Tesamorelin

Tesamorelin regt die körpereigene Wachstumshormonfreisetzung an und verringert bei Erwachsenen mit HIV-assoziierter Lipodystrophie viszerales Bauchfett. Ein Nutzen für Kraft oder Muskelaufbau bei gesunden Trainierenden ist nicht gezeigt.

Auch bekannt als: Tesamorelin, Egrifta, TH9507

Knowledge Bodybuilding Bible

What it is

Tesamorelin ist ein synthetisches Analogon des Wachstumshormon-Releasing-Hormons mit 44 Aminosäuren. Am Anfang der Peptidkette sitzt eine Hexenoylgruppe, die es gegenüber enzymatischem Abbau stabilisiert. Das Arzneimittel EGRIFTA WR ist in den USA zur Verringerung überschüssigen Bauchfetts bei Erwachsenen mit HIV und Lipodystrophie zugelassen. Es ist kein Mittel zur allgemeinen Gewichtsabnahme.

How it works

Rezeptor und Wachstumshormon

Tesamorelin bindet an den GHRH-Rezeptor der Hypophyse und regt so die Freisetzung körpereigenen Wachstumshormons an. Der pharmakologische Prüfbericht beschreibt zudem eine höhere Stabilität in Humanserum als beim natürlichen Hormon. In einer kontrollierten Studie stieg der IGF-I-Spiegel unter Tesamorelin um 81,0 %, während er unter Placebo um 5,0 % sank.

IGF-I ist hier ein Laborwert. Ob die hormonelle Veränderung bei gesunden Trainierenden Kraft oder Muskelwachstum verbessert, wurde damit nicht geprüft. Auch ein direkter Vergleich der Hormonspitzen mit injiziertem Wachstumshormon liegt in den ausgewählten Quellen nicht vor.

What the studies show

In einer placebokontrollierten Studie mit 412 Menschen mit HIV und abdominaler Fettakkumulation nahm das im CT gemessene viszerale Fett nach 26 Wochen mit täglich 2 mg Tesamorelin um 15,2 % ab. Unter Placebo nahm es um 5,0 % zu. Eine zweite randomisierte Studie mit 404 Menschen aus derselben Patientengruppe fand nach sechs Monaten eine Abnahme um 10,9 % gegenüber 0,6 % unter Placebo.

Veränderung des viszeralen Fetts

Darstellung: Zwei getrennte Gruppen von Balken auf einer gemeinsamen Prozentachse mit Nullpunkt: jeweils Tesamorelin und Placebo nach rund sechs Monaten. Daten: Studie mit 412 Personen: Tesamorelin −15,2 %, Placebo +5,0 %, 26 Wochen, täglich 2 mg subkutan. Studie mit 404 Personen: Tesamorelin −10,9 %, Placebo −0,6 %, sechsmonatige randomisierte Phase, täglich 2 mg subkutan. Fundstellen: s1, Abstract, Ergebnisse zum CT-gemessenen viszeralen Fett; s3, Abstract, Ergebnisse zum viszeralen Fett der randomisierten Hauptphase. Hinweise: Die Balken zeigen Veränderungen innerhalb verschiedener Studien mit unterschiedlichen Bedingungen, keinen direkten Vergleich der beiden Tesamorelin-Gruppen. Prozentwerte nicht zu einer Dosis-Wirkungs-Kurve verbinden.

Veränderung des viszeralen Fetts gegenüber dem Ausgangswert in zwei placebokontrollierten Studien mit Menschen mit HIV und abdominaler Fettakkumulation. CT-Messung nach rund sechs Monaten; die Studien sind nur in der Richtung vergleichbar.

Eine Metaanalyse von vier randomisierten Studien mit insgesamt 909 Menschen mit HIV-assoziierter Lipodystrophie fand im Mittel einen Rückgang des viszeralen Fetts. Zwischen den Studien war dieser Endpunkt jedoch deutlich unterschiedlich; die Analyse berichtet I² = 74 % und weist im Abstract keine Moderatoranalyse aus. Die Metaanalyse enthält Studien, die hier bereits einzeln genannt sind, und zählt deshalb nicht als weitere unabhängige Bestätigung. Sie fand außerdem im Mittel 1,42 kg mehr fettfreie Masse. Dieser Messwert trennt Muskelgewebe nicht zuverlässig von anderen Anteilen fettfreier Masse und belegt weder mehr Kraft noch trainingsbedingte Muskelhypertrophie.

In der Verlängerung der Studie mit 404 Personen ging die anfängliche Verringerung des viszeralen Fetts nach dem Wechsel auf Placebo rasch verloren. In der Studie mit 412 Personen sanken die Triglyzeride gegenüber dem Ausgangswert um 50 mg/dl, während sie unter Placebo um 9 mg/dl stiegen. Das Verhältnis von Gesamtcholesterin zu HDL verbesserte sich ebenfalls. Das sind Laborwerte, keine gemessenen Herz-Kreislauf-Ereignisse.

Bei den untersuchten Glukose- und Insulinmaßen fanden die beiden großen Studien über ihre randomisierten Hauptphasen keinen signifikanten Gruppenunterschied. Auch eine zwölfwöchige placebokontrollierte Studie mit 53 Menschen mit Typ-2-Diabetes fand zwischen Placebo sowie 1 mg und 2 mg Tesamorelin keinen signifikanten Unterschied bei Insulinantwort oder glykämischer Kontrolle. Für diese Nullbefunde ist keine Suche nach möglichen Moderatorgruppen ausgewiesen; seltene oder spätere Risiken bleiben offen.

Die Fettstudien untersuchten Menschen mit HIV und spezifischer Fettverteilungsstörung. Eine abgeschlossene kontrollierte Studie an gesunden Krafttrainierenden zu Kraft, Trainingsleistung oder Muskelhypertrophie wurde in der vorliegenden Recherche nicht gefunden. Ein entsprechender Nutzen müsste an diesen Endpunkten direkt gemessen werden.

Dosage

  • Die großen Studien zur HIV-assoziierten Fettakkumulation verwendeten täglich 2 mg als subkutane Injektion. Das ist eine Studiendosis für die untersuchte Patientengruppe, keine geprüfte Dosis für Muskelaufbau.
  • Für EGRIFTA WR nennt die US-Produktinformation 1,28 mg subkutan einmal täglich. WR und die ältere SV-Formulierung haben unterschiedliche Dosierungs- und Zubereitungsvorgaben und sind nicht austauschbar.
  • Eine wirksame Dosis für gesunde Trainierende oder ein Vorteil der Injektion vor dem Schlafen ist mit den ausgewählten Quellen nicht belegt.

Side effects

Erhöhter IGF-I-Spiegel: Die angeregte Wachstumshormonfreisetzung erhöht IGF-I. Die Folgen einer länger anhaltenden Erhöhung sind nicht geklärt. Die Produktinformation empfiehlt, IGF-I während der Behandlung zu kontrollieren und bei dauerhaft stark erhöhten Werten, etwa über drei Standardabweichungen, ein Absetzen zu erwägen, besonders ohne klaren Nutzen.

Flüssigkeitseinlagerung und Beschwerden an Gelenken oder Nerven: Die Produktinformation beschreibt die angeregte Wachstumshormonfreisetzung als vermutete Ursache. Ödeme, Gelenkschmerzen und Karpaltunnelsymptome können vorübergehend sein oder nach Absetzen zurückgehen. Bei belastenden Beschwerden ist eine ärztliche Prüfung der Fortsetzung sinnvoll; für eine schützende Begleitmaßnahme liefern die ausgewählten Quellen keinen Beleg.

Glukosestörung: Die Produktinformation warnt vor Glukoseintoleranz und Diabetes. In den dort zusammengefassten Studien mit einer früheren EGRIFTA-Formulierung erreichten nach 26 Wochen 5 % unter Tesamorelin und 1 % unter Placebo einen HbA1c-Wert von mindestens 6,5 %. Glukosewerte sollten vor und während der Behandlung geprüft werden; bei einer Verschlechterung ohne klaren Behandlungserfolg ist ein Absetzen zu erwägen. Die Nullbefunde der einzelnen Studien zu durchschnittlichen Glukosemaßen schließen dieses Risiko bei einzelnen Personen nicht aus.

Injektionsstelle und Überempfindlichkeit: Rötung, Juckreiz und Schmerzen können an der Einstichstelle auftreten. Die Produktinformation berichtet Injektionsreaktionen bei 25 % unter Tesamorelin und 14 % unter Placebo; wechselnde Stellen am Bauch sollen sie verringern. Bei Verdacht auf eine Überempfindlichkeitsreaktion ist die Behandlung abzusetzen und umgehend medizinische Hilfe zu suchen.

Weitere Grenzen: EGRIFTA WR ist laut Produktinformation unter anderem bei aktiver Krebserkrankung, gestörter Hypothalamus-Hypophysen-Achse und Schwangerschaft kontraindiziert. Bei Nebenniereninsuffizienz kann sich der Bedarf an ersetzenden Glukokortikoiden ändern; auch mögliche Wechselwirkungen mit über CYP450 verstoffwechselten Arzneimitteln erfordern ärztliche Prüfung. In der Studie mit 412 Personen brachen unter Tesamorelin mehr Teilnehmende wegen unerwünschter Ereignisse ab, obwohl sich deren Gesamthäufigkeit nicht signifikant unterschied. Die Metaanalyse fand bei Therapieabbrüchen keinen statistisch eindeutigen Unterschied, ihre Punktschätzung zeigte aber in dieselbe Richtung.

Classification

Für Erwachsene mit HIV-assoziierter Lipodystrophie ist eine Verringerung des viszeralen Fetts unter Behandlung wiederholt gezeigt; nach Absetzen kann der Effekt verloren gehen. Ob daraus langfristig weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen folgen, bleibt offen. Für gesunde Krafttrainierende gibt es aus den ausgewählten Studien keine Grundlage, Tesamorelin zur Steigerung von Kraft oder Muskelwachstum zu empfehlen. Die entscheidende offene Prüfung wäre eine kontrollierte Studie mit gemessener Kraft und Muskelgröße statt allein IGF-I oder fettfreier Masse.

Sources

  1. Falutz J et al. Metabolic effects of a growth hormone-releasing factor in patients with HIV. N Engl J Med. 2007. PubMed
  2. Falutz J et al. Effects of tesamorelin, a growth hormone-releasing factor, in HIV-infected patients with abdominal fat accumulation: a randomized placebo-controlled trial with a safety extension. J Acquir Immune Defic Syndr. 2010. PubMed
  3. Ditta AM et al. Efficacy and Safety of Tesamorelin in People Living With HIV (PLWH) With Lipodystrophy: A Systematic Review and Meta-Analysis. J Int Assoc Provid AIDS Care. 2026. PubMed
  4. Clemmons DR et al. Safety and metabolic effects of tesamorelin, a growth hormone-releasing factor analogue, in patients with type 2 diabetes: A randomized, placebo-controlled trial. PLoS One. 2017. PubMed
  5. U.S. National Library of Medicine. EGRIFTA WR (tesamorelin) prescribing information. Revised March 2025. Open source
  6. U.S. Food and Drug Administration. Egrifta, NDA 22-505: Clinical Pharmacology Review. 2010. Open source

This article was created using AI systems. Find out more