YK-11

YK-11 ist eine steroidale experimentelle Verbindung mit partieller Androgenrezeptor-Aktivität und Follistatin-vermittelter Differenzierung in Zellmodellen. Die ausgewerteten direkten Arbeiten belegen weder Muskelaufbau beim Menschen noch eine Humandosis oder ein menschliches Sicherheitsprofil; ein Rattenversuch und unzuverlässige Etikettangaben bei vermarkteten SARM-Produkten vergrößern die Unsicherheit.

Auch bekannt als: YK 11, YK11

Knowledge Bodybuilding Bible

What it is

YK-11 ist eine synthetische steroidale Verbindung, die als selektiver Androgenrezeptor-Modulator bezeichnet wird. Die direkt belegten Wirkmechanismen stammen aus bestimmten Zellassays. Dort wirkte YK-11 als partieller Agonist des Androgenrezeptors. Der Rezeptor wurde also aktiviert, die Antwort entsprach im verwendeten Reporterassay aber keiner uneingeschränkten Vollagonistenwirkung.

Der Begriff „selektiv“ darf dabei nicht mit nachgewiesener Gewebeselektivität beim Menschen verwechselt werden. In MDA-MB-453-Zellen hing die ausgelöste Genantwort vom untersuchten Zielgen ab. Das belegt eine kontextabhängige Genregulation in dieser Zelllinie, aber nicht, dass YK-11 im Menschen erwünschte und unerwünschte Gewebewirkungen zuverlässig trennt.

Zusätzlich muss zwischen dem definierten Molekül und einem als YK-11 verkauften Produkt unterschieden werden. Eine britische Marktstichprobe von online angebotenen SARM-Produkten fand Abweichungen zwischen Etikett und Analyse. Die Spannweite reichte von fehlenden Wirkstoffen bis zu nicht deklarierten verbotenen Analyten und abweichenden Konzentrationen. Das beweist keine Falschdeklaration jeder YK-11-Charge, zeigt aber, dass die Etikettangabe allein Identität und Exposition nicht sichert.

How it works

Partielle Aktivierung des Androgenrezeptors

In einem ARE-Luciferase-Reporterassay aktivierte YK-11 den Androgenrezeptor partiell. Außerdem beschleunigte die Verbindung im Zellassay den Transport des Rezeptors in den Zellkern. Beides sind direkte molekulare Messungen, aber weder Muskelaufbau noch Kraftendpunkte.

YK-11 löste in demselben Forschungszusammenhang keine Amino-Carboxyterminal-Interaktion des Rezeptors aus und verhinderte die durch DHT vermittelte Interaktion. DHT diente damit als aktiver mechanistischer Vergleich. Dieser Nullbefund betrifft eine bestimmte Konformationsmessung. Er bedeutet weder, dass YK-11 am Rezeptor inaktiv wäre, noch beweist er Gewebeselektivität oder Sicherheit beim Menschen. Dosis, menschliches Gewebe und klinische Moderatoren wurden nicht untersucht.

Follistatin und myogene Differenzierung

Eine zweite Arbeit untersuchte YK-11 in C2C12-Myoblasten, einer Maus-Zelllinie. YK-11 und DHT förderten dort die myogene Differenzierung. Die Induktion der regulatorischen Faktoren MyoD, Myf5 und Myogenin war unter YK-11 qualitativ stärker als unter DHT, eine numerische Effektgröße nennt das Abstract nicht.

In diesen Zellen induzierte YK-11 außerdem Follistatin, DHT dagegen nicht. Ein Antikörper gegen Follistatin kehrte die durch YK-11 vermittelte Differenzierung um. Das spricht innerhalb dieses Zellmodells für eine Follistatin-abhängige Wirkung. Gemessen wurde jedoch weder eine direkte Myostatinhemmung noch Muskelhypertrophie bei einem Menschen.

Hier reißt die Übertragungskette ab. Beide Arbeiten berichten in ihren Abstracts weder die verwendeten Zellkonzentrationen noch numerische Effektgrößen und liefern keine quantifizierte menschliche Blut- oder Gewebekonzentration zum Vergleich. Aus diesen Daten lässt sich deshalb nicht ableiten, ob beim Menschen eine für die Zellmechanismen relevante Exposition erreichbar wäre. Ein überzeugender Zellmechanismus sagt eine mögliche Wirkung voraus, er weist sie nicht nach.

Vom Zellmechanismus zur offenen Humanfrage

Motif: Horizontale Kette aus drei ausgefüllten Stationen und einer durch eine sichtbare Lücke getrennten offenen Station. Links der Androgenrezeptor-Reporterassay, dann die kontextabhängige Genantwort, dann die Follistatin-abhängige Differenzierung in einer Muskelzelllinie. Rechts hinter der Lücke Muskelmasse und Kraft beim Menschen. Der Wirkstoff erscheint als neutrales Kreissymbol, nicht als Strukturformel. Purpose: sichtbar machen, welche Mechanismen direkt im Zellmodell gemessen wurden und wo die Übertragung auf menschliche Endpunkte abbricht. Alle gemessenen Stationen sind Zellbefunde, die Zelllinie stammt von der Maus. Keine Dosis-Wirkungs-Kurve, keine menschliche Effektgröße, keine zusätzliche Zwischenstufe. Die Unterbrechung vor dem Humanendpunkt ist der visuelle Schwerpunkt. Style: flat, factual vector graphic in the style of a textbook blackboard, clear contours, few flat colors, no photorealism, no textures, no drop shadows, no spatial lighting, calm monochrome background, no text in the image. Label: „AR-Reporterassay“ über der linken Station, „Genantwort“ über der zweiten Station, „C2C12 und Follistatin“ über der dritten Station, „fehlender Expositionsabgleich“ an der Unterbrechung und „Muskelmasse und Kraft beim Menschen“ über der offenen Station rechts. Format: across, about 16:9.

Direkt gemessen wurden Rezeptor- und Zelldifferenzierungsendpunkte. Der Übergang zu Muskelmasse oder Kraft beim Menschen bleibt in diesen Arbeiten ungeprüft.

What the studies show

Die beiden direkten positiven Arbeiten untersuchten Rezeptorsignale beziehungsweise die Differenzierung muriner Myoblasten in Zellkultur. Sie maßen weder Muskelmasse noch Kraft oder Leistungsfähigkeit beim Menschen. Aus diesen Arbeiten lassen sich deshalb weder eine durchschnittliche Humanwirkung noch individuelle Responder ableiten.

Trägt der vorgeschlagene Mechanismus beim Menschen, müsste chemisch verifiziertes YK-11 gegenüber Placebo eine vorab festgelegte Veränderung von Muskelmasse und möglichst auch Kraft bewirken. Gleichzeitig müsste die Exposition im Blut gemessen werden. Genau diese Verbindung zwischen Dosis, Konzentration und funktionellem Endpunkt bleibt mit den vorliegenden Mechanismusdaten offen.

Ein fünf Wochen dauernder Rattenversuch verwendete 0,35 g/kg YK-11 und verglich Kontrolle, YK-11, Schwimmtraining sowie Schwimmtraining plus YK-11. Die Zahl der Tiere und der Aufnahmeweg werden im Abstract nicht berichtet. Die Tierdosis ist deshalb weder eine Humanempfehlung noch eine Grundlage für eine Umrechnung auf Milligramm pro Tag.

Im Hippocampus der Ratten stiegen IL-1β und IL-6, während IL-10 sank. BDNF-, TrkB- und CREB-Signale wurden herunterreguliert, während p38- und apoptotische Signale zunahmen. Getrennt von diesen Markern berichtete die Arbeit in einer aversiven Gedächtnisaufgabe eine beeinträchtigte Gedächtniskonsolidierung. Schwimmtraining milderte Veränderungen an IL-6, IL-10, Bcl-2 und aktivierter Caspase-3 teilweise, normalisierte aber nicht alle Befunde. Numerische Effektgrößen enthält das Abstract nicht.

Dieselbe Arbeit ergänzte Computermodelle. Ein physiologisch basiertes pharmakokinetisches Modell sagte eine hohe Hirnpermeabilität voraus, und molekulares Docking sagte Interaktionen mit dem Androgenrezeptor sowie 5α-Reduktase Typ 2 voraus. Das sind Modelloutputs, keine gemessenen menschlichen Konzentrationen, Bindungsaffinitäten oder klinischen Wirkungen.

Der Rattenversuch ist ein präklinisches Warnsignal, kein Nachweis menschlicher Neurotoxizität. Es fehlt eine Dosisstaffelung, und die gemessenen Marker besitzen hier keinen validierten Grenzwert für Anwender. Auch die teilweise Veränderung durch Schwimmtraining ist keine belegte Schutzmaßnahme für Menschen.

Die analytische Marktstudie beantwortet eine andere Frage: Sie untersuchte den Inhalt vermarkteter SARM-Produkte, nicht deren klinische Wirkung. Gefunden wurden fehlende Wirkstoffe, nicht deklarierte Analyten und Abweichungen von angegebenen Konzentrationen. Die Untersuchung erlaubt keine Aussage über jede Charge, begrenzt aber das Vertrauen in die aufgedruckte Dosis.

Dosage

  • Für Muskelaufbau oder Kraft: Mit diesen Daten lässt sich keine evidenzbasierte Humandosis bestimmen. Die direkten Wirksamkeitsarbeiten liefern Zellmechanismen, aber keine menschliche Dosisfindung, Dosis-Wirkungs-Beziehung oder Messung eines klinischen Endpunkts.
  • Tierdosis: Die im Rattenversuch verabreichten 0,35 g/kg über fünf Wochen sind kein Ausgangswert für Menschen. Ohne bekannten Aufnahmeweg, gemessene Exposition und artspezifische Pharmakokinetik wäre eine Umrechnung spekulativ.
  • Timing und Einnahmehäufigkeit: Für ein begründetes Einnahmeintervall wären quantifizierte humane Angaben zu maximaler Blutkonzentration, Gesamtexposition, oraler Bioverfügbarkeit und Halbwertszeit nötig. Das PBPK-Modell sagt lediglich Hirnpermeabilität voraus und ersetzt keine gemessene Humanpharmakokinetik.
  • Etikettendosis: Selbst eine präzise Milligrammangabe auf einem Produkt belegt nicht die tatsächlich enthaltene Menge. Die Marktstichprobe zeigte Abweichungen bei Identität und Konzentration, sodass ohne chargenbezogene Analyse schon die Ausgangsdosis unsicher bleibt.

Side effects

Hippocampale Signale und Gedächtniskonsolidierung

Was im Körper beobachtet wurde: Bei Ratten senkte YK-11 hippocampale BDNF-, TrkB- und CREB-Signale, erhöhte Entzündungs- und Apoptosesignale und beeinträchtigte in einer getrennten aversiven Gedächtnisaufgabe die Gedächtniskonsolidierung. What it depends on: Der Befund stammt ausschließlich aus einer fünf Wochen langen Exposition mit 0,35 g/kg. Eine Dosisstaffelung und eine menschliche Expositionsmessung fehlen. Schwimmtraining veränderte einige, aber nicht alle Marker. Was daraus folgt: Die Ergebnisse begründen Vorsicht, liefern aber weder eine menschliche Häufigkeit noch einen diagnostischen Grenzwert oder eine Aussage zur Rückbildung. Markeränderungen und die funktionelle Gedächtnisaufgabe bleiben unterschiedliche Endpunkte. Was sich tun lässt: Aus dieser Arbeit lässt sich keine Gegenmaßnahme für Menschen ableiten. Das Schwimmtraining aus dem Rattenversuch darf nicht als Therapie oder Schutzprotokoll für Anwender ausgelegt werden.

Leber, Hormonsystem, Lipide, Herz und Reproduktion

Was im Körper untersucht wurde: Die direkten Wirkungs- und Sicherheitsarbeiten messen Zellen beziehungsweise Ratten, nicht Menschen. Aus ihnen lässt sich daher nicht bestimmen, ob oder wie stark YK-11 beim Menschen die HPTA, Leberwerte, Lipide, das Herz-Kreislauf-System oder die Reproduktion verändert. What it depends on: Ohne humane Dosisfindung und quantifizierte Pharmakokinetik ist unbekannt, wie Dosis, Dauer, Aufnahmeweg oder individuelle Veranlagung mögliche Risiken verändern. Was daraus folgt: Behauptungen wie „starke HPTA-Suppression“ oder „Lebertoxizität wie bei oralen anabolen Steroiden“ werden durch diese Quellen nicht getragen. Nicht untersucht bedeutet zugleich nicht risikofrei. Die Arbeiten liefern keine YK-11-spezifischen Schwellenwerte, Häufigkeiten oder belastbaren Angaben zur Rückbildung möglicher Veränderungen. Was sich tun lässt: Aus den ausgewerteten Arbeiten folgt keine geprüfte Begleitmedikation. Laborwerte könnten eine bereits eingetretene Abweichung erfassen, sie verwandeln eine ungeprüfte Dosis aber nicht in eine sichere Anwendung.

Unbekannter Produktinhalt

Was im Körper passieren kann: Fehlt der deklarierte Wirkstoff oder ist ein weiterer Analyt enthalten, entspricht die tatsächliche Exposition nicht der angenommenen YK-11-Dosis. What it depends on: Diese Unsicherheit betrifft Anbieter und Charge; die britische Stichprobe lässt sich nicht auf jedes Produkt übertragen. Was daraus folgt: Nebenwirkungen können dann weder sicher YK-11 zugeordnet noch anhand des Etiketts vorhergesagt werden. Was sich tun lässt: Nur eine chargenbezogene chemische Analyse kann die Inhaltsfrage für die konkrete Probe klären. Sie verursacht zusätzlichen Aufwand und beantwortet auch dann nicht die offene Frage nach einer sicheren Humanexposition.

Classification

YK-11 ist als experimentelles Molekül mechanistisch interessant. Partieller Androgenrezeptor-Agonismus und eine Follistatin-abhängige Differenzierung wurden direkt in Zellmodellen beobachtet. Daraus folgt jedoch kein belegter Muskelaufbau und keine Kraftsteigerung beim Menschen.

Das Rattenexperiment liefert ein neurologisches Warnsignal unter einer nicht auf Menschen übertragbaren Dosis. Gleichzeitig erschweren Abweichungen bei vermarkteten SARM-Produkten jede Abschätzung der realen Exposition zusätzlich.

Auf Grundlage dieser Zell-, Tier- und Produktdaten lässt sich keine Personengruppe benennen, für die sich YK-11 evidenzbasiert zum Muskelaufbau lohnt. Das ist nicht gleichbedeutend mit dem Beweis, dass die Verbindung beim Menschen keine Wirkung hat. Es bedeutet, dass Nutzen, Dosis und Risiken mit diesen Daten nicht gegeneinander abgewogen werden können. Ein belastbarer Direktvergleich, der die verbreitete Behauptung vom „stärksten anabolen SARM“ tragen würde, ist nicht belegt.

Entscheidend wären randomisierte kontrollierte Humanstudien mit chemisch geprüftem Material, mehreren Dosisstufen und gemessener Blutkonzentration. Neben Körperzusammensetzung müssten sie Kraft, Hormone, Leberwerte, Lipide, Herz-Kreislauf- und Reproduktionsendpunkte sowie neurologische Funktionen erfassen. Für mögliche Responder wären Einzeldaten und vorab definierte Moderatoren nötig.

Bis solche Daten vorliegen, bleibt die klare Trennlinie bestehen: YK-11 aktiviert in Zellassays biologische Signalwege, die Muskelentwicklung beeinflussen könnten. Ob eine verträgliche menschliche Exposition diese Signale erreicht und daraus mehr Muskelmasse oder Kraft entsteht, ist mit den belegten Daten nicht gezeigt.

Sources

  1. Kanno Y et al. (17α,20E)-17,20-(1-methoxyethylidene)bis(oxy)-3-oxo-19-norpregna-4,20-diene-21-carboxylic acid methyl ester (YK11) is a partial agonist of the androgen receptor. Biol Pharm Bull. 2011. PubMed
  2. Kanno Y et al. Selective androgen receptor modulator, YK11, regulates myogenic differentiation of C2C12 myoblasts by follistatin expression. Biol Pharm Bull. 2013. PubMed
  3. Dahleh MMM et al. From gains to gaps? How Selective Androgen Receptor Modulator (SARM) YK11 impact hippocampal function: In silico, in vivo, and ex vivo perspectives. Chem Biol Interact. 2024. PubMed
  4. Leaney AE et al. Analysis of supplements available to UK consumers purporting to contain selective androgen receptor modulators. Drug Test Anal. 2021. PubMed

This article was created using AI systems. Find out more