Cortagen
Cortagen ist ein kurzes Peptid, das in Zellkulturen und Tiermodellen untersucht wurde. Die Befunde lassen sich bislang weder in einen nachgewiesenen Nutzen noch in eine Dosierung für Menschen übersetzen.
What it is
Cortagen ist ein Tetrapeptid mit der Aminosäurefolge Ala-Glu-Asp-Pro. Untersucht wurde es unter anderem an Nerven von Ratten, bei Hirnischämie im Rattenmodell, im Mausherz und an Hirngewebe in Kultur. Eine kontrollierte Studie, in der Menschen Cortagen erhielten und ein klinischer Nutzen gemessen wurde, wurde in der bereitgestellten Recherche nicht gefunden.
How it works
Wachstum und Genexpression
In einer organotypischen Kultur förderte Cortagen laut den Autoren das Wachstum von Explantaten aus der Hirnrinde von Ratten. Konzentration und Zahl der Explantate nennt das Abstract nicht. Nach fünf Tagen Cortagen-Injektionen fanden Forschende veränderte Genexpressionswerte im Herzen weiblicher CBA-Mäuse. Die Gruppengröße ist im Abstract nicht angegeben. Der Befund belegt weder eine verbesserte Herzfunktion noch eine Wirkung auf Nerven.
Zelluläre Immunmarker
In kultivierten Milzzellen von CBA-Mäusen nahm unter Cortagen die Synthese von IL-2-mRNA zu. Laut Abstract spielten Konzentration und Behandlungsdauer eine Rolle; konkrete Werte und die Zahl der Zellproben fehlen. Ein anderer Versuch an Maus-Thymozyten fand weder eine mitogene Wirkung auf deren Vermehrung noch eine Verstärkung der mitogenen Aktivität von IL-1β. Cortagen stimulierte dort die Sphingomyelinase-Aktivität schwächer als das Vergleichspeptid Vilon. Konzentrationsbereiche und Probenzahlen nennt das Abstract nicht; mögliche Konzentrationseffekte auf den Nullbefund bleiben damit offen.
Auch kultivierte Leukozyten von Menschen im Alter von 75 bis 88 Jahren wurden untersucht. Nach Kontakt mit mehreren kurzen Peptiden, darunter Cortagen, berichteten die Autoren Veränderungen ribosomaler Gene und des Chromatins. Eine Cortagen-spezifische Effektgröße und die Zahl der Spender fehlen im Abstract.
Zellmarker und Wachstum in einer Gewebekultur zeigen Reaktionen der untersuchten Systeme auf eine Peptidexposition. Ohne Angaben zu wirksamen Konzentrationen und erreichbaren Gewebespiegeln lässt sich daraus keine Wirkung nach einer Gabe an Menschen ableiten. Erhöhte IL-2-mRNA-Synthese belegt auch keine verbesserte Immunfunktion.
What the studies show
Nach Durchtrennung und Naht des Ischiasnervs erhielten Ratten in einer Studie Cortagen intramuskulär in einer Dosis von 10 µg/kg. Zehn Tage nach der Operation berichteten die Autoren eine um 27 % höhere Wachstumsrate regenerierender Nervenfasern und eine um 40 % höhere Leitungsgeschwindigkeit. Gruppengröße und wesentliche Methodendetails stehen nicht im Abstract; eine unabhängige Wiederholung wurde in der bereitgestellten Recherche nicht gefunden.
Darstellung: Zwei Balken auf einer gemeinsamen Prozentachse ab null; jeder Balken zeigt die berichtete relative Zunahme. Daten: Wachstumsrate regenerierender Nervenfasern +27 %; Leitungsgeschwindigkeit regenerierender Nervenfasern +40 %. Ratten nach Durchtrennung und Naht des Ischiasnervs; Cortagen 10 µg/kg intramuskulär; Messung zehn Tage nach der Operation. Gruppengröße und Unsicherheit im Abstract nicht angegeben. Fundstellen: Quelle s1, Abstract, Ergebnisformulierung „increased the growth rate and conduction velocity in the regenerating nerve fibers by 27% and 40%“. Hinweise: Zwei unterschiedliche Endpunkte, keine Dosis-Wirkungs-Kurve; die Balken zeigen relative Veränderungen und keine absoluten Messwerte. Die Tierbefunde nicht als Humanwirkung beschriften.
Eine weitere Studie untersuchte Cortagen und Cortexin bei Ratten mit chronischer Hirnischämie und hoher oder niedriger Hypoxieresistenz. Der Abstract berichtet für die untersuchten Präparate eine beschleunigte Erholung gestörten Verhaltens sowie abgeschwächte Veränderungen der Lipidperoxidation und antioxidativen Aktivität im Hirngewebe. Er nennt weder eine Gruppengröße noch quantitative Effektgrößen oder einen unterschiedlichen Behandlungseffekt zwischen den Gruppen. Die Biomarker sind kein Ersatz für einen klinischen Endpunkt.
Im Mausherz zeigten 234 Klone, entsprechend 1,53 % der untersuchten Klone und 110 bekannten Genen, nach Cortagen eine veränderte Expression. Daraus folgt weder eine verbesserte Herzfunktion noch eine Wirkung beim Menschen. Der Nullbefund zur Vermehrung von Maus-Thymozyten zeigt zudem, dass ein veränderter Immunmarker keine allgemeine immunstimulierende Wirkung belegt.
Dosage
- Für Menschen: Eine wirksame oder sichere Dosis lässt sich aus den gefundenen Studien nicht angeben. Kontrollierte Untersuchungen zur Cortagen-Gabe an Menschen sowie belastbare Daten zu Aufnahme, Verteilung und Abbau fehlen.
- Einordnung der Tierdosis: Die 10 µg/kg aus der Ischiasnerv-Studie wurden Ratten intramuskulär verabreicht. Diese Dosis ist keine Anwendungsempfehlung für Menschen.
- Orale Anwendung: Ob und in welchem Ausmaß Cortagen nach oraler Einnahme verfügbar ist, wurde mit den bereitgestellten Quellen nicht geklärt.
Side effects
Welche unerwünschten Wirkungen Cortagen im menschlichen Körper auslösen kann, ist nicht ausreichend untersucht. Damit fehlen auch Angaben dazu, ob mögliche Beschwerden von Dosis, Aufnahmeweg oder individuellen Eigenschaften abhängen. Aus den vorliegenden Zell- und Tierbefunden lässt sich weder ihre Häufigkeit noch ein Grenzwert für eine sichere Anwendung ableiten.
Eine Cortagen-spezifisch belegte Gegenmaßnahme ist nicht bekannt. Bei Beschwerden nach einer Anwendung sind das Beenden der Anwendung und eine medizinische Abklärung allgemeine Vorsichtsmaßnahmen; ihre Wirkung als Cortagen-spezifische Strategie wurde nicht untersucht.
Classification
Die Befunde zur Nervenregeneration bei Ratten begründen eine prüfbare Frage: Verbessert Cortagen nach einer Gabe an Menschen die Erholung eines geschädigten Nervs, gemessen an Funktion und Beschwerden? Diese Untersuchung fehlt. Ebenso wenig belegen die Ergebnisse aus ischämischen Ratten oder kultivierten Zellen eine Behandlung von Hirnischämie, einen Nutzen für die Immunfunktion oder einen Effekt gegen Alterung beim Menschen.
Für einen Einsatz beim Menschen fehlen klinische Wirksamkeits-, Dosis- und Sicherheitsdaten. Die präklinischen Ergebnisse sind Ansatzpunkte für Forschung, aber keine Grundlage für eine Behandlungsempfehlung.
Sources
- Turchaninova LN et al. Effect of tetrapeptide cortagen on regeneration of sciatic nerve. Bull Exp Biol Med. 2000. PubMed
- Zarubina IV et al. Cortexin and cortagen as correcting agents in functional and metabolic disorders in the brain in chronic ischemia. Eksp Klin Farmakol. 2011. PubMed
- Anisimov SV et al. Elucidation of the effect of brain cortex tetrapeptide Cortagen on gene expression in mouse heart by microarray. Neuro Endocrinol Lett. 2004. PubMed
- Khavinson VK. Tissue-specific effects of peptides. Bull Exp Biol Med. 2001. PubMed
- Kazakova TB et al. In vitro effect of short peptides on expression of interleukin-2 gene in splenocytes. Bull Exp Biol Med. 2002. PubMed
- Khavinson VKh et al. Effects of short peptides on thymocyte blast transformation and signal transduction along the sphingomyelin pathway. Bull Exp Biol Med. 2002. PubMed
- Khavinson VKh et al. Effects of short peptides on lymphocyte chromatin in senile subjects. Bull Exp Biol Med. 2004. PubMed
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