DSIP

Eine sehr kleine kontrollierte Studie fand nach intravenösem DSIP mehr Schlaf bei Gesunden. Bei chronischer Insomnie waren objektive Verbesserungen schwach, während sich die subjektive Schlafqualität nicht änderte. Für subkutane Dosierung und Langzeitsicherheit fehlen belastbare Daten.

Auch bekannt als: DSIP, Delta Sleep Inducing Peptide, Delta-Schlaf-Peptid

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What it is

DSIP ist ein Peptid, das ursprünglich aus dem zerebralen Venenblut von Kaninchen isoliert wurde. Sein Name verweist auf die Hypothese, es fördere den Delta- oder Tiefschlaf. Eine narrative Übersicht bezeichnete diese Schlafhypothese als schwach belegt.

How it works

Schlafregulation

In Kaninchen- und Rattenarbeiten förderten bestimmte künstliche DSIP-Analoga den Tiefschlaf, DSIP selbst in diesen Arbeiten jedoch nicht. Die Übersicht berichtete außerdem, dass bis zu ihrem Erscheinen im Jahr 2006 weder ein DSIP-Gen noch ein zugehöriger möglicher Rezeptor isoliert worden war.

Ein Tierbefund zu einem künstlichen Analogon belegt keine Schlafwirkung von DSIP beim Menschen. Die Aussage zu Gen und Rezeptor beschreibt den Kenntnisstand von 2006.

Hormonantwort

In einem kontrollierten Akutversuch sank nach DSIP die immunreaktive ACTH-Konzentration im Plasma gesunder Männer, während Cortisol unverändert blieb. In einem anderen kontrollierten Versuch waren die ACTH- und Cortisolantworten auf CRH unter DSIP nahezu gleich wie unter Placebo.

Die Versuche prüften unterschiedliche Bedingungen. Aus dem veränderten ACTH-Marker folgt weder eine allgemeine Dämpfung der Stressachse noch ein klinischer Nutzen; eine formale Analyse möglicher Moderatoren wird in den Abstracts nicht berichtet.

Abbau im Blut

Nach intravenöser Gabe betrug die mittlere Plasmahalbwertszeit bei vier anästhesierten Hunden 4,0 ± 0,7 Minuten. Bei einem Affen wurden 2,9 Minuten und bei drei Ratten im Mittel 2,0 ± 0,54 Minuten gemessen.

Diese Tiermessungen liefern weder eine Halbwertszeit beim Menschen noch die Wirkdauer nach subkutaner Gabe.

What the studies show

In einer doppelblinden Studie mit sechs gesunden Freiwilligen erhielten die Teilnehmenden morgens einmalig 25 nmol DSIP pro Kilogramm Körpergewicht als langsame intravenöse Infusion oder Placebo. Der Median der Gesamtschlafzeit innerhalb von 130 Minuten nach der Gabe lag unter DSIP um 59 Prozent höher. Auch die Einschlafzeit und weitere Schlafwerte der folgenden Nacht waren günstiger. Die kleine Stichprobe und die einmalige Gabe begrenzen die Aussagekraft.

In einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie mit 16 Menschen mit chronischer Insomnie wurde DSIP vor drei von fünf Labornächten mit 25 nmol pro Kilogramm Körpergewicht intravenös gegeben. Die objektive Schlafeffizienz war höher und die Einschlaflatenz kürzer als unter Placebo. Die Autoren bewerteten die statistisch auffälligen Unterschiede als schwach und hielten eine zufällige Veränderung der Placebogruppe für eine mögliche Teilerklärung.

Die subjektiv bewertete Schlafqualität änderte sich in derselben Studie nicht. Die Autoren hielten einen größeren therapeutischen Nutzen dieser kurzen Behandlung für unwahrscheinlich.

Die beiden Schlafstudien untersuchten unterschiedliche Gruppen und jeweils nur kurze intravenöse Anwendungen. Ein verlässlicher Nutzen bei chronischer Insomnie ist damit nicht gezeigt. Eine Analyse, die wiederholt ansprechende Personen oder andere Moderatoren identifiziert, wird in den Abstracts nicht berichtet.

In einer randomisierten Doppelblindstudie mit elf gesunden Männern sank nach einmalig 25 nmol DSIP pro Kilogramm Körpergewicht intravenös die immunreaktive ACTH-Konzentration im Plasma für mindestens drei Stunden gegenüber der Kontrollbedingung. Plasma- und Urin-Cortisol änderten sich nicht. In einem anderen Versuch waren bei gesunden jungen Männern nach intravenösen DSIP-Gesamtdosen von 3 oder 4 mg die ACTH- und Cortisolantworten auf CRH nahezu identisch mit Placebo. Das Abstract nennt fünf Männer je CRH-Bedingung, klärt aber eine mögliche Überschneidung zwischen den Bedingungen nicht. In einem separaten Versuch mit zehn Männern veränderten 4 mg intravenöses DSIP auch den mahlzeitenbedingten Anstieg beider Hormone nicht.

ACTH und Cortisol sind hier Hormonmarker. Die Versuche prüften weder Schlafqualität noch eine klinische Verbesserung von Stressbeschwerden.

Dosage

  • Intravenöse Schlafstudien: Untersucht wurden 25 nmol pro Kilogramm Körpergewicht, einmalig bei Gesunden oder vor drei Labornächten bei Menschen mit chronischer Insomnie. Daraus lässt sich keine Behandlungsdosis ableiten.
  • Subkutane Anwendung: Für diesen Aufnahmeweg liegt in den ausgewerteten kontrollierten Schlafstudien keine Dosisfindung vor. Beide Studien verwendeten intravenöse Gabe.
  • Längerfristige Anwendung: Aus höchstens drei Behandlungsnächten lässt sich keine Dosis oder Dauer für eine längere Anwendung ableiten.

Side effects

Ein DSIP-spezifischer Mechanismus für Nebenwirkungen ist anhand dieser Studien nicht geklärt. In der Akutstudie mit sechs Gesunden wurden nach einmaliger intravenöser Gabe keine psychologischen, physiologischen oder biochemischen Nebenwirkungen beobachtet. Das erlaubt keine Schätzung ihrer Häufigkeit.

Die weiteren Humanversuche prüften ebenfalls nur kurze intravenöse Anwendungen. Ob Beschwerden von Dosis oder Aufnahmeweg abhängen, welche Messwerte eine Sicherheitskontrolle ermöglichen und ob Folgen wiederholter subkutaner Gabe auftreten, ist offen. Eine spezifische Gegenmaßnahme oder ein Grenzwert lässt sich aus diesen Daten nicht ableiten.

Classification

Der kurzfristige Schlafbefund bei sechs Gesunden rechtfertigt keine Aussage über eine Behandlung chronischer Insomnie. Dort fand die kleine kontrollierte Studie schwache objektive Unterschiede, aber keine Verbesserung der subjektiven Schlafqualität.

Auch die Hormonbefunde tragen keine pauschale Aussage über eine Dämpfung der Stressachse: Ein Akutversuch fand weniger immunreaktives ACTH ohne Cortisoländerung. Unter CRH- und Mahlzeitenreiz fand ein anderer Versuch keine ACTH- oder Cortisolwirkung.

Offen bleibt, ob DSIP bei einer klar benannten Personengruppe unter längerer Behandlung einen spürbaren Schlafnutzen hat. Dafür müssten kontrollierte Studien objektive Schlafwerte und das Erleben der Betroffenen gemeinsam prüfen sowie Dosis, Aufnahmeweg und Nebenwirkungen systematisch erfassen.

Sources

  1. Bes F et al. Effects of delta sleep-inducing peptide on sleep of chronic insomniac patients. A double-blind study. Neuropsychobiology. 1992. PubMed
  2. Späth-Schwalbe E et al. Delta-sleep-inducing peptide does not affect CRH and meal-induced ACTH and cortisol secretion. Psychoneuroendocrinology. 1995. PubMed
  3. Kovalzon VM et al. Delta sleep-inducing peptide (DSIP): a still unresolved riddle. J Neurochem. 2006. PubMed
  4. Kato N et al. Development of an enzyme immunoassay for delta sleep-inducing peptide (DSIP) and its use in the determination of the metabolic clearance rate of DSIP administered to dogs. Neuroendocrinology. 1984. PubMed
  5. Schneider-Helmert D et al. Acute and delayed effects of DSIP (delta sleep-inducing peptide) on human sleep behavior. Int J Clin Pharmacol Ther Toxicol. 1981. PubMed
  6. Bjartell A et al. Reduction of immunoreactive ACTH in plasma following intravenous injection of delta sleep-inducing peptide in man. Psychoneuroendocrinology. 1989. PubMed

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