GHRP-2
GHRP-2 erhöht beim Menschen die Ausschüttung von Wachstumshormon. Ob daraus mehr Muskelmasse oder Kraft entsteht, ist nicht untersucht; eine kleine kontrollierte Studie fand zudem eine erhöhte Nahrungsaufnahme.
Auch bekannt als: Growth Hormone Releasing Peptide 2, GHRP 2, Pralmorelin
What it is
GHRP-2, auch Pralmorelin genannt, ist ein synthetisches Peptid, das die Ausschüttung von Wachstumshormon, kurz GH, anregt. Untersucht wurden unter anderem einzelne intravenöse Gaben, tägliche subkutane Injektionen und kontinuierliche subkutane Infusionen.
Die Behauptung, GHRP-2 sei das stärkste der klassischen GHRPs oder habe eine höhere Rezeptoraffinität als GHRP-6, lässt sich mit den hier herangezogenen Studien nicht belegen. Ein direkter Vergleich der beiden Stoffe fehlt.
How it works
Wachstumshormon und IGF-I
In akuten intravenösen Tests bei sechs jüngeren und sechs älteren gesunden Erwachsenen stieg GH nach GHRP-2 deutlich an. Die jüngere Gruppe erhielt 1 oder 2 µg/kg, die ältere 2 µg/kg. Gemessen wurde eine Hormonantwort, keine Veränderung von Muskelmasse oder Kraft.
Bei 17 gesunden älteren Erwachsenen blieb die GH-Sekretion während einer kontinuierlichen subkutanen Infusion mit 1 µg/kg/h erhöht. Gegenüber Kochsalzlösung lag sie an Tag 1 mehr als dreifach und an Tag 14 und 30 mehr als 1,8-fach höher. Auch IGF-I erreichte ein erhöhtes Plateau.
Unter einem anderen Schema fiel die Antwort anders aus: Neun gesunde Männer erhielten fünf Tage lang täglich 100 µg GHRP-2 subkutan. Ihre GH-Antwort schwächte sich ab, und die mittlere IGF-I-Konzentration stieg nicht. Die unterschiedliche Gabeform und Studiendauer erlauben keinen direkten Vergleich mit der 30-tägigen Dauerinfusion.
GH und IGF-I sind Hormonmarker. Ihr Anstieg belegt keine Wirkung auf Training, Muskelaufbau oder Kraft. Auch der fehlende IGF-I-Anstieg im fünftägigen Versuch entscheidet diese sportlichen Endpunkte nicht.
Kombination mit GHRH
Bei gesunden älteren Erwachsenen steigerte eine 24-stündige subkutane Infusion von GHRP-2 mit GHRH die GH-Sekretion unter bestimmten Bedingungen stärker als jeder Stoff allein. Der Vergleich von 1 µg/kg/h GHRP-2 plus 10 µg/kg/h GHRH mit den Einzelinfusionen umfasste elf Personen.
Ein akuter intravenöser Vergleich bei acht gesunden Männern fand dagegen keine Synergie über die Summe der Einzelantworten hinaus. Beide Studien prüften die GH-Antwort unter verschiedenen Bedingungen; eine verlässliche Synergie für beliebige Kombinationen folgt daraus nicht.
Im Studienprogramm zur Dauerinfusion unterschied sich die berichtete akute Synergie nach Alter und Geschlecht: Beim Vergleich von 16 jüngeren mit 17 älteren Erwachsenen war sie bei den Jüngeren dreifach größer; innerhalb der älteren Gruppe war sie bei Frauen 2,3-fach höher als bei Männern. Ob diese Unterschiede bei wiederholten Einzelinjektionen oder an Trainingsergebnissen auftreten, wurde nicht gezeigt.
What the studies show
In einer kontrollierten Crossoverstudie mit sieben gesunden, schlanken Männern erhöhte eine 270-minütige subkutane Infusion mit 1 µg/kg/h GHRP-2 die Nahrungsaufnahme bei der anschließenden frei verfügbaren Mahlzeit. Im Mittel aßen die Männer 35,9 ± 10,9 Prozent mehr als unter Kochsalzlösung. Bezogen auf das Körpergewicht waren es 32,5 ± 3,1 gegenüber 24,2 ± 2,5 kcal/kg. Alle sieben Teilnehmer erhöhten ihre Aufnahme; eine formale Moderatoranalyse wurde nicht berichtet.
Darstellung: Zwei Balken auf einer gemeinsamen Achse ab null für die mittlere Nahrungsaufnahme bei einer frei verfügbaren Mahlzeit. Daten: Kochsalzlösung 24,2 ± 2,5 kcal/kg; GHRP-2 32,5 ± 3,1 kcal/kg; sieben gesunde, schlanke Männer; subkutane Infusion mit 1 µg/kg/h über 270 Minuten; Crossoververgleich. Fundstellen: Quelle s8, Evidenzmatrix, Zeile zur Nahrungsaufnahme, Felder „dose“, „duration“ und „effectSize“; PubMed PMID 15699539. Hinweise: Die Fehlerangaben wie berichtet kennzeichnen, ohne ihren Typ zu behaupten. Die Grafik zeigt eine akute Mahlzeit, keine langfristige Gewichtsänderung und keinen Vergleich mit GHRP-6.
Die 30-tägige Dauerinfusion erhöhte bei älteren Erwachsenen GH und IGF-I. Die fünftägige Studie mit täglichen Einzelinjektionen fand dagegen eine abgeschwächte GH-Antwort ohne Anstieg des mittleren IGF-I. Keine der beiden Studien maß Muskelwachstum oder Kraft.
Auch ein anderer klinischer Endpunkt mahnt zur Vorsicht: In einer kontrollierten Studie mit präpubertären Kindern mit GH-Mangel führte intranasales GHRP-2 über 48 Wochen trotz gesteigerter endogener GH-Sekretion nicht zu mehr Wachstum als Placebo. Kinder mit GH-Mangel und ihre Körpergröße sind kein Modell für Muskelaufbau bei Erwachsenen.
Für Muskelhypertrophie, Kraft und Trainingsanpassung liegt unter den herangezogenen Quellen keine kontrollierte Humanprüfung vor. Eine solche Studie müsste unter einem festgelegten Anwendungsschema neben Hormonwerten auch Muskelmasse und Kraft messen.
Dosage
- Akuter Hormontest: Untersucht wurden intravenös 1 oder 2 µg/kg bei jüngeren und 2 µg/kg bei älteren gesunden Erwachsenen. Das ist eine Versuchsdosis für eine Hormonmessung, keine Dosierung für den Kraftsport.
- Subkutane Infusion: 1 µg/kg/h wurde über 270 Minuten für die Messung der Nahrungsaufnahme und über 30 Tage für Hormonmessungen verwendet. Eine Dauerinfusion lässt sich nicht in die Wirkung einzelner Injektionen umrechnen.
- Wiederholte Einzelinjektionen: Eine Studie prüfte 100 µg täglich über fünf Tage und fand eine abgeschwächte GH-Antwort ohne Anstieg des mittleren IGF-I. Für das in der Szene verbreitete Schema von 100 bis 300 µg zwei- bis dreimal täglich liegt keine Dosisprüfung vor. Eine wirksame oder sichere Trainingsdosis ist nicht bestimmt.
- Kombinationen: Studien mit GHRH lieferten je nach Prüfbedingung unterschiedliche Ergebnisse zur GH-Antwort. Für CJC-1295, Sermorelin oder eine Rotation mit Ipamorelin lässt sich daraus keine Dosierung oder Empfehlung ableiten.
Side effects
Mehr Nahrungsaufnahme
Unter akuter GHRP-2-Infusion nahmen die sieben untersuchten Männer bei der anschließenden Mahlzeit mehr Energie auf. Belegt ist dieser Verhaltensendpunkt für 1 µg/kg/h über 270 Minuten; ein zugrunde liegender Mechanismus, eine Schwelle für Einzelinjektionen und eine langfristige Gewichtsfolge wurden nicht bestimmt. Wer die Energieaufnahme begrenzen will, sollte GHRP-2 nicht als appetitneutral einplanen. Ob eine andere Dosis oder Gabeform den Effekt vermeidet, ist nicht geprüft.
Weitere Hormonantworten
Neben GH stiegen nach akuter intravenöser Gabe Prolaktin, ACTH und Cortisol leicht an. Die Prolaktinantwort war geringer als nach TRH, die ACTH- und Cortisolantwort ähnelte der nach hCRH. Klinische Folgen, Grenzwerte für eine bedenkliche Veränderung und die Entwicklung unter langfristiger Anwendung wurden nicht untersucht. Bei Beschwerden gehört die Beurteilung der Hormonwerte in ärztliche Hand; eine belegte Gegenmaßnahme für die Anwendung von GHRP-2 ergibt sich aus der Studie nicht.
Grenzen der Sicherheitsdaten
Während der 30-tägigen Dauerinfusion bei 17 älteren Erwachsenen blieben die berichteten Sicherheits-Screeningtests im Normbereich. Welche Tests dies im Einzelnen waren, weist das Abstract nicht aus; eine Moderatoranalyse für Sicherheitsfolgen wurde nicht berichtet. Der Befund klärt weder die Langzeitsicherheit noch mögliche Glukose- oder Insulinwirkungen. Für wiederholte Selbstinjektionen lässt sich daraus keine Schutzmaßnahme ableiten.
Classification
GHRP-2 löst beim Menschen eine GH-Antwort aus. Wie sie sich bei wiederholter Gabe entwickelt, hängt in den vorliegenden Studien vom untersuchten Schema ab. Eine kleine kontrollierte Studie fand zudem mehr Nahrungsaufnahme. Ein Nutzen für Muskelaufbau, Kraft oder eine Diät ist nicht gezeigt.
Offen bleiben ein direkter Vergleich mit GHRP-6, die Wirkung und Sicherheit des verbreiteten Mehrfachdosis-Schemas sowie der Schritt vom Hormonmarker zum Trainingsergebnis. Auch die behauptete Eignung für einen Stack oder eine Wirkstoffrotation ist nicht belegt.
Sources
- Arvat E et al. Effects of GHRP-2 and hexarelin, two synthetic GH-releasing peptides, on GH, prolactin, ACTH and cortisol levels in man. Comparison with the effects of GHRH, TRH and hCRH. Peptides. 1997. PubMed
- Laferrère B et al. Growth hormone releasing peptide-2 (GHRP-2), like ghrelin, increases food intake in healthy men. J Clin Endocrinol Metab. 2005. PubMed
- Bowers CY et al. Sustained elevation of pulsatile growth hormone (GH) secretion and insulin-like growth factor I (IGF-I), IGF-binding protein-3 (IGFBP-3), and IGFBP-5 concentrations during 30-day continuous subcutaneous infusion of GH-releasing peptide-2 in older men and women. J Clin Endocrinol Metab. 2004. PubMed
- Tiulpakov AN et al. GH responses to intravenous bolus infusions of GH releasing hormone and GH releasing peptide 2 separately and in combination in adult volunteers. Clin Endocrinol (Oxf). 1995. PubMed
- Nijland EA et al. A five day treatment with daily subcutaneous injections of growth hormone-releasing peptide-2 causes response attenuation and does not stimulate insulin-like growth factor-I secretion in healthy young men. Eur J Endocrinol. 1998. PubMed
- Tanaka T et al. Increased Secretion of Endogenous GH after Treatment with an Intranasal GH-releasing Peptide-2 Spray Does Not Promote Growth in Short Children with GH Deficiency. Clin Pediatr Endocrinol. 2014. PubMed
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