Reps in Reserve (RIR)
RIR describes the estimated proximity to current failure and may be useful for load control, but remains imprecise depending on the context. Greater proximity to failure increased fatigue markers in an acute bench press protocol. Chronic findings show no reliable general benefit of near-failure training; however, due to the exploratory nature and limited number of direct studies, no universal conclusions can be drawn.
Auch bekannt als: RIR, Reps in Reserve, Repetitions in Reserve
Was RIR misst
Reps in Reserve (RIR) bezeichnet die geschätzte Zahl der Wiederholungen, die nach dem Ende eines Widerstandstrainingssatzes bis zum momentanen Versagen noch möglich wären. 0 RIR steht in dieser Logik für keine weitere mögliche Wiederholung; eine größere Zahl beschreibt eine größere Distanz zum Versagen. RIR ist damit eine Schätzung der Nähe zum Versagen, nicht automatisch eine Angabe über Last oder Hebegeschwindigkeit.
Der Begriff ist nur so eindeutig wie seine Messung. In der Literatur wird Versagen teils als momentanes Muskelversagen, teils als willentlicher Satzabbruch oder gar nicht definiert. Prozent-1RM, Geschwindigkeitsverlust und subjektives RIR können deshalb nicht ohne Weiteres als dieselbe Information behandelt werden.
Wofür RIR im Training genutzt wird
RIR-Skalen werden genutzt, um die Trainingsintensität vorzugeben oder die Last an eine gewünschte Nähe zum Versagen anzupassen. Eine Scoping Review über 31 Humanstudien mit insgesamt 855 Teilnehmenden bewertete diese Nutzung in den untersuchten Kontexten als kontextabhängig praktikabel und nützlich. Die eingeschlossenen Personen waren überwiegend offenbar gesunde erwachsene Männer; Interventionsdauer und Verfahren waren heterogen.
Das ist ein Befund zur Umsetzbarkeit, keine direkte Wirksamkeitsprüfung eines bestimmten Ziel-RIR. Die Review liefert keine gepoolte quantitative Gesamteffektgröße. Außerdem können die verschiedenen Verfahren zur Bestimmung der Nähe zum Versagen unterschiedliche Informationen erfassen.
Wie zuverlässig RIR-Schätzungen sind
Wie genau eine RIR-Schätzung ist, lässt sich nur im Vergleich mit den tatsächlich bis zum Versagen möglichen Wiederholungen beurteilen. Eine explorative Meta-Regression aus 13 Publikationen aus 12 Studien mit 414 gesunden Teilnehmenden untersuchte solche akuten Schätzaufgaben.
Die Vorhersagegenauigkeit war tendenziell besser bei Schätzungen näher am Versagen, bei höchstens zwölf Wiederholungen und in späteren Sätzen. Berichtet wurden für die Nähe zum Versagen β = −0,025 mit 95%-KI −0,05 bis 0,0014, für höchstens zwölf Wiederholungen β = 0,06 mit 95%-KI 0,04 bis 0,09 und für spätere Sätze β = −0,07 mit 95%-KI −0,14 bis −0,005. Schwerere Lasten wurden ebenfalls als möglicher günstiger Kontext beschrieben.
Für den Trainingsstatus ergab sich kein klarer Einfluss auf die Vorhersagegenauigkeit (β = −0,006, 95%-KI −0,02 bis 0,007). Auch zwischen Ober- und Unterkörperübungen zeigte sich kein klarer Unterschied (−0,58 Wiederholungen, 95%-KI −2,32 bis 1,16). Die Analyse war explorativ und stark heterogen; ihre Koeffizienten sind keine Korrekturformel für einen einzelnen Satz.
Was die Nähe zum Versagen akut verändert
In einer randomisierten Crossover-Studie mit 24 widerstandstrainierten Personen, 12 Männern und 12 Frauen, wurden sechs Langhantel-Bankdrücksätze bei 75 % 1RM bis FAIL, 1 RIR oder 3 RIR absolviert. Vier Minuten nach der Einheit lag der Geschwindigkeitsverlust bei −25 % für FAIL, −13 % für 1 RIR und −8 % für 3 RIR. Auch der Verlust vom ersten zum letzten Satz sowie wahrgenommene Anstrengung, Beschwerden und Muskelkater nahmen mit größerer Nähe zum Versagen zu.
Nach 24 Stunden lagen die entsprechenden Geschwindigkeitsänderungen bei −3 %, −3 % und +2 %; nach 48 Stunden waren die Unterschiede zwischen den Protokollen weitgehend verschwunden. Die Studie war akut und beschränkte sich auf Bankdrücken bei 75 % 1RM. Ihre Endpunkte beschreiben daher Ermüdung, Erholung und Wahrnehmung, nicht automatisch langfristige Kraft- oder Muskelzuwächse.
Die Studie zeigt in diesem Protokoll unterschiedliche kurzfristige Ermüdungs- und Erholungsverläufe. Sie zeigt nicht, dass 3 RIR für jede Person und Übung eine schnellere Erholung bewirkt oder dass Training bis zum Versagen langfristig schlechtere Anpassungen erzeugt.
Was chronische Studien zu Muskelwachstum und Kraft zeigen
Eine zentrale quantitative Gegenprüfung ist eine systematische Review mit Meta-Analyse von 15 Studien an gesunden Erwachsenen unterschiedlichen Alters und Trainingshintergrunds. Satzversagen nach beliebiger Definition zeigte gegenüber Nicht-Versagen nur einen möglichen, praktisch trivialen Vorteil (ES = 0,19; 95%-KI 0,00 bis 0,37; p = 0,045).
Für momentanes Muskelversagen allein bestand keine signifikante Überlegenheit (ES = 0,12; 95%-KI −0,13 bis 0,37; p = 0,343). Auch ein Geschwindigkeitsverlust von mehr als 25 % war gegenüber 20 bis 25 % nicht überlegen (ES = 0,08; 95%-KI −0,16 bis 0,32; p = 0,529).
Diese Meta-Analyse beantwortet allerdings nicht direkt, welches subjektive RIR-Ziel über Wochen oder Monate optimal ist. Die Versagensdefinitionen variierten, und das tatsächliche RIR war in den eingeschlossenen Studien häufig unklar oder nur indirekt erschließbar. Satzversagen und subjektives 0 RIR werden deshalb hier nicht als identische Messmethode behandelt.
Eine explorative multilevel Meta-Regression mit aus den Trainingsbeschreibungen geschätztem RIR fand für Kraft keine klare Beziehung, weil die Konfidenzintervalle der marginalen RIR-Steigungen den Nullpunkt enthielten. Für Hypertrophie waren die marginalen Steigungen in den besten Modellen negativ und schlossen den Nullpunkt nicht ein, was auf mehr Muskelgrößenzuwachs bei größerer Nähe zum Versagen hindeutet. Eine präzise quantitative Beziehung bleibt offen, weil RIR teilweise nur geschätzt wurde und die Modelle nur mäßig angepasst waren.
Die Langzeitbefunde erlauben daher keine universelle Regel: Die systematische Meta-Analyse zeigt keinen belastbaren allgemeinen Vorteil des momentanen Versagens, die explorative Analyse deutet auf einen möglichen Hypertrophievorteil größerer Nähe zum Versagen hin, und die verfügbaren direkten Einzelprotokolle sind zu begrenzt für eine allgemeine Zielzahl.
Which can be practically deduced
RIR ist deshalb vor allem eine kontextgebundene Steuerungs- und Rückmeldungsgröße. Die beste direkte Evidenz für seine praktische Nutzung betrifft das Vorgeben und Anpassen der Trainingsintensität, nicht die Überlegenheit einer bestimmten Zielzahl für Muskelwachstum oder Kraft.
- Schätze RIR für den konkreten Satz und notiere Übung, Last und Satzkontext. Übertrage eine subjektive Zahl nicht automatisch von einer Übung oder Person auf eine andere, weil Versagenskriterien und Messbeziehungen variieren.
- Wenn du die eigene Schätzgenauigkeit prüfen willst, behalte im Blick, dass Schätzungen näher am Versagen, bei höchstens zwölf Wiederholungen, mit schwereren Lasten und in späteren Sätzen in der explorativen Synthese tendenziell günstiger waren. Das ist eine Orientierung, keine individuelle Korrekturformel.
- Wenn akute Ermüdung und negative subjektive Reaktionen begrenzt werden sollen, ist es plausibel, nicht jede Serie bis zum Versagen zu führen. Wie viele RIR dafür bei einer bestimmten Übung, Last und Person optimal sind, wurde nicht bestimmt.
- Für Hypertrophie sollte weder Versagen als zwingend noch eine bestimmte RIR-Zahl als garantiert überlegen behandelt werden. Die direkten und indirekten Langzeitbefunde sind dafür zu gemischt.
Wo die Grenzen liegen
Die größte Evidenzlücke ist ein großer, langfristiger und volumenangeglichener Humanvergleich mehrerer ausdrücklich vorgegebener subjektiver RIR-Ziele über verschiedene Übungen und Lastbereiche. Ebenso fehlt ein direkter kausaler Nachweis, dass ein akuter RIR- oder Geschwindigkeitsmarker monatelange Kraft- oder Hypertrophieanpassungen vorhersagt.
Auch der Einfluss von Geschlecht, Alter, Trainingserfahrung, Übungsauswahl, Lastbereich, Muskelkonditionierung und Energieverfügbarkeit ist nicht in einer einheitlichen RIR-Dosis-Wirkungs-Studie geklärt. Die vorhandenen Befunde stammen aus heterogenen Populationen, akuten Aufgaben, direkten Kurzzeitstudien und indirekten Schätzungen.
Die belastbare Aussage ist deshalb begrenzt: RIR kann die Laststeuerung in untersuchten Kontexten unterstützen, aber die Forschung bestimmt keine universelle Zielzahl und keine verlässliche Übersetzung einer individuellen RIR-Angabe in langfristige Kraft- oder Muskelzuwächse.
Sources
- Pelland JC et al. Methods for Controlling and Reporting Resistance Training Proximity to Failure: Current Issues and Future Directions. Sports Med. 2022. PubMed
- Bastos V et al. Feasibility and Usefulness of Repetitions-In-Reserve Scales for Selecting Exercise Intensity: A Scoping Review. Percept Mot Skills. 2024. PubMed
- Halperin I et al. Accuracy in Predicting Repetitions to Task Failure in Resistance Exercise: A Scoping Review and Exploratory Meta-analysis. Sports Med. 2022. PubMed
- Refalo MC et al. Influence of Resistance Training Proximity-to-Failure, Determined by Repetitions-in-Reserve, on Neuromuscular Fatigue in Resistance-Trained Males and Females. Sports Med Open. 2023. PubMed
- Refalo MC et al. Influence of Resistance Training Proximity-to-Failure on Skeletal Muscle Hypertrophy: A Systematic Review with Meta-analysis. Sports Med. 2023. PubMed
- Refalo MC et al. Similar muscle hypertrophy following eight weeks of resistance training to momentary muscular failure or with repetitions-in-reserve in resistance-trained individuals. J Sports Sci. 2024. PubMed
- Robinson ZP et al. Exploring the Dose-Response Relationship Between Estimated Resistance Training Proximity to Failure, Strength Gain, and Muscle Hypertrophy: A Series of Meta-Regressions. Sports Med. 2024. PubMed
- Hermann T et al. Without Fail: Muscular Adaptations in Single-Set Resistance Training Performed to Failure or with Repetitions-in-Reserve. Med Sci Sports Exerc. 2025. PubMed
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