine menschliche Risikorate ist nicht untersucht. Eine systematische Übersicht über 33 Humanstudien mit insgesamt 2136 Personen, davon 1447 SARM-exponiert, fand in den klinischen Studien im Mittel bei 7,1 Prozent erhöhte ALT-Werte und berichtete für die SARM-Klasse Fälle von arzneimittelinduziertem Leberschaden. In der sechsmonatigen MK-0773-Studie traten erhöhte Transaminasen häufiger als unter Placebo auf und bildeten sich nach dem Absetzen zurück. Wovon hängt es ab? Die Übersicht bündelte verschiedene Wirkstoffe, Dosen, Dauern und Populationen. Daraus lässt sich keine S-23-Rate berechnen. Was folgt daraus? ALT und AST sind Marker einer möglichen Zellschädigung, aber weder ein Leistungsendpunkt noch allein eine S-23-spezifische Diagnose. Für S-23 ist kein spezifischer Grenzwert belegt. Was kann man tun? Für eine vorbeugende Begleitmedikation gibt es keinen Beleg. Auffällige Werte oder Beschwerden erfordern ein Ende der ungeklärten Exposition und eine medizinische Abklärung.
Lipide und weitere unbekannte Risiken
Was passiert im Körper? Bei LGD-4033 sanken HDL und Triglyceride dosisabhängig, während entsprechende S-23-Daten fehlen. In derselben LGD-4033-Studie änderten sich AST, ALT, PSA und QT während der kurzen Exposition nicht signifikant. Eine systematische Übersicht berichtete für die SARM-Klasse außerdem Fälle von Achillessehnenruptur und Rhabdomyolyse, erlaubte aber keine S-23-spezifische Häufigkeits- oder Kausalitätsschätzung. Wovon hängt es ab? Geprüft wurden drei LGD-4033-Dosen über 21 Tage, nicht S-23 und keine Langzeitanwendung. Die Übersicht bündelte unterschiedliche Wirkstoffe, Dosen und Expositionsbedingungen. Was folgt daraus? Ein Lipidprofil kann Veränderungen erfassen, erlaubt aber ohne S-23-Daten keine Vorhersage des individuellen oder langfristigen Risikos. Auch die schweren Klassensignale bestimmen keine S-23-spezifische Risikorate. Was kann man tun? Eine S-23-spezifisch geprüfte Gegenmaßnahme gibt es nicht. Ein kurzfristiger Nullbefund bei einem anderen SARM rechtfertigt weder eine höhere Dosis noch eine längere Anwendung.
Klassificering
S-23 ist als Androgenrezeptor-Agonist gut charakterisiert und erzeugte im Rattenmodell klare Dosis- und Gewebeantworten. Beim Menschen ist dagegen nur eine einzelne analytische Exposition direkt dokumentiert. Muskelaufbau, Fettverlust, Kraftzuwachs, Hormonsuppression, Fertilitätsverlust und klinische Sicherheit sind beim Menschen nicht gezeigt.
Für Athleten ist der Urinnachweis bis zu 28 Tage nach einer einzelnen Einnahme der unmittelbarste Humanbefund. Er ist kein Maß für Wirkungsdauer oder Sicherheit.
Auch aus der SARM-Klasse lässt sich keine belastbare Empfehlung zugunsten von S-23 oder eines vermeintlich besseren Vergleichswirkstoffs ableiten. Klinisch bedeutsame Gewebeselektivität und eine Überlegenheit gegenüber konventionellen Androgenen bleiben mangels direkter Vergleiche offen.
Eine entscheidende Humanstudie müsste Dosis und Plasmaexposition gemeinsam erfassen und neben Körperzusammensetzung auch Kraft, LH, FSH, Testosteron, Spermiogramm, Lipide, Leberwerte und die Erholung nach dem Absetzen verfolgen. Nur so ließen sich anabole Wirkung, Suppression und Reversibilität gegeneinander abwägen.
Bis solche Daten vorliegen, ist S-23 kein beim Menschen belegter Muskelaufbauwirkstoff und kein klinisch geprüftes Kontrazeptivum. Der Mechanismus macht beide Wirkungen plausibel. Ob sie bei einer gegebenen Dosis eintreten und ob sie sich vollständig zurückbilden, ist nicht gezeigt.
Källor
- Jones A et al. Preclinical characterization of a (S)-N-(4-cyano-3-trifluoromethyl-phenyl)-3-(3-fluoro, 4-chlorophenoxy)-2-hydroxy-2-methyl-propanamide: a selective androgen receptor modulator for hormonal male contraception. Endocrinology. 2009. PubMed
- Jones A et al. Nonsteroidal selective androgen receptor modulators enhance female sexual motivation. J Pharmacol Exp Ther. 2010. PubMed
- Ameline A et al. In vitro characterization of S-23 metabolites produced by human liver microsomes, and subsequent application to urine after a controlled oral administration. J Pharm Biomed Anal. 2022. PubMed
- Basaria S et al. The safety, pharmacokinetics, and effects of LGD-4033, a novel nonsteroidal oral, selective androgen receptor modulator, in healthy young men. J Gerontol A Biol Sci Med Sci. 2013. PubMed
- Papanicolaou DA et al. A phase IIA randomized, placebo-controlled clinical trial to study the efficacy and safety of the selective androgen receptor modulator (SARM), MK-0773 in female participants with sarcopenia. J Nutr Health Aging. 2013. PubMed
- Vignali JD et al. Systematic Review of Safety of Selective Androgen Receptor Modulators in Healthy Adults: Implications for Recreational Users. J Xenobiot. 2023. PubMed
- Bond P et al. Selective androgen receptor modulators: a critical appraisal. Front Endocrinol (Lausanne). 2025. PubMed
Denna artikel har skapats med hjälp av AI-system. Läs mer