Rhodiola Rosea

Rosenwurzextrakte zeigten in einzelnen Studien Vorteile bei Ermüdung und in einer Metaanalyse kleine Vorteile bei Ausdauermaßen. Direkte Gegenbefunde und Unterschiede zwischen den Präparaten begrenzen die Aussagekraft; eine allgemeine Dosierung ist nicht belegt.

Auch bekannt als: Rosenwurz, Arktische Wurzel, Golden Root, Rhodiola

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What it is

Rhodiola rosea, auch Rosenwurz genannt, ist eine Pflanze, deren Wurzelextrakte als Nahrungsergänzung verwendet werden. Die untersuchten Präparate sind nicht ohne Weiteres austauschbar: Klinische Studien prüften etwa den Extrakt SHR-5, eine Interaktionsstudie ein bestimmtes Handelsprodukt.

„Adaptogen“ beschreibt hier die Erwartung einer besseren Anpassung an Belastung. Ein einheitlicher Wirkmechanismus oder eine allgemeine Erhöhung der Stresstoleranz ist damit nicht nachgewiesen.

How it works

Monoaminoxidase im Enzymversuch

In einem isolierten Enzymassay hemmten Wasserextrakte aus Rhodiola-Wurzeln MAO-A um 84,3 Prozent und MAO-B um 88,9 Prozent bei 100 µg/ml. Das beschreibt eine biochemische Reaktion außerhalb des Körpers.

Für diese Konzentration fehlt der Abgleich mit erreichbaren Blutspiegeln nach Einnahme. Aus dem Enzymversuch folgt weder eine klinische MAO-Hemmung noch eine antidepressive oder angstlösende Wirkung.

Cortisolreaktion

In einer kontrollierten Studie mit 60 Erwachsenen mit diagnostiziertem Fatigue-Syndrom unterschied sich nach 28 Tagen die Cortisolreaktion beim Erwachen zwischen SHR-5 und Placebo. Der Abstract beziffert den Unterschied nicht.

Cortisol war hier ein Biomarker und kein Leistungsendpunkt. In einer anderen Studie mit 26 gesunden Männern blieb das gemessene Hormonprofil nach vier Wochen unverändert. Eine allgemeine Veränderung der Stressreaktion ist damit nicht gezeigt.

What the studies show

In einer doppelblinden Crossover-Studie mit 56 jungen, gesunden Ärzten im Nachtdienst verbesserten sich unter SHR-5 in der ersten zweiwöchigen Behandlungsphase fünf Tests der mentalen Leistung. Die Extraktmenge und eine numerische Effektgröße werden im Abstract nicht genannt. In einer weiteren placebokontrollierten Studie mit 60 Erwachsenen mit diagnostiziertem Fatigue-Syndrom zeigten 576 mg SHR-5 täglich über 28 Tage Vorteile bei einer Burnout-Skala und ausgewählten Aufmerksamkeitsmaßen. Mehrere Messwerte verbesserten sich zugleich in beiden Gruppen.

Eine systematische Übersicht fand einen berichteten Nutzen in zwei von sechs Studien zu körperlicher und drei von fünf Studien zu mentaler Fatigue. Sie stellte bei den eingeschlossenen Studien ein hohes oder unklares Verzerrungsrisiko beziehungsweise Berichtsdefizite fest. Eine Moderator-Metaanalyse wurde nicht berichtet; eine verlässlich ansprechende Untergruppe lässt sich daraus nicht bestimmen.

Ein direkter Gegenbefund stammt aus einer randomisierten Studie mit 48 Nursing-Studierenden im Schichtdienst: Nach 42 Tagen fielen beide primären Fatigue-Maße unter Rhodiola ungünstiger aus als unter Placebo. Dieser Befund gilt für die untersuchte Gruppe und das geprüfte Präparat.

Gemischte Studienergebnisse zu Ermüdung

Darstellung: Zwei horizontale, bei null beginnende gestapelte Balken auf derselben Achse „Anzahl Studien“. Je Balken stehen Studien mit berichtetem Nutzen neben Studien ohne berichteten Nutzen. Daten: Körperliche Fatigue: 2 von 6 Studien berichteten einen Nutzen, 4 von 6 keinen berichteten Nutzen. Mentale Fatigue: 3 von 5 Studien berichteten einen Nutzen, 2 von 5 keinen berichteten Nutzen. Einheit: Studien. Fundstellen: Quelle s3, Evidenzpaket, Matrixeintrag zur systematischen Übersicht, Felder „claim“ und „result“. Hinweise: Die Balken zeigen Studienzahlen, keine Effektgrößen oder Teilnehmerzahlen. Unterschiedliche Populationen und Endpunkte sowie das hohe oder unklare Verzerrungsrisiko beziehungsweise Berichtsdefizite müssen in der Beschriftung sichtbar bleiben. Keine gepoolte Wirkung daraus berechnen.

Berichtete Nutzenbefunde in der systematischen Übersicht zu körperlicher und mentaler Fatigue. Die Studien wurden hier nicht nach Größe oder Qualität gewichtet.

Für Ausdauerendpunkte fand eine Metaanalyse von 26 randomisierten Studien mit insgesamt 668 gesunden Teilnehmenden gepoolte Vorteile: VO₂max mit einer Effektgröße von 0,32 aus elf Studien, Zeit bis zur Erschöpfung mit 0,38 aus sieben Studien und Zeitfahrleistung mit −0,40 aus fünf Studien. Die negative Richtung des letzten Werts bezeichnet im verwendeten Maß eine bessere Zeitfahrleistung. Präparate, Trainingsstatus und Messbedingungen unterschieden sich. Für die Entzündungsmarker IL-6 und CRP fand dieselbe Analyse keinen signifikanten gepoolten Effekt. Dosis, Trainingsdauer und Trainingsstatus wurden in Subgruppen geprüft; markerbezogene Moderatorergebnisse für IL-6 und CRP werden im Abstract nicht berichtet.

In einer randomisierten Studie mit 26 gesunden, körperlich aktiven Männern verkürzten 600 mg Rhodiola-Extrakt täglich über vier Wochen einige Reaktionszeitmaße. Die Ausdauerkapazität und das gemessene Hormonprofil änderten sich nicht.

Die gepoolten Ausdauervorteile sagen nicht voraus, ob eine bestimmte Person von einem bestimmten Präparat profitiert. Ein Entzündungsmarker misst zudem keine Leistung. Ob dieselben Personen bei wiederholter Prüfung zuverlässig ansprechen, bleibt offen.

Dosage

  • Untersuchte Menge bei Fatigue: 576 mg SHR-5 pro Tag wurden bei Erwachsenen mit diagnostiziertem Fatigue-Syndrom über 28 Tage geprüft. Das ist eine Studiendosis für dieses Präparat, keine allgemeine Empfehlung.
  • Ausdauer: Eine Subgruppenanalyse berichtete größere VO₂max-Vorteile bei mehr als 600 mg täglich. Unterschiedliche Präparate und Studienbedingungen erlauben daraus keine optimale Dosis abzuleiten.
  • Gegenbefund bei 600 mg: In der vierwöchigen Studie mit aktiven Männern blieb die Ausdauerkapazität bei 600 mg täglich unverändert.
  • Einnahmezeit und Standardisierung: Eine allgemeine Dosis von 300 bis 600 mg, ein festes Verhältnis von Rosavinen zu Salidrosid sowie Vorteile einer morgendlichen oder nüchternen Einnahme sind nicht belegt.

Side effects

Mögliche Arzneimittelwechselwirkung: In einer randomisierten Crossover-Studie mit 13 gesunden Freiwilligen sank nach 14 Tagen mit einem bestimmten Rhodiola-Handelsprodukt das Verhältnis eines Losartan-Metaboliten zu Losartan um 21 Prozent. Dieser Probeparameter spricht für eine geringere CYP2C9-Aktivität; klinische Folgen einer Arzneimitteltherapie wurden nicht gemessen. Der Effekt war bei CYP2C9-Extensivmetabolisierern stärker als bei intermediären und langsamen Metabolisierern. Dosis und Übertragbarkeit auf andere Extrakte bleiben offen. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, deren Abbau von CYP2C9 abhängt, sollte das konkrete Präparat vor der Einnahme mit Arzt oder Apotheke prüfen. Ein Grenzwert oder eine geprüfte Gegenmaßnahme lässt sich aus dieser Studie nicht ableiten.

Für CYP1A2, CYP2C19, CYP2D6 und CYP3A4 fand dieselbe kleine Studie keine signifikanten Änderungen. Entsprechende Moderatorbefunde wurden nicht berichtet. In der Studie mit Nursing-Studierenden unterschied sich die Gesamtzahl unerwünschter Ereignisse nicht zwischen Rhodiola und Placebo. Diese Befunde liefern keine belastbaren Häufigkeiten einzelner Nebenwirkungen und schließen Wechselwirkungen mit anderen Produkten oder Medikamenten nicht aus.

Classification

Bei Ermüdung unter Belastung stehen einzelnen positiven Befunden ein direkter ungünstiger Befund und widersprüchliche Ergebnisse der älteren Übersicht gegenüber. Für Ausdauer zeigt die Metaanalyse kleine Vorteile im Mittel; Unterschiede zwischen den Studien begrenzen die Vorhersage für einzelne Sportler.

Offen ist, ob ein klar beschriebenes Rhodiola-Präparat bei denselben Personen wiederholt die Ausdauerleistung oder mentale Leistungsfähigkeit verbessert und welche Dosis dafür nötig wäre. Ein direkter Vergleich mit Ashwagandha und ein kontrollierter Test der Kombination fehlen. Aussagen, Rhodiola sei überlegen oder die Kombination besonders sinnvoll, bleiben unbelegt.

Sources

  1. Darbinyan V et al. Rhodiola rosea in stress induced fatigue--a double blind cross-over study of a standardized extract SHR-5 with a repeated low-dose regimen on the mental performance of healthy physicians during night duty. Phytomedicine. 2000. PubMed
  2. Olsson EM et al. A randomised, double-blind, placebo-controlled, parallel-group study of the standardised extract shr-5 of the roots of Rhodiola rosea in the treatment of subjects with stress-related fatigue. Planta Med. 2009. PubMed
  3. Ishaque S et al. Rhodiola rosea for physical and mental fatigue: a systematic review. BMC Complement Altern Med. 2012. PubMed
  4. Wang X et al. The effect of Rhodiola rosea supplementation on endurance performance and related biomarkers: a systematic review and meta-analysis. Front Nutr. 2025. PubMed
  5. Thu OK et al. Effect of commercial Rhodiola rosea on CYP enzyme activity in humans. Eur J Clin Pharmacol. 2016. PubMed
  6. van Diermen D et al. Monoamine oxidase inhibition by Rhodiola rosea L. roots. J Ethnopharmacol. 2009. PubMed
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  8. Jówko E et al. Effects of Rhodiola rosea supplementation on mental performance, physical capacity, and oxidative stress biomarkers in healthy men. J Sport Health Sci. 2018. PubMed

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