Anavar

Active ingredient: Oxandrolone. The most thoroughly researched anabolic steroid of all and the only one authorised in the USA for use following trauma and surgery. The increase in lean body mass disappears after discontinuation, whilst fat loss is maintained. Mild liver effects; a significant drop in HDL.

Auch bekannt als: Anavar, Var, Oxandrin, Oxandrolone, Oxandrolon

Knowledge Bodybuilding Bible

What it is

Oxandrolon ist ein Abkömmling des Dihydrotestosterons, 1964 von Searle entwickelt, und es ist unter den anabolen Steroiden ein Sonderfall: In den Vereinigten Staaten ist es das einzige, das eine Zulassung für den Wiederaufbau nach Gewichtsverlust durch schweres Trauma, große Operationen oder Infektionen trägt, dazu für die Mangelernährung bei alkoholischer Leberzirrhose und für die Muskeldystrophien vom Typ Duchenne und Becker.

Die Summenformel lautet C₁₉H₃₀O₃, und in ihr steckt die Besonderheit. Im Ring A sitzt an Position 2 kein Kohlenstoff, sondern ein Sauerstoffatom: der Ring selbst ist verändert, nicht nur ein Anhang daran. Dazu kommt die Methylgruppe an C17, die den Stoff schluckbar macht. Eine Übersichtsarbeit führt die ungewöhnliche Kombination aus deutlicher anaboler Wirkung und Widerstandsfähigkeit gegen den Leberabbau ausdrücklich auf diese Bauweise zurück.

How it works

Was nicht passiert

Als Abkömmling des Dihydrotestosterons hat Oxandrolon keinen Ring A, den die aromatase umbauen könnte. Es entsteht daraus kein Östradiol, und damit fallen Wassereinlagerung über den Östrogenweg und Gynäkomastie als Sorge weg. Was bleibt, ist die Unterdrückung der eigenen Achse, denn dafür genügt das Androgen selbst.

Was der Körper davon behält

Die aufschlussreichste Arbeit an Gesunden gab 32 Männern zwischen 60 und 87 Jahren zwölf Wochen lang 20 mg täglich oder ein Placebo und maß danach ein zweites Mal, zwölf Wochen nach dem Absetzen. Am Ende der Behandlung war die magere Masse um 3,0 kg gestiegen, die Oberschenkelmuskelfläche um 12,4 cm², und die Kraft hatte in vier von vier geprüften Übungen zugenommen: Beinpresse 6,7 Prozent, Beinbeugen 7,0 Prozent, Brustpresse 9,3 Prozent, Latzug 5,1 Prozent, jeweils mehr als unter Placebo.

Zwölf Wochen später waren die Zuwächse an magerer Masse und Kraft nicht mehr vom Ausgangswert zu unterscheiden. Der Fettverlust dagegen hielt: statt 1,9 kg waren es noch 1,5 kg weniger Gesamtfett und statt 1,3 kg noch 1,0 kg weniger Rumpffett.

Was bleibt, wenn man aufhört
32 gesunde Männer zwischen 60 und 87 Jahren, 20 mg Oxandrolon täglich oder Placebo, 12 Wochen, Nachmessung nach weiteren 12 Wochen
magere Masse magere Masse, am Ende der 12 Wochen: +3,0 kg Gesamtfett Gesamtfett, am Ende der 12 Wochen: −1,9 kg Gesamtfett Gesamtfett, 12 Wochen nach dem Absetzen: −1,5 kg Rumpffett Rumpffett, am Ende der 12 Wochen: −1,3 kg Rumpffett Rumpffett, 12 Wochen nach dem Absetzen: −1,0 kg +3,0 kg −1,9 kg −1,5 kg −1,3 kg −1,0 kg 12 Wochen später: nicht mehr vom Ausgangswert verschieden −3 −2 −1 0 1 2 3 4 Änderung gegenüber dem Ausgangswert, in Kilogramm nach 12 Wochen Behandlung 12 Wochen später
Der Zuwachs an magerer Masse und die Kraftgewinne waren zwölf Wochen nach dem Absetzen nicht mehr vom Ausgangswert zu unterscheiden, der Fettverlust dagegen weitgehend erhalten. Von den 3,0 kg magerer Masse entfielen dabei 2,9 kg auf Körperwasser.

Eine zweite Zahl aus derselben Arbeit ordnet den Zuwachs ein: Von den 3,0 kg magerer Masse entfielen 2,9 kg auf Körperwasser. Magere Masse ist definitionsgemäß alles außer Fett, und Muskelgewebe besteht selbst zu rund drei Vierteln aus Wasser, ein Teil dieses Wassers gehört also zum Muskel. Dass die beiden Zahlen fast gleich groß sind, spricht trotzdem dagegen, den ganzen Zuwachs als kontraktiles Eiweiß zu lesen. Die Streuung der Wassermessung war zudem groß. Die Kraftmessungen liefen unabhängig davon und stiegen ebenfalls.

Damit ist die verbreitete Beschreibung, Oxandrolon bringe Kraft ohne Massezunahme, in ihrer ersten Hälfte belegt und in ihrer zweiten falsch. Es bringt beides, und das Gewicht kommt zu einem großen Teil aus Wasser, das im mageren Anteil des Körpers landet und nicht unter der Haut sichtbar wird.

What the studies show

Oxandrolon ist unter den anabolen Steroiden das mit Abstand am besten untersuchte. Eine Übersichtsarbeit fasst über dreißig Jahre klinischen Einsatz zusammen, bei HIV-bedingtem Muskelschwund, schweren Verbrennungen, nach großen Operationen, bei neuromuskulären Erkrankungen und bei alkoholischer Hepatitis, und kommt zu dem Schluss, dass Körperzusammensetzung, Muskelkraft und Funktion sich in der großen Mehrheit der gut gebauten Versuche bedeutsam besserten.

Verbrennungen, wo die Datenlage am dichtesten ist

Eine systematische Übersicht mit Metaanalyse wertete 31 kontrollierte und beobachtende Untersuchungen aus. Oxandrolon veränderte die Sterblichkeit nicht (relatives Risiko 0,72; Vertrauensbereich 0,47 bis 1,08) und verkürzte die Liegedauer im Krankenhaus. Gewichtszunahme, Knochendichte und der Anteil magerer Masse stiegen bedeutsam, die Heilungszeit der Entnahmestellen für Hauttransplantate verkürzte sich.

Die längste Nachbeobachtung stammt aus einer Untersuchung an Kindern mit Verbrennungen von mehr als 30 Prozent der Körperoberfläche: 70 Kinder erhielten ein Jahr lang zweimal täglich 0,1 mg je Kilogramm Körpergewicht, 152 ein Placebo, und beobachtet wurde bis zu vier Jahre nach Therapieende. Der Ruheenergieverbrauch sank, das IGF-1 stieg, die Körpergröße im Perzentilenvergleich und der Knochenmineralgehalt lagen über denen der Kontrollgruppe, und die Vorteile hielten bis zu fünf Jahre nach der Verbrennung an.

In derselben Arbeit steht ein Satz, der in der Nandrolonforschung genauso auftaucht: magere Masse und Muskelkraft nahmen in Verbindung mit Bewegung deutlich zu. Auch hier ist der Wirkstoff der eine Teil und das Training der andere.

The metabolism

Bei 93 Jungen zwischen 4 und 12 Jahren mit Klinefelter-Syndrom wurde über zwei Jahre 0,06 mg je Kilogramm täglich gegen Placebo geprüft. Der Körperfettanteil lag am Ende niedriger, die Triglyzeride ebenfalls. Zugleich fiel das HDL cholesterol deutlich, und das Knochenalter schritt schneller voran.

Diese Arbeiten laufen an Kranken, an Kindern und an alten Menschen, in Dosen zwischen 0,06 mg je Kilogramm und 20 mg täglich. Zu gesunden jungen Trainierenden gibt es keine kontrollierte Untersuchung, und die im Sport üblichen 40 bis 80 mg täglich liegen um das Zwei- bis Vierfache über der einzigen Dosis, die an Gesunden geprüft wurde. Was bei 20 mg an 60-Jährigen gemessen wurde, sagt über 80 mg an 25-Jährigen nichts.

Dosage

  • Die einzige an Gesunden geprüfte Dosis sind 20 mg täglich. Sie brachte über zwölf Wochen 3,0 kg magere Masse und Kraftgewinne zwischen 5 und 9 Prozent. Alles darüber ist Szenepraxis ohne Untersuchung.
  • Der Zuwachs hält nicht, der Fettverlust schon. Wer den Stoff für eine Diät einsetzt, nutzt den Teil der Wirkung, der bleibt. Wer ihn für Masse einsetzt, muss danach halten, was er ohne den Stoff halten kann.
  • Für Frauen liegt die kritische Grenze tiefer als üblicherweise angegeben. Im kontrollierten Dosisvergleich an 133 Mädchen mit Turner-Syndrom berichteten unter 0,06 mg je Kilogramm täglich deutlich mehr Teilnehmerinnen über Vermännlichung als unter Placebo, und die Autoren raten von dieser Dosierung ausdrücklich ab; die halbe Dosis von 0,03 mg je Kilogramm brachte den größeren Nutzen bei weniger Nebenwirkungen. Auf 60 kg umgerechnet sind 0,06 mg je Kilogramm rund 3,6 mg täglich.
  • Die verbreitete Frauendosis von 5 bis 15 mg liegt darüber. Der Vergleich ist eine Übertragung: gemessen wurde an Mädchen im Wachstum über Jahre, nicht an erwachsenen Frauen über Wochen. Er zeigt trotzdem, dass die Schwelle für Vermännlichung nicht bei zweistelligen Milligrammzahlen liegt, sondern darunter.
  • Vermännlichung ist teilweise endgültig. Eine tiefere Stimme und eine vergrößerte Klitoris bilden sich nicht zurück. Das macht das sofortige Absetzen beim ersten Anzeichen zur einzig sinnvollen Regel, und die Stimme bemerkt die Umgebung oft vor der Betroffenen.
  • Initial values ​​before the first tablet. Lipidprofil mit HDL, dazu die Transaminasen. Das HDL ist hier der Wert, der sich verlässlich bewegt, nicht die Leberwerte.

Side effects

Blood lipids

What happens: Orale 17-alpha-alkylierte Steroide steigern in der Leber den Abbau der HDL-Partikel. Unter Oxandrolon ist das der am besten belegte unerwünschte Effekt überhaupt: In der Übersichtsarbeit stehen der Abfall des HDL-Cholesterins und vorübergehend erhöhte Transaminasen als die beiden häufigsten dokumentierten Nebenwirkungen, und in der zweijährigen kontrollierten Untersuchung fiel das HDL deutlich, während die Triglyzeride sanken.

What it depends on: Vom oralen Weg, von der Dosis und von der Dauer. What follows from this is: Das ist der Grund, warum der Ruf als mildes Steroid in die Irre führt. Mild bezieht sich auf Vermännlichung und auf die Leber; die Blutfette sind es nicht, und sie sind der Weg, über den anabole Steroide dem Herzen schaden, siehe Cardiovascular risks associated with AAS. What you can do: Lipidprofil vor Beginn und nach vier Wochen, und das HDL als den entscheidenden Wert lesen, nicht das Gesamtcholesterin. Ein HDL im einstelligen Bereich ist ein Grund zum Absetzen. Ausdauertraining und Fischöl bremsen den Abfall, sie heben ihn nicht auf.

Liver

What happens: Oxandrolon ist an C17 alkyliert wie Methandienone and Methasterone, und daraus wird üblicherweise dieselbe Warnung abgeleitet. Die Datenlage stützt das nicht. Die Metaanalyse über 31 Untersuchungen fand keinen Unterschied bei fortschreitender Leberfunktionsstörung (relatives Risiko 1,04; Vertrauensbereich 0,59 bis 1,85) und auch keinen bei vorübergehender. Die Übersichtsarbeit hält fest, dass die schweren Leberschäden der 17-alpha-alkylierten Stoffe, also Gelbsucht, cholestatische Hepatitis, Peliosis hepatis, Wucherungen und bösartige Entartung, bei Oxandrolon offenbar nicht auftreten. In der Einjahresbehandlung schwer verbrannter Kinder wurden keine schädlichen Wirkungen der Langzeitgabe festgestellt.

What it depends on: Von der Bauweise des Rings A, die den Stoff dem Leberabbau entzieht, und von der Dosis. Alle diese Befunde stammen aus Dosen bis 20 mg täglich, bei Kindern deutlich darunter. What follows from this is: Vorübergehend erhöhte Transaminasen sind häufig und bei Trainierenden ohnehin oft muskulären Ursprungs. Sie sind hier nicht der Wert, an dem eine Entscheidung hängt. What you can do: Transaminasen mitmessen, aber bei einem Anstieg zuerst Bilirubin and alkaline phosphatase bestimmen, bevor abgesetzt wird. Ein Leberschutzpräparat vorbeugend zu nehmen behandelt bei diesem Stoff ein Risiko, das die Daten nicht zeigen, während das belegte Risiko bei den Blutfetten liegt.

Your own axis

What happens: An supplied androgen drives the HPTA axis herunter, LH und FSH fallen, die eigene Produktion kommt zum Erliegen. Oxandrolon gilt als schwach unterdrückend, und die niedrigen klinischen Dosen stützen das.

What it depends on: Von Dosis und Dauer. Zu den im Sport üblichen 40 bis 80 mg täglich liess sich keine Messung von LH, FSH und Testosteron finden; die Angabe, die Unterdrückung sei gering, stammt aus dem klinischen Dosisbereich und wird auf den sportlichen übertragen. What follows from this is: Wer eine geringe Unterdrückung erwartet und das Vierfache der geprüften Dosis nimmt, stützt sich auf eine Übertragung und nicht auf eine Messung. What you can do: Testosteron und LH vor Beginn und nach dem Absetzen bestimmen, statt sich auf den Ruf zu verlassen. Für den Wiederanlauf sind HCG and Clomiphene the established means.

Bei Frauen und bei Jugendlichen

What happens: Als reines Androgen ohne Östrogenanteil wirkt Oxandrolon an Stimmbändern, Klitoris, Haut und Haaren unmittelbar. Im kontrollierten Dosisvergleich berichteten unter 0,06 mg je Kilogramm täglich deutlich mehr Mädchen über Vermännlichung als unter Placebo, und die Brustentwicklung verlief langsamer. Bei Jungen mit Klinefelter-Syndrom schritt das Knochenalter unter 0,06 mg je Kilogramm schneller voran.

What it depends on: Von Dosis und Dauer. Im selben Versuch brachte die halbe Dosis den größeren Zugewinn an Körpergröße bei weniger Nebenwirkungen, weil die höhere Dosis die Knochenreifung beschleunigte und damit das Wachstumsfenster verkürzte. What follows from this is: Bei Jugendlichen im Wachstum ist die vorzeitige Verknöcherung der Wachstumsfugen der eigentliche Schaden, und er ist endgültig. Bei erwachsenen Frauen sind es Stimme und Klitoris. What you can do: Bei Jugendlichen im Wachstum gehört der Stoff nicht in die Hand von Laien, und für Frauen ist die Untergrenze der wirksamen Dosis der richtige Startpunkt, nicht die Mitte des kursierenden Bereichs. Beim ersten Anzeichen einer Stimmveränderung sofort absetzen.

Classification

Oxandrolon ist der einzige Wirkstoff dieser Kategorie, bei dem sich die Frage nach der Wirksamkeit nicht mehr stellt. Sie ist an Verbrannten, an HIV-Patienten, an alten Männern und an Kindern in kontrollierten Versuchen gezeigt worden, und bei schwer verbrannten Kindern halten die Vorteile bis zu fünf Jahre nach der Verletzung an. Das ist eine andere Beweislage als bei allem, was sonst in dieser Kategorie steht.

Für Trainierende sagt dieselbe Datenlage zwei unbequeme Dinge. Der Zuwachs an magerer Masse verschwand innerhalb von zwölf Wochen nach dem Absetzen vollständig, die Kraftgewinne mit ihm. Und von diesem Zuwachs war der allergrößte Teil Wasser. Was blieb, war der Fettverlust, und zwar am Rumpf. Wer den Stoff also für eine Diät einsetzt, arbeitet mit dem Teil der Wirkung, den die einzige Nachmessung als dauerhaft ausweist.

Der Ruf als mildes Steroid ist halb verdient. Bei der Leber trägt er: eine Metaanalyse über 31 Untersuchungen findet keine erhöhte Rate an Leberfunktionsstörungen, und die schweren Strukturschäden der anderen oralen Steroide sind hier nicht beschrieben. Bei den Blutfetten trägt er nicht, dort ist der HDL-Abfall der am besten dokumentierte Effekt des Stoffes überhaupt. Wer aus dem einen Teil des Rufs den anderen ableitet, schützt das falsche Organ.

Was fehlt, ist der Trainierende. Alle sechs Arbeiten laufen an kranken, alten oder heranwachsenden Menschen, mit Dosen bis 20 mg täglich. Trägt der Befund aus der Altersstudie, müsste sich auch bei jungen Trainierenden zeigen, dass der Massezuwachs nach dem Absetzen verschwindet und der Fettverlust bleibt. Gemessen wurde das nie, und die im Sport üblichen Dosen liegen um ein Mehrfaches über allem, was je geprüft wurde.

Sources

  1. Schroeder ET et al. Treatment with oxandrolone and the durability of effects in older men. J Appl Physiol. 2004. PubMed
  2. Orr R, Fiatarone Singh M. The anabolic androgenic steroid oxandrolone in the treatment of wasting and catabolic disorders: review of efficacy and safety. Drugs. 2004. PubMed
  3. Ring J et al. Oxandrolone in the Treatment of Burn Injuries: A Systematic Review and Meta-analysis. J Burn Care Res. 2020. PubMed
  4. Porro LJ et al. Five-year outcomes after oxandrolone administration in severely burned children: a randomized clinical trial of safety and efficacy. J Am Coll Surg. 2012. PubMed
  5. Davis SM et al. Effects of Oxandrolone on Cardiometabolic Health in Boys With Klinefelter Syndrome: A Randomized Controlled Trial. J Clin Endocrinol Metab. 2017. PubMed
  6. Menke LA et al. Efficacy and safety of oxandrolone in growth hormone-treated girls with Turner syndrome. J Clin Endocrinol Metab. 2010. PubMed

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