Ephedrin
Alkaloid aus der Ephedra-Pflanze, oral wirksam und hirngängig. Rund ein Kilogramm mehr Gewichtsverlust im Monat in Kombination mit Koffein, dafür messbar mehr Herzklopfen und Unruhe. Zur Leistung im Training gibt es keine belastbare Studie.
Auch bekannt als: Ephedrine, Ephedrin HCl, Ephedra, Ma Huang
What it is
Ephedrin ist ein Alkaloid aus Pflanzen der Gattung Ephedra, in der chinesischen Medizin als Ma Huang seit Jahrhunderten in Gebrauch. Chemisch ist es ein Phenylethylamin und damit ein naher Verwandter der körpereigenen Katecholamine. Der entscheidende Unterschied zum Adrenalin steckt in dem, was fehlt: Ephedrin hat keine Hydroxylgruppen am Ring. Dadurch wird es im Darm nicht sofort abgebaut, es ist oral wirksam, und es kommt ins Gehirn. Genau daher stammen sowohl die Wachheit als auch die Unruhe.
Zwei Unterscheidungen tragen den Rest des Artikels. Erstens: Ephedrin ist die Reinsubstanz, Ephedra ist die Pflanze mit wechselndem Alkaloidgehalt. Zweitens: Ephedrin und Pseudoephedrin sind Stereoisomere derselben Formel, das Pseudoephedrin ist das schwächere Schnupfenmittel. Wo im Folgenden Zahlen stehen, ist die geprüfte Substanz jeweils dabei genannt.
How it works
Direkt und indirekt zugleich
Ephedrin greift auf zwei Wegen an. Es bindet selbst schwach an alpha- und beta-Adrenozeptoren, und es treibt zusätzlich Noradrenalin aus den Nervenendigungen heraus. Der zweite Weg erklärt eine Eigenart, die jeder Anwender kennt: die Wirkung lässt nach, wenn die Speicher leer sind. In einer Modellierung an acht Personen mit 0,25 bis 1,0 mg je Kilogramm entwickelte sich die Toleranz gegenüber dem Blutdruckeffekt mit einer Halbwertszeit von im Mittel 15 Minuten. Der Effekt schwindet also schon innerhalb einer einzelnen Dosis, nicht erst über Wochen. Zum Zusammenspiel siehe autonomes Nervensystem.
Wärme über einen atypischen Rezeptor
Der interessanteste Befund stammt aus einem Blockadeversuch. Neun gesunde Männer bekamen 30 mg Ephedrin zusammen mit dem Betablocker Nadolol in drei Dosierungen. Schon die kleinste Nadolol-Dosis von 2,5 mg blockierte den Anstieg von Herzfrequenz und Blutzucker vollständig. Der Energieverbrauch blieb trotzdem zu 43 Prozent erhalten. Daraus folgt, dass mindestens 40 Prozent der Wärmebildung über einen Rezeptor laufen, den klassische Betablocker nicht erreichen, vermutlich den beta-3-Adrenozeptor.
Das ist mehr als eine Fußnote. Es heißt, dass sich Herzwirkung und Wärmewirkung pharmakologisch trennen lassen, und es ist der Grund, warum die Suche nach reinen beta-3-Agonisten überhaupt begann. Zum Weg vom Signal zum Fettabbau siehe Fettstoffwechsel und Lipolyse and Thermoregulation.
Warum Koffein dazugehört
Ephedrin setzt das Signal, Caffeine verlängert es: es blockiert Adenosinrezeptoren und hemmt die Phosphodiesterase, die das Botenmolekül cAMP wieder abbaut. Der Mechanismus ist Lehrbuchwissen, die Folge ist gemessen. In der Metaanalyse liegt Ephedrin allein bei 0,6 Kilogramm im Monat, die Kombination mit Koffein bei 1,0. Die Kombination ist damit nicht Beiwerk, sondern der Grund, warum überhaupt von einem Stack geredet wird.
What the studies show
Die Grundlage ist eine Metaanalyse aus 52 kontrollierten Studien und 65 Fallberichten. Sie ist bis heute die beste vorliegende Zusammenfassung, und ihr Ergebnis ist bescheidener, als der Ruf der Substanz vermuten lässt.
Die Einzelstudien dahinter sind deutlicher. Über sechs Monate verloren 167 Übergewichtige unter 90 mg Ephedrinalkaloiden und 192 mg Koffein am Tag 5,3 Kilogramm gegenüber 2,6 Kilogramm unter Placebo, davon 4,3 gegenüber 2,7 Kilogramm reines Körperfett. Die Herzfrequenz stieg dabei um 4 Schläge, während sie in der Placebogruppe um 3 Schläge fiel. Eine kürzere Studie über acht Wochen mit 72 mg Ephedrinalkaloiden und 240 mg Koffein fand 4,0 gegenüber 0,8 Kilogramm, allerdings brachen 23 Prozent der Behandelten wegen Nebenwirkungen ab.
Der Abbruchanteil gehört neben jede Wirksamkeitszahl. Fast jeder vierte hielt die Substanz in dieser Studie nicht durch, und wer abbricht, taucht in der Gewichtskurve der Verbliebenen nicht mehr auf. Dazu kommt: alle diese Arbeiten liefen an Übergewichtigen, nicht an Wettkampfathleten mit niedrigem Körperfettanteil. Was 90 mg am Tag bei einem BMI von 37 bewirken, sagt wenig darüber, was sie bei zehn Prozent Körperfett bewirken.
Der ECA-Stack und das schweigende A
Die klassische Dreierkombination stammt aus einer Studie an 24 Übergewichtigen mit 75 bis 150 mg Ephedrin, 150 mg Koffein und 330 mg Aspirin vor den Mahlzeiten. Über acht Wochen ergab das 2,2 gegenüber 0,7 Kilogramm, in der Überkreuzphase 3,2 gegenüber 1,3 Kilogramm, und bei fortgesetzter Anwendung über fünf Monate im Mittel 5,2 Kilogramm.
Der Beitrag des Aspirins wurde in dieser Studie nie geprüft. Die Dreierkombination wurde als ein einziges Mittel gegen Placebo getestet, ohne die Einzelteile zu trennen. Der Buchstabe A im Stack steht damit auf einer theoretischen Überlegung zur Prostaglandinhemmung und auf keiner einzigen kontrollierten Messung. Wer ihn weglässt, verliert nichts Belegtes und spart sich die Magenschleimhautbelastung.
Und die Leistung im Training?
Hier ist das Ergebnis eindeutig und wird trotzdem selten zitiert: die Metaanalyse fand keine einzige Studie zu Ephedra und sportlicher Leistung, und die sieben vorhandenen Studien zu Ephedrin waren zu uneinheitlich, um sie zusammenzufassen. Es gibt also keine belastbare Aussage darüber, ob Ephedrin einen Satz Kniebeugen besser macht. Was es belegt kann, ist Gewichtsverlust und Appetitminderung.
Dosage
- Übliche Einzeldosis 8 bis 25 mg, zwei- bis dreimal am Tag. Die geprüften Studiendosen lagen bei 72 bis 90 mg Ephedrinalkaloiden am Tag, im ECA-Versuch bei 75 bis 150 mg.
- Mit Koffein, nicht ohne. Der Unterschied zwischen 0,6 und 1,0 Kilogramm im Monat ist der ganze Grund für die Kombination. Übliches Verhältnis ist etwa 1 zu 10, also 20 mg zu 200 mg.
- Halbwertszeit rund 6 Stunden. Die letzte Dosis gehört deshalb spätestens sechs bis acht Stunden vor dem Zubettgehen, sonst kostet sie Schlaf.
- Einschleichen. Mit einer halben Dosis anfangen und die Kreislaufreaktion abwarten. Die Blutdruckreaktion ist zwischen Personen sehr verschieden.
- Zyklisch einsetzen. Die Toleranz gegen den Kreislaufeffekt entsteht innerhalb einer Dosis, die gegen die Appetitminderung über Wochen. Zwei bis vier Wochen am Stück, dann eine Pause, ist die verbreitete Handhabung, kontrolliert geprüft ist dieses Schema nicht.
- Nicht mit anderen Stimulanzien stapeln. Weder mit Synephrin noch mit Yohimbin noch mit Clenbuterol or Salbutamol. Die Kreislaufwirkungen addieren sich, der Fettverlust tut es nicht nachweislich.
Rechtslage
Ephedrin ist in Deutschland verschreibungspflichtig, ephedrahaltige Nahrungsergänzungen sind in der EU und in den USA nicht verkehrsfähig. Der Stoff ist außerdem ein Grundstoff der Amphetaminherstellung und unterliegt deshalb der Grundstoffüberwachung, was Mengen und Bezugswege beschränkt. Sportrechtlich steht Ephedrin auf der Liste der im Wettkampf verbotenen Substanzen mit einem Grenzwert im Urin.
Side effects
Heart and Circulation
What happens: Über alpha-Rezeptoren steigt der Gefäßwiderstand, über beta-1-Rezeptoren Herzfrequenz und Schlagkraft. In der Metaanalyse ergab das ein 2,2- bis 3,6-fach erhöhtes Risiko für Herzklopfen und für vegetative Beschwerden. Über sechs Monate lag die Herzfrequenz um 4 Schläge höher als am Anfang, in der Placebogruppe fiel sie um 3.
What it depends on: von Dosis und von der Person. Die Modellierung an acht Personen fand eine geradlinige Dosisbeziehung für die Herzfrequenz, für den Blutdruck dagegen einen Verlauf mit Sättigung und ausgeprägter Toleranz. Vorbestehender Bluthochdruck und Rhythmusstörungen sind die Konstellationen, in denen aus einer Nebenwirkung ein Ereignis wird. What follows from this is: Blutdruck und Ruhepuls sind die beiden Werte, die diese Substanz begleiten müssen, nicht das Körpergewicht. What you can do: Vor Beginn und in der ersten Woche täglich messen, jeweils zur selben Tageszeit. Steigt der Ruhepuls dauerhaft um mehr als etwa zehn Schläge oder der systolische Blutdruck deutlich, ist die Dosis zu hoch. Kein Ausdauertraining in der Hitze unter voller Dosis, siehe Cardiovascular system and Herzfrequenz und Trainingszonen.
Schlaf, Unruhe und Stimmung
What happens: Ephedrin überwindet die Blut-Hirn-Schranke. Das bringt Wachheit, und dieselbe Wirkung verhindert abends das Einschlafen. Die Metaanalyse führt psychiatrische Symptome in derselben Größenordnung wie die vegetativen, also 2,2- bis 3,6-fach häufiger als unter Placebo. Schlaflosigkeit gehörte in beiden Boozer-Studien zu den meistgenannten Beschwerden.
What it depends on: von der Tageszeit der letzten Dosis und von der Halbwertszeit von rund 6 Stunden. What follows from this is: Schlechter Schlaf frisst genau den Vorteil auf, wegen dem die Substanz genommen wird, weil er Appetitregulation und Regeneration verschlechtert. What you can do: Letzte Dosis am frühen Nachmittag, Koffein danach ebenfalls streichen. Bleibt die Unruhe trotzdem, ist die Substanz für diese Person die falsche, siehe Sleep.
Toleranz und der Zustand danach
What happens: Der indirekte Wirkweg erschöpft sich. Für den Blutdruckeffekt ist die Tachyphylaxie mit einer mittleren Halbwertszeit von 15 Minuten gemessen, die nachlassende Appetitminderung über Wochen ist Anwenderbeobachtung und in den Studien nicht getrennt untersucht.
What it depends on: von Dosis und Dauer. What follows from this is: Die verbreitete Reaktion, die Dosis nachzuziehen, verschiebt das Verhältnis von Kreislaufbelastung zu Nutzen in die falsche Richtung, weil die Herzwirkung weniger Toleranz entwickelt als der Blutdruckeffekt. What you can do: Pausen einplanen statt Dosis erhöhen. Was nach dem Absetzen mit dem Gewicht passiert, ist in keiner der Studien nachverfolgt worden, hier endet das Gesicherte.
Wer es nicht nehmen sollte
What happens: Die Kreislaufwirkung addiert sich zu allem, was in dieselbe Richtung zieht. Das betrifft andere Sympathomimetika, aber auch Schilddrüsenhormone, die dieselben Rezeptoren empfindlicher machen, siehe T3 and Thyroid.
What it depends on: Bekannte Gegenanzeigen sind Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Rhythmusstörungen, Engwinkelglaukom, Schilddrüsenüberfunktion, Prostatavergrößerung und die gleichzeitige Einnahme von MAO-Hemmern. What follows from this is: Das sind keine relativen Empfehlungen, sondern Ausschlusskriterien. What you can do: Bei allen genannten Punkten die Substanz weglassen. Wer bereits kardiovaskuläre Risiken durch AAS trägt, addiert hier auf eine ohnehin belastete Grundlage.
Classification
Ephedrin ist eines der wenigen Mittel in der Fettverlust-Ecke, dessen Wirkung tatsächlich in kontrollierten Studien gemessen wurde, und das ist bemerkenswert wenig verbreitet. Der Effekt ist real und klein: rund ein Kilogramm im Monat über Placebo hinaus, in Kombination mit Koffein. Zum Vergleich lohnt der Blick auf die Calorie balance, weil ein Kilogramm im Monat etwa 250 Kilokalorien am Tag entspricht.
Der Preis steht daneben und ist ebenfalls gemessen: 2,2- bis 3,6-fach mehr Herzklopfen, vegetative und psychiatrische Beschwerden, in einer Studie 23 Prozent Abbrecher. Wer die Substanz einsetzt, tauscht einen kleinen sicheren Vorteil gegen ein moderates, überwiegend beherrschbares Risiko, und der Tausch lohnt sich nur, wenn Kalorienbilanz und Schlaf schon stimmen.
Offen bleiben drei Dinge. Erstens gibt es keine Studie über sechs Monate hinaus. Zweitens ist nirgends nachverfolgt, was nach dem Absetzen mit dem Gewicht passiert. Drittens fehlt jede belastbare Aussage zur sportlichen Leistung, weil die vorhandenen sieben Studien zu uneinheitlich waren und zu Ephedra gar keine existiert. Was als Trainingsbooster verkauft wird, ist in Wahrheit ein untersuchtes Abnehmmittel mit unbekanntem Nutzen an der Hantel.
Sources
- Shekelle PG et al. Efficacy and safety of ephedra and ephedrine for weight loss and athletic performance: a meta-analysis. JAMA. 2003. PubMed
- Boozer CN et al. Herbal ephedra/caffeine for weight loss: a 6-month randomized safety and efficacy trial. Int J Obes Relat Metab Disord. 2002. PubMed
- Boozer CN et al. An herbal supplement containing Ma Huang-Guarana for weight loss: a randomized, double-blind trial. Int J Obes Relat Metab Disord. 2001. PubMed
- Daly PA et al. Ephedrine, caffeine and aspirin: safety and efficacy for treatment of human obesity. Int J Obes Relat Metab Disord. 1993. PubMed
- Liu YL et al. Contribution of beta 3-adrenoceptor activation to ephedrine-induced thermogenesis in humans. Int J Obes Relat Metab Disord. 1995. PubMed
- Berlin I et al. Pharmacodynamics and pharmacokinetics of single nasal (5 mg and 10 mg) and oral (50 mg) doses of ephedrine in healthy subjects. Eur J Clin Pharmacol. 2001. PubMed
- Persky AM et al. Modelling the cardiovascular effects of ephedrine. Br J Clin Pharmacol. 2004. PubMed
This article was created using AI systems. Find out more