Maca
Kleine Studien liefern Hinweise auf bessere sexuelle Funktion in bestimmten Gruppen. Eine verlässliche Libidosteigerung, ein Nutzen für Kraft oder Muskelaufbau und eine allgemein optimale Dosis sind nicht belegt.
Auch bekannt als: Maca, Lepidium meyenii, Maca-Wurzel, Peru-Ginseng
What it is
Maca ist eine Pflanze aus den Anden mit dem botanischen Namen Lepidium meyenii. Als Nahrungsergänzung werden das getrocknete Speicherorgan und daraus hergestellte Extrakte angeboten. Maca ist damit ein Gemisch, kein einzelner Wirkstoff. Die klinischen Studien verwendeten unterschiedliche Präparate und untersuchten unterschiedliche Formen sexueller Beschwerden. Ihre Ergebnisse lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres auf jedes Maca-Produkt übertragen.
How it works
Macamide und FAAH
Ein biochemischer Ansatz betrifft Macamide und das Enzym Fettsäureamidhydrolase, kurz FAAH. In einem Versuch mit isolierter humaner FAAH wurden elf synthetisierte Macamide geprüft. Fünf hemmten das Enzym mit IC50-Werten von 10 bis 17 µM. Die IC50 bezeichnet die Konzentration, bei der die Enzymaktivität unter den Versuchsbedingungen um die Hälfte gehemmt wird. Untersucht wurden einzelne synthetisierte Verbindungen, nicht die Einnahme eines Maca-Präparats.
Der Enzymversuch zeigt weder, welche Macamidkonzentrationen nach der Einnahme von Maca beim Menschen erreicht werden, noch einen Zusammenhang zwischen FAAH-Hemmung und besserer sexueller Funktion. Passende Humanbefunde fehlen in der ausgewerteten Literatur. Damit ist nicht gezeigt, dass die Hemmung aus dem Enzymversuch im Körper eintritt. Dafür müssten zunächst Aufnahme und Zielwirkung, anschließend der Zusammenhang mit dem klinischen Ergebnis untersucht werden.
Sexuelle Beschwerden und Sexualhormone
Verbesserte Angaben in einem Sexualfunktionsfragebogen zeigen für sich genommen keine Veränderung des Testosteronspiegels. Die Bezeichnung „hormonell neutral“ geht ebenfalls weiter, als es die vorliegenden Befunde erlauben. Ob Sexualhormone unverändert bleiben, muss für das jeweilige Präparat und die untersuchte Population geprüft werden. Ein allgemein gesicherter hormoneller Wirkmechanismus von Maca lässt sich hier nicht benennen.
What the studies show
Sexualfunktion: begrenzte Gesamtevidenz
Eine systematische Übersicht von 2010 schloss vier randomisierte, placebokontrollierte Studien zur Sexualfunktion ein. Sie fand positive Ergebnisse neben einem Nullbefund, bewertete die Evidenz wegen kleiner Stichproben und methodischer Einschränkungen aber als begrenzt. Eine gepoolte Effektgröße und eine Moderatoranalyse wurden im Abstract nicht berichtet. Die Suche endete im April 2010 und erfasst die späteren Studien daher nicht.
Radfahrer: kein nachgewiesener Leistungsvorteil
In einer randomisierten Crossover-Pilotstudie nahmen acht trainierte männliche Radfahrer jeweils über 14 Tage Maca-Extrakt oder Placebo. Die Zeit im 40-km-Test verbesserte sich unter Maca gegenüber dem Ausgangstest, unterschied sich nach der Einnahme aber nicht signifikant von Placebo. Eine Moderatoranalyse wurde nicht berichtet. Wegen der kleinen Stichprobe bleibt der Befund unpräzise; einen Leistungsvorteil belegt er nicht. Das selbst eingeschätzte sexuelle Verlangen war dagegen laut Originalabstract nach Maca höher als nach Placebo, mit P = 0,03. Eine Effektgröße fehlt.
Die Übersicht beschreibt den Radfahrerversuch als ohne Effekt, während der Originalabstract für sexuelles Verlangen einen positiven Vergleich mit Placebo nennt. Diese abweichende Bewertung lässt sich aus den verfügbaren Angaben nicht auflösen. Der kleine Versuch trägt deshalb keine Behauptung einer zuverlässig gesteigerten Libido.
Sexuelle Beschwerden unter Antidepressiva
Eine doppelblinde Studie randomisierte 45 Frauen mit remittierter Depression und sexuellen Beschwerden unter SSRI oder SNRI. In die modifizierte Intention-to-treat-Analyse gingen 42 Frauen ein. Untersucht wurden 3,0 g Maca-Wurzel täglich über zwölf Wochen. Einen niedrigen Beschwerdewert auf der ASEX-Skala von höchstens 10 erreichten 9,5 % unter Maca und 4,8 % unter Placebo. Beim MGH-SFQ-Schwellenwert von höchstens 12 waren es 30,0 % gegenüber 20,0 %. Der Abstract nennt für diese Unterschiede weder Konfidenzintervalle noch Signifikanztests. Der Menopausenstatus wurde berücksichtigt; höhere Remissionsraten waren mit postmenopausalem Status verbunden. Das ist ein Hinweis für weitere Untersuchungen, kein bestätigter Untergruppeneffekt.
Männer mit Beschwerden trotz normaler Testosteronwerte
Eine weitere doppelblinde, placebokontrollierte Studie untersuchte 80 eugonadale Männer über zwölf Wochen, davon 41 unter Maca und 39 unter Placebo. Sie hatten Symptome, wie sie bei einem altersbezogenen Hypogonadismus beschrieben werden, aber keinen biochemisch bestätigten Testosteronmangel. Fragebogenscores zu altersbezogenen Beschwerden, erektiler Funktion und Harnwegssymptomen verbesserten sich laut Abstract stärker unter Maca. Numerische Effektgrößen fehlen, sodass die praktische Größe des Vorteils offenbleibt. Eine Moderatoranalyse wurde nicht berichtet. Mehrere Autoren hatten Firmenzugehörigkeiten; die Unabhängigkeit des Befunds verdient deshalb besondere Prüfung.
Sexuelles Verlangen, Erektionsfunktion und allgemeine Beschwerden sind unterschiedliche Endpunkte. Die positiven Befunde lassen sich nicht zu einer universellen Libidowirkung zusammenziehen. Für mehr Kraft oder Muskelaufbau liefert die ausgewählte Humanliteratur keinen Nachweis. Dazu wären kontrollierte Trainingsstudien mit diesen Endpunkten erforderlich. Auch eine verlässliche Verbesserung von Energie, Stimmung oder Wohlbefinden durch beliebige Maca-Produkte ist nicht belegt.
Dosage
- Keine gesicherte Standarddosis: Eine belastbare Dosis-Wirkungs-Beziehung für Libido, Wohlbefinden oder sportliche Leistung fehlt. Eine allgemeine Dosierungsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
- Eine untersuchte Menge: 3,0 g Maca-Wurzel täglich wurden zwölf Wochen lang bei Frauen mit antidepressivabedingten sexuellen Beschwerden geprüft. Das ist eine Studiendosis für diese konkrete Fragestellung, keine allgemein bestätigte wirksame Dosis.
- Unklare Mengen nicht übernehmen: Die Dosierungsformulierung im Abstract der Männerstudie erlaubt keine eindeutige Bestimmung der täglichen Gesamtmenge. Daraus lässt sich keine zuverlässige Einnahmeanweisung gewinnen.
- Präparate berücksichtigen: Grammangaben verschiedener Pulver und Extrakte allein belegen keine vergleichbare Wirkstoffexposition. Mehr einzunehmen ist ohne Dosisfindung keine belegte Strategie für mehr Wirkung.
Side effects
Unerwünschte Wirkungen: Aus den verfügbaren Angaben lässt sich kein ausreichend belegtes Muster mit konkretem Mechanismus, Häufigkeit und Dosisabhängigkeit ableiten. Beispielsweise fehlen im Abstract der zwölfwöchigen Männerstudie detaillierte Sicherheitsraten. Damit bleiben auch substanzspezifische Grenzwerte, die Rückbildung möglicher Beschwerden und geprüfte Gegenmaßnahmen offen.
Wechselwirkungen: In der ausgewerteten Literatur fanden sich weder kontrollierte Humanstudien zu Wechselwirkungen noch gut belegte klinische Interaktionsmeldungen. Das erlaubt keine Aussage, Maca sei mit allen Arzneimitteln sicher kombinierbar. Besonders für die Anwendung bei antidepressivabedingten Beschwerden fehlt eine belastbare Grundlage für eine pauschale Behandlungsempfehlung.
Seltene Ereignisse und langfristige Risiken sind nicht geklärt. Aus fehlenden detaillierten Sicherheitsdaten folgt weder nachgewiesene Gefährlichkeit noch nachgewiesene Sicherheit. Eine hohe pauschale Sicherheitsbewertung wäre deshalb nicht begründet.
Classification
Maca hat begrenzte positive Humanbefunde zu bestimmten sexuellen Beschwerden. Große, unabhängige Bestätigungen mit vergleichbaren Präparaten und Endpunkten fehlen in der ausgewählten Evidenz. Ob Menopausenstatus, Ausgangsbeschwerden oder Produktzusammensetzung tatsächlich bestimmen, wer profitiert, bleibt offen.
Für Kraftsportler ergibt sich aus dieser Evidenz kein belegter Nutzen für Kraft oder Muskelaufbau. Wer Maca wegen sexueller Beschwerden erwägt, sollte die Erwartung auf einen unsicheren Nutzen begrenzen. Eine konsistente Libidosteigerung und allgemeine hormonelle Neutralität sind durch die vorliegenden Daten nicht gezeigt.
Sources
- Shin BC et al. Maca (L. meyenii) for improving sexual function: a systematic review. BMC Complement Altern Med. 2010. PubMed
- Stone M et al. A pilot investigation into the effect of maca supplementation on physical activity and sexual desire in sportsmen. J Ethnopharmacol. 2009. PubMed
- Dording CM et al. A double-blind placebo-controlled trial of maca root as treatment for antidepressant-induced sexual dysfunction in women. Evid Based Complement Alternat Med. 2015. PubMed
- Shin D et al. Efficacy and Safety of Maca (Lepidium meyenii) in Patients with Symptoms of Late-Onset Hypogonadism: A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Clinical Trial. World J Mens Health. 2023. PubMed
- Wu H et al. Macamides and their synthetic analogs: evaluation of in vitro FAAH inhibition. Bioorg Med Chem. 2013. PubMed
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