HGH
Rekombinantes Wachstumshormon erhöht bei gesunden Menschen in Studien die fettfreie Masse und senkt die Fettmasse, ohne einen verlässlichen Kraft- oder VO₂max-Gewinn zu zeigen. Medizinisch gehört rhGH zum diagnostizierten Wachstumshormonmangel; außerhalb dieser Indikation stehen Surrogatvorteilen Ödeme und weitere unerwünschte Effekte gegenüber.
Auch bekannt als: Somatropin, Wachstumshormon, Growth Hormone, rhGH
What it is
HGH ist die englische Abkürzung für humanes Wachstumshormon. Im therapeutischen Kontext ist damit meist Somatropin gemeint, also rekombinantes humanes Wachstumshormon, kurz rhGH. Für die Bewertung muss das körpereigene Hormon von einem von außen verabreichten Präparat getrennt werden.
Eine klinische Leitlinie ordnet die rhGH-Ersatztherapie dem diagnostizierten Wachstumshormonmangel bei Erwachsenen zu. Vor der Behandlung soll die Diagnose korrekt gesichert werden. Anwendungen im Sport oder mit einem Anti-Aging-Ziel werden als nicht zugelassene Anwendungen behandelt.
Studien an Menschen mit einem diagnostizierten Mangel beantworten deshalb eine andere Frage als Studien an gesunden Sportlern. Für Letztere zählen nicht nur Veränderungen auf der Waage oder in einer Körperzusammensetzungsmessung, sondern direkte Endpunkte wie Muskelvolumen, Kraft und Belastungsleistung.
How it works
GH-Rezeptor und JAK-STAT-Signalweg
Eine mechanistische Übersicht beschreibt, dass Wachstumshormon den GH-Rezeptor aktiviert und dadurch den JAK-STAT-Signalweg einschaltet. JAK2 ist dabei für die GH-vermittelte Aktivierung von STAT1, STAT3 und STAT5 erforderlich.
Damit ist ein biologisch plausibler Signalweg belegt, aber noch kein Muskel- oder Leistungsgewinn. Die Rezeptoraktivierung zeigt, dass Zellen auf das Hormon reagieren können. Sie zeigt weder, wie viel kontraktiles Muskelgewebe entsteht, noch ob sich eine Person anschließend stärker oder ausdauernder bewegt.
Fettmobilisierung unter Belastung
Eine Metaanalyse placebokontrollierter Humanstudien fand unter Belastung höhere Konzentrationen von Glycerin und freien Fettsäuren. Die Unterschiede lagen bei p = 0,01 beziehungsweise p < 0,01. Der respiratorische Quotient änderte sich dagegen nicht signifikant, p = 0,30.
Diese Marker sind mit einer veränderten Bereitstellung von Fettsäuren vereinbar. Sie beweisen für sich allein weder eine höhere gesamte Fettoxidation noch einen praktisch relevanten Fettverlust. Dafür sind Körperfettmessungen und eine ausreichende Beobachtungsdauer entscheidend.
Fettfreie Masse ist nicht gleich Muskelhypertrophie
Fettfreie Masse umfasst neben Muskulatur auch Wasser, Organe, Knochen und weitere fettfreie Bestandteile. Ein Anstieg dieses Messwerts darf daher nicht automatisch als Zuwachs an kontraktilem Muskelprotein bezeichnet werden. Diese Trennung ist bei HGH besonders wichtig, weil die Körperzusammensetzung und die funktionelle Leistung in den Studien unterschiedliche Ergebnisse zeigen.
What the studies show
Gesunde junge Menschen
Eine systematische Übersicht erfasste 44 Artikel mit 27 Studienpopulationen und 303 GH-behandelten, körperlich fitten Personen. Das mittlere Alter lag bei 27 Jahren, der mittlere BMI bei 24 kg/m². In Studien mit mehr als einem Behandlungstag betrug die mittlere Dauer 20 Tage, SD 18 Tage, und die mittlere Dosis 36 µg/kg/Tag, SD 21 µg/kg/Tag. Die fettfreie Masse lag unter GH im Mittel 2,1 kg höher, 95%-KI 1,3 bis 2,9 kg.
Muskelkraft und Ausdauerleistung verbesserten sich in derselben Übersicht nicht erkennbar. Nur wenige Arbeiten prüften diese direkten Leistungsendpunkte, und eine belastbare Moderatoranalyse nach Dosis, Dauer oder Ausgangsfitness wurde nicht berichtet. Der Nullbefund beschreibt daher den Gruppenmittelwert und beantwortet keine belastbare Responderfrage.
Eine spätere Metaanalyse von 11 placebokontrollierten Studien mit 254 gesunden jungen Erwachsenen bestätigte die Trennung. Über Wochen bis Monate stiegen die fettfreie Masse und sank die Fettmasse, jeweils p < 0,01. Muskelkraft und VO₂max unterschieden sich dagegen nicht signifikant, mit p = 0,36 beziehungsweise p = 0,89. Absolute gepoolte Änderungen der Körperzusammensetzung wurden im Abstract nicht angegeben.
Eine einzelne eingeschlossene Studie berichtete eine höhere anaerobe Leistung, p < 0,01. Dieser Endpunkt wurde nur in dieser einen Studie untersucht, nicht repliziert und nicht durch eine Moderator- oder Responderanalyse erklärt. Der einzelne Treffer trägt deshalb keine allgemeine Leistungsbehauptung.
Gesunde ältere Menschen
Eine weitere systematische Übersicht umfasste 31 Artikel mit 18 einzigartigen Studienpopulationen und 220 GH-behandelten Personen. Die überwiegend übergewichtigen Teilnehmenden waren im Mittel 69 Jahre alt und hatten einen BMI von 28 kg/m². Die Behandlung dauerte im Mittel 27 Wochen, SD 16 Wochen. Die mittlere anfängliche Dosis betrug 14 µg/kg/Tag, SD 7 µg/kg/Tag.
Gegenüber keiner GH-Behandlung sank die Fettmasse um 2,1 kg, 95%-KI 1,35 bis 2,8 kg weniger, während die fettfreie Masse um 2,1 kg stieg, 95%-KI 1,3 bis 2,9 kg. Das gesamte Körpergewicht unterschied sich mit +0,1 kg, 95%-KI 0,7 kg weniger bis 0,8 kg mehr, nicht signifikant, p = 0,87.
Diese Ergebnisse gelten für eine ältere Population mit niedrigen Ausgangswerten von IGF-I und lassen sich nicht direkt auf junge Hochdosisanwender übertragen. Dosis und Dauer variierten. Eine robuste Moderatoranalyse, die einen bestimmten Anwender- oder Dosisbereich mit einem besseren Verhältnis von Nutzen und Nebenwirkungen identifizieren könnte, wird nicht berichtet.
Was noch nicht geprüft ist
Es fehlt eine belastbare Langzeitstudie an gesunden, widerstandstrainierten Erwachsenen, die übliche nichtmedizinische Regime mit Placebo vergleicht und Muskelvolumen, Kraft, extrazelluläres Wasser und Sicherheit gemeinsam misst. Trägt die Behauptung einer echten Hypertrophie, müsste das Muskelvolumen auch nach Trennung von Flüssigkeitsveränderungen steigen und dieser Zuwachs müsste sich funktionell prüfen lassen. Genau diese Kette ist bisher nicht geschlossen.
Dosage
- Diagnostizierter Wachstumshormonmangel: Die Leitlinie verlangt eine gesicherte Diagnose und eine individuell angepasste Ersatztherapie. Alter, Geschlecht, BMI und weitere persönliche Merkmale fließen in die Dosisentscheidung und das Monitoring ein.
- Gesunde Sportler: Aus den kontrollierten Studien lässt sich keine Dosis ableiten, die zuverlässig Kraft oder VO₂max verbessert. Ohne nachgewiesenen funktionellen Nutzen gibt es keine evidenzbasierte sportliche Zieldosis.
- Studienwerte: Die Mittelwerte von 36 µg/kg/Tag in den kurzen Studien an jüngeren Personen und 14 µg/kg/Tag als Anfangsdosis bei älteren Personen beschreiben unterschiedliche Forschungsprotokolle. Sie sind keine Dosierungsempfehlungen und dürfen nicht zu einer gemeinsamen Dosis-Wirkungs-Kurve verbunden werden.
- Obergrenze und Aufteilung: Die ausgewählten Quellen liefern weder eine sichere Obergrenze für gesunde Hochdosisanwender noch einen kontrollierten Vergleich verschiedener Tagesaufteilungen. Eine konkrete Empfehlung wäre daher unbelegt.
Side effects
Weichteilödeme, Gelenkbeschwerden und Karpaltunnelsyndrom
Was passiert im Körper? Ein Weichteilödem bezeichnet Flüssigkeit, die sich im Gewebe ansammelt. In den Studien an jüngeren gesunden Personen traten Weichteilödeme häufiger auf. Bei älteren Personen waren außerdem Arthralgien und Karpaltunnelsyndrom signifikant häufiger. Die Übersichten belegen diese Ereignisse, klären ihren biologischen Ablauf aber nicht weiter auf. Wovon hängt es ab? Dosen und Behandlungsdauern unterschieden sich zwischen den Studien. Eine belastbare Dosisanalyse oder absolute Ereignisrate wurde nicht berichtet. Was folgt daraus? Ein gleichzeitiger Anstieg der fettfreien Masse und das Auftreten von Ödemen verlangen eine vorsichtige Interpretation der Körperzusammensetzung. Ein Schwellenwert und die Zeit bis zur Rückbildung lassen sich aus den Quellen nicht angeben. Was kann man tun? Neu auftretende Schwellungen, Gelenkbeschwerden oder Karpaltunnelsymptome gehören medizinisch beurteilt. Bei einer indizierten Ersatztherapie muss eine Dosisänderung mit der behandelnden Endokrinologie abgestimmt werden; eine belegte medikamentöse Gegenmaßnahme liefern die ausgewählten Quellen nicht.
Störungen des Glukosestoffwechsels
Was passiert im Körper? In der Übersicht zu gesunden älteren Menschen waren neu auftretender Diabetes und gestörte Nüchternglukose unter GH tendenziell häufiger. Die Zusammenfassung nennt keine definitive gepoolte Effektgröße und schlüsselt den Mechanismus nicht so auf, dass daraus eine quantifizierte Insulinresistenz abgeleitet werden könnte. Wovon hängt es ab? Die untersuchte Population war älter und überwiegend übergewichtig. Eine belastbare Analyse nach Ausgangsglukose, Dosis oder Dauer fehlt. Was folgt daraus? Der Nüchternglukosewert ist ein naheliegender Kontrollparameter, doch die Übersicht liefert weder einen eigenen Grenzwert noch eine Messfrequenz. Was kann man tun? Im medizinischen Einsatz gehören Stoffwechselverlauf und Dosis in ärztliche Kontrolle. Für eine nichtmedizinische Anwendung lässt sich aus dem Paket weder ein sicherer Bereich noch eine belegte Gegenmaßnahme ableiten.
Müdigkeit und Gynäkomastie
Was passiert im Körper? Müdigkeit wurde bei jüngeren GH-behandelten Personen häufiger berichtet, Gynäkomastie bei älteren Personen signifikant häufiger. Für beide liefern die ausgewählten Übersichten keinen belastbaren biologischen Mechanismus; belegt ist hier nur die beobachtete Häufigkeit. Wovon hängt es ab? Die Übersichten geben keine belastbare Dosisabhängigkeit, absolute Häufigkeit oder klar abgegrenzte Risikogruppe an. Was folgt daraus? Beide Befunde sind als beobachtete unerwünschte Ereignisse einzuordnen, nicht als zwangsläufige Wirkung bei jeder Person. Was kann man tun? Neu auftretende Beschwerden erfordern eine medizinische Abklärung. Eine evidenzbasierte prophylaktische Begleitmedikation lässt sich aus den ausgewählten Quellen nicht begründen.
Langzeitfolgen: Für Akromegalie oder eine Vergrößerung innerer Organe infolge nichtmedizinischer HGH-Anwendung wurde keine passende kontrollierte Humanstudie gefunden, die Häufigkeit, Dosisabhängigkeit oder Rückbildung quantifiziert. Diese Risiken werden damit weder bestätigt noch ausgeschlossen. Aus der Evidenzlücke folgt auch keine belegte Gegenmaßnahme.
Classification
Für Erwachsene mit korrekt diagnostiziertem Wachstumshormonmangel kann rhGH eine medizinische Ersatztherapie sein. Indikation, Dosis und Verlaufskontrolle gehören dabei in endokrinologische Behandlung.
Für gesunde Sportler mit dem Ziel, stärker oder ausdauernder zu werden, ist ein Nutzen nicht gezeigt. Zwei Synthesen fanden zwar mehr fettfreie Masse, aber keinen verlässlichen mittleren Zuwachs an Kraft beziehungsweise VO₂max. Der einzelne positive Befund zur anaeroben Leistung wurde nicht repliziert.
Für eine Veränderung der Körperzusammensetzung besteht ein wiederholtes Signal: Die fettfreie Masse steigt und die Fettmasse sinkt. Dieser Befund ist jedoch ein Surrogat, kein Nachweis von Muskelhypertrophie oder besserer Leistung, und er steht unerwünschten Ereignissen wie Ödemen, Gelenkbeschwerden und möglichen Störungen des Glukosestoffwechsels gegenüber.
Offen bleibt die entscheidende Bodybuilding-Frage: Führt eine längerfristige Anwendung bei widerstandstrainierten gesunden Erwachsenen zu mehr kontraktilem Muskelgewebe und Kraft, wenn Flüssigkeitsveränderungen sauber getrennt werden? Dafür fehlen direkte Langzeitdaten ebenso wie eine belastbare Dosis-Wirkungs-Beziehung und Daten zu komplexen Wirkstoffkombinationen.
Sources
- Liu H et al. Systematic review: the effects of growth hormone on athletic performance. Ann Intern Med. 2008. PubMed
- Hermansen K et al. Impact of GH administration on athletic performance in healthy young adults: A systematic review and meta-analysis of placebo-controlled trials. Growth Horm IGF Res. 2017. PubMed
- Dehkhoda F et al. The Growth Hormone Receptor: Mechanism of Receptor Activation, Cell Signaling, and Physiological Aspects. Front Endocrinol (Lausanne). 2018. PubMed
- Liu H et al. Systematic review: the safety and efficacy of growth hormone in the healthy elderly. Ann Intern Med. 2007. PubMed
- Yuen KCJ et al. AMERICAN ASSOCIATION OF CLINICAL ENDOCRINOLOGISTS AND AMERICAN COLLEGE OF ENDOCRINOLOGY GUIDELINES FOR MANAGEMENT OF GROWTH HORMONE DEFICIENCY IN ADULTS AND PATIENTS TRANSITIONING FROM PEDIATRIC TO ADULT CARE. Endocr Pract. 2019. PubMed
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