Andarine

Andarine is a non-steroidal SARM for which no controlled human trials have been conducted. It has not been shown to promote muscle growth or fat loss in humans; furthermore, with regard to visual disturbances, there is only one inconclusive case of combined use, with no clear information on the dose or causality.

Auch bekannt als: S4, S-4, GTx-007

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What it is

Andarine, auch S-4 genannt, ist ein nichtsteroidaler selektiver Androgenrezeptor-Modulator. In der präklinischen Entwicklung wurde es als Ligand des Androgenrezeptors untersucht, dessen Wirkprofil sich zwischen Muskel und androgenabhängigen Organen unterscheiden sollte.

„Selektiv“ bedeutet dabei nicht, dass nur erwünschte Gewebe reagieren oder Nebenwirkungen ausgeschlossen wären. Die verfügbare Evidenz besteht aus molekularen Versuchen, Zellkulturen, Rattenmodellen, klassenweiten Sicherheitsübersichten und einzelnen Verdachtsfällen.

Eine kontrollierte Humanstudie zu Muskelmasse, Kraft, Körperfett, Knochen oder Sehfunktion liegt für Andarine nicht vor. Behauptungen über Muskeldichte, Vaskularität, Cutting oder Recomp beim Menschen sind deshalb nicht gezeigt.

How it works

Bindung und Aktivierung des Androgenrezeptors

In einem In-vitro-Panel mit vier chiralen, nichtsteroidalen SARM-Verbindungen lagen die Bindungsaffinitäten am Androgenrezeptor zwischen 4 und 37 nM. Drei der vier Verbindungen aktivierten außerdem eine AR-vermittelte Reporterexpression. Das Abstract weist jedoch weder den einzelnen Ki-Wert von S-4 noch dessen separates Reportergebnis aus.

Der Versuch belegt die AR-Bindung des S-4 enthaltenden Panels. Er erlaubt keine Aussage darüber, welche Konzentration beim Menschen nötig wäre, ob eine solche Konzentration erreicht wird oder ob daraus Muskelaufbau entsteht.

Gewebeabhängige Antwort

In kastrierten Ratten zeigte subkutan verabreichtes S-4 sowohl anabole als auch androgenartige Aktivität. Die anabole Antwort wurde im Vergleich mit Testosteronpropionat als ähnlich oder stärker beschrieben, während die Wirkung an Prostata und Samenblasen weniger potent und weniger wirksam war. Absolute ED50- und Emax-Werte fehlen im Abstract.

In einer weiteren Rattenstudie führte S-4 bei 3 mg/kg täglich nach acht Wochen zu Prostata- und Samenblasengewichten von 16 beziehungsweise 17 Prozent der Werte intakter Kontrolltiere. DHT in gleicher Dosierung erhöhte beide Organgewichte auf mehr als das Doppelte der Kontrollwerte.

Das ist ein präklinisches Muster relativer Gewebeselektivität, kein Nachweis fehlender androgenartiger Wirkungen beim Menschen. Selbst im Rattenmodell war die Reaktion der androgenabhängigen Organe geringer, aber nicht null.

Muskel und Knochen

In Knochenmarkzellkulturen aus einem Rattenmodell wurde unter S-4 eine Förderung der Osteoblastendifferenzierung und eine Verringerung der Bildung mehrkerniger Osteoklasten beschrieben. Die verwendete Konzentration ist im verfügbaren Abstract nicht angegeben.

Ohne Konzentrationsangabe und ohne menschliche Pharmakokinetik lässt sich der Zellbefund nicht mit einer Einnahmedosis oder einem erreichbaren Blutspiegel vergleichen. Der Mechanismus macht eine Knochenwirkung plausibel, beweist sie beim Menschen aber nicht.

Von der Rezeptorbindung zur offenen Humanfrage

Motif: Dreistufiges Flussdiagramm von links nach rechts: links ein Feld für den Androgenrezeptor-Assay, in der Mitte ein Feld für das funktionelle Rattenmodell, rechts ein leeres Feld für kontrollierte Humanendpunkte. Zwischen Rattenmodell und Humanfeld liegt eine deutlich sichtbare Unterbrechung der Kette. Purpose: sichtbar machen, welche Stufen direkt untersucht wurden und an welcher Stelle die Übertragung auf menschliche Kraft und Körperzusammensetzung ungeprüft bleibt. Keine durchgehende Dosis-Wirkungs-Kurve, keine Umrechnung von Tier- in Humandosen; das linke Feld ist das Ergebnis eines Panels aus vier Verbindungen und kein isolierter Einzelwert. Style: flat, factual vector graphic in the style of a textbook blackboard, clear contours, few flat colors, no photorealism, no textures, no drop shadows, no spatial lighting, calm monochrome background, no text in the image. Label: „AR-Assay“ mittig über dem linken Feld; „vier Verbindungen“ und „Ki 4 bis 37 nM“ unter dem linken Feld; „Rattenmodell“ mittig über dem mittleren Feld; „3 oder 10 mg/kg, 56 Tage“ unter dem mittleren Feld; „kontrollierte Humanendpunkte“ über dem rechten Feld; „nicht untersucht“ mittig im rechten Feld; „Übertragung ungeprüft“ über der Unterbrechung zwischen mittlerem und rechtem Feld. Format: across, about 16:9.

Belegt sind die Bindungsdaten des Panels und funktionelle Ergebnisse im Rattenmodell. Die Übertragung auf einen menschlichen Leistungsendpunkt bleibt ungeprüft.

What the studies show

Muskelkraft und Körperzusammensetzung

Zwölf Wochen nach der Orchiektomie erhielten männliche Ratten acht Wochen lang täglich 3 oder 10 mg/kg S-4 subkutan. Beide Dosierungen stellten Soleusmasse, Soleuskraft und Levator-ani-Masse auf das Niveau intakter Tiere wieder her. Auch der durch die Kastration verlorene Anteil an fettfreier Körpermasse wurde wiederhergestellt. Die Tierzahl und eine numerische Effektgröße für die Kraft werden im Abstract nicht genannt.

Die gemessene Muskelkraft ist ein funktioneller Tierendpunkt und damit aussagekräftiger als ein bloßer Blutmarker. Das Kastrationsmodell prüft jedoch die Wiederherstellung eines hormonbedingt verlorenen Zustands. Es zeigt nicht, dass gesunde trainierende Menschen durch Andarine stärker oder muskulöser werden.

Knochen

In derselben Rattenarbeit erhöhte S-4 die Gesamtknochenmineraldichte signifikant stärker als DHT. Eine absolute Differenz wurde im Abstract nicht angegeben, und weder Frakturen noch menschliche Knochenendpunkte wurden untersucht.

Zusammen mit den Zellkulturbefunden ergibt sich ein präklinisch schlüssiges Knochensignal. Ob daraus beim Menschen eine klinisch relevante Wirkung entsteht, bleibt offen.

Widersprüchliche Hormonbefunde

In einer Rattenstudie wurde nahe der ED50 keine signifikante Senkung von LH oder FSH beobachtet. In der achtwöchigen Studie mit 3 und 10 mg/kg sanken beide Hormone dagegen dosisabhängig.

Der Nullbefund gilt nur für den untersuchten Bereich nahe der ED50. Dauer und Tierzahl sind dort nicht berichtet; aus dem Abstract geht auch keine Prüfung höherer Dosen oder längerer Exposition als Moderatoren hervor. Aus den widersprüchlichen Rattenbefunden lässt sich weder eine sichere noch eine bestimmte menschliche Hormonunterdrückung ableiten.

Die fehlende Humanstufe

Es gibt keine randomisierte oder placebokontrollierte Humanstudie mit Andarine zu Kraft, Muskelmasse, Körperfett, Knochen oder standardisierter Sehfunktion. Ebenso fehlen direkte Humandaten zu Pharmakokinetik, Bioverfügbarkeit, Halbwertszeit, Dosisfindung und erreichbaren Plasmakonzentrationen.

Trägt der präklinische Mechanismus, müsste eine chemisch verifizierte Andarine-Exposition in einer kontrollierten Humanstudie messbare Veränderungen von Kraft oder fettfreier Masse gegenüber Placebo erzeugen. Genau dieser entscheidende Versuch fehlt.

Dosage

  • Valide Humandosis: Aus der vorhandenen Evidenz lässt sich keine wirksame oder sichere Dosis für Menschen bestimmen. Die Tierdosen dürfen nicht direkt umgerechnet werden.
  • 25 bis 75 mg täglich: Für diese Spanne gibt es keine belastbare Andarine-Dosisfindung am Menschen. Sie ist daher keine evidenzbasierte Empfehlung.
  • Aufteilung auf zwei bis drei Einnahmen: Eine menschliche Halbwertszeit von ungefähr vier Stunden ist nicht belegt. Daraus lässt sich auch kein begründetes Einnahmeintervall ableiten.
  • Fünf Tage Einnahme, zwei Tage Pause: Das sogenannte 5-Tage-an/2-Tage-aus-Schema wurde nicht kontrolliert untersucht. Weder Schutz vor Sehstörungen noch ein anderer Sicherheitsvorteil ist gezeigt.
  • Kombinationen: Für die Verbindung mit einer Testosteronbasis oder anderen Begleitstoffen fehlen direkte Interaktionsstudien. Eine solche Kombination kann aus den Andarine-Daten nicht empfohlen werden.
  • Produktgehalt: In einer chemischen Analyse von Schwarzmarktmaterial wurde S-4 mit ungefähr 150 mg/ml nachgewiesen; außerdem wurde eine Verunreinigung in Höhe von ungefähr 10 Prozent des S-4-Gehalts gefunden. Die genaue Zahl der analysierten Proben ist im Abstract nicht berichtet, und die Analyse ist keine repräsentative Marktstichprobe. Die gemessene Konzentration ist keine Einnahmedosis, zeigt aber, dass Etikett und tatsächliche Exposition auseinanderfallen können.

Side effects

Sehstörungen

Was passiert im Körper? Der Mechanismus ist nicht geklärt. Eine Review menschlicher Verdachtsfälle nennt verschwommenes Sehen in einem Fall mit Mischkonsum. Eine spezifische Bindung von S-4 an retinale Amakrinzellen wurde in den ausgewählten Arbeiten nicht gezeigt.

Wovon hängt es ab? Eine Dosis-Wirkungs-Beziehung ist nicht bekannt. Dosis, Produktreinheit und Koexposition waren in den Humanmeldungen unzureichend dokumentiert.

Was folgt daraus? Für Gelbfärbung des Sehens, Nachtblindheit und verzögerte Hell-Dunkel-Adaptation fehlen kontrollierte ophthalmologische Messungen. Häufigkeit, Schwelle und vollständige Reversibilität nach dem Absetzen sind daher nicht belegt.

Was kann man tun? Eine belegte Gegenmaßnahme gibt es nicht. Insbesondere darf das 5-Tage-an/2-Tage-aus-Schema nicht als Schutz gelten. Neu auftretende Sehstörungen sprechen gegen eine weitere Exposition und sollten ärztlich abgeklärt werden.

Hormonsystem und androgenabhängige Gewebe

Was passiert im Körper? Im achtwöchigen Rattenmodell zeigte S-4 Agonistenaktivität in der Hypophyse; bei 3 und 10 mg/kg sanken LH und FSH dosisabhängig. Prostata und Samenblasen reagierten schwächer als unter DHT, die Wirkung war jedoch nicht null. Nahe der ED50 wurde in einem anderen Rattenversuch keine signifikante Senkung von LH oder FSH beobachtet.

Wovon hängt es ab? Die Befunde sprechen für eine Abhängigkeit von Dosis, Exposition und Versuchsmodell. Wie sich Geschlecht, Ausgangshormone oder Anwendungsdauer beim Menschen auswirken, wurde nicht geprüft.

Was folgt daraus? LH und FSH sind hormonelle Marker. Die Rattenwerte belegen weder menschliche Symptome noch Fertilitätsfolgen, schließen eine Unterdrückung aber auch nicht aus.

Was kann man tun? Aus diesen Daten lässt sich weder ein sicherer Grenzwert noch eine evidenzbasierte Begleitmedikation ableiten. Auch ein Protokoll nach dem Absetzen kann damit nicht begründet werden.

Liver

Was passiert im Körper? Ein Andarine-spezifischer Mechanismus einer möglichen Leberschädigung ist nicht belegt. In den eingeschlossenen klinischen SARM-Studien lag der Studienmittelwert der berichteten ALT-Erhöhungen bei 7,1 Prozent; ein gemeinsamer Nenner und ein Andarine-spezifischer Wert fehlen. ALT ist ein Marker und nicht automatisch der Nachweis einer klinischen Leberschädigung. Davon getrennt beschrieb eine Review von 20 unkontrollierten Humanberichten überwiegend arzneimittelbedingte Leberschädigung, Cholestase oder Ikterus.

Wovon hängt es ab? Eine verlässliche Dosis-Wirkungs-Beziehung lässt sich aus den Berichten nicht bestimmen, weil Dosis, Reinheit und Mischkonsum häufig unbekannt waren. Darunter befand sich ein Fall mit akutem Leberversagen nach einem als Andarine vermarkteten Produkt, ohne dass Zusammensetzung und S-4-Kausalität sicher festgestellt wurden.

Was folgt daraus? Die Fallberichte liefern ein Sicherheitssignal, aber keinen Nenner und damit keine Häufigkeit. Der Studienmittelwert der Klassenübersicht darf ebenfalls nicht als Andarine-Risikoquote ausgegeben werden.

Was kann man tun? Eine belegte Andarine-spezifische Schutzmaßnahme existiert nicht. Unbekannte Produkte und Mischkonsum vergrößern die Unsicherheit. Auffällige Leberwerte oder Beschwerden gehören medizinisch beurteilt, statt durch ein anderes Einnahmeschema kompensiert zu werden.

Unbekannter Produktinhalt

Was passiert im Körper? Wenn Konzentration und Verunreinigungen vom erwarteten Produkt abweichen, wird auch die tatsächliche Exposition unvorhersehbar. Die chemische Analyse von Schwarzmarktmaterial wies S-4 mit ungefähr 150 mg/ml und eine Verunreinigung von ungefähr 10 Prozent des S-4-Gehalts nach. Die genaue Zahl der untersuchten Proben ist im Abstract nicht berichtet.

Wovon hängt es ab? Das Risiko hängt von Hersteller, Charge und Aufreinigung ab. Die Analyse erlaubt keine Aussage darüber, wie häufig solche Abweichungen vorkommen.

Was folgt daraus? Eine Mengenangabe auf dem Etikett ist ohne chemische Prüfung kein verlässlicher Expositionsnachweis. Damit werden auch vermeintlich genaue Dosierungspläne unsicher.

Was kann man tun? Nur eine unabhängige chemische Analyse könnte Identität, Konzentration und Reinheit der jeweiligen Charge bestätigen. Ohne sie bleibt das Vermeiden solcher Produkte die einzige verlässliche Möglichkeit, dieses zusätzliche Risiko auszuschließen.

Classification

Andarine besitzt ein ernst zu nehmendes präklinisches Signal: In kastrierten Ratten wurden Muskelmasse, Muskelkraft, fettfreie Masse und Knochenendpunkte verbessert. Das ist mehr als eine bloße theoretische Zielvorhersage, bleibt aber eine Wirkung in einem speziellen Tiermodell mit subkutaner Gabe.

Für Aufbau, Diät oder Recomp beim Menschen ist eine Wirkung nicht gezeigt. Gleichzeitig sind Humandosis, Pharmakokinetik, Seheffekte, hormonelle Folgen und Langzeitsicherheit nicht belastbar bestimmt. Eine systematische Sicherheitsübersicht beschreibt klassenweite Lebersignale, liefert aber keine Andarine-spezifische Häufigkeit. Menschliche Verdachtsfälle sind durch unbekannte Dosen, Mischkonsum und unbestätigte Produkte belastet. In einer nicht repräsentativen chemischen Analyse wurden S-4 und eine erhebliche Verunreinigung in Schwarzmarktmaterial nachgewiesen.

Entscheidend wäre eine kontrollierte Studie mit chemisch verifiziertem Präparat, vorher festgelegter Dosis, Pharmakokinetik, Kraft und Körperzusammensetzung sowie standardisierten Untersuchungen von Sehen, Hormonen und Leber. Bis dahin bleibt Andarine ein präklinisch wirksamer AR-Modulator ohne nachgewiesenen Nutzen und ohne validiertes Dosierungsschema für Menschen.

Sources

  1. Yin D et al. Pharmacodynamics of selective androgen receptor modulators. J Pharmacol Exp Ther. 2003. PubMed
  2. Gao W et al. Selective androgen receptor modulator treatment improves muscle strength and body composition and prevents bone loss in orchidectomized rats. Endocrinology. 2005. PubMed
  3. Kearbey JD et al. Selective Androgen Receptor Modulator (SARM) treatment prevents bone loss and reduces body fat in ovariectomized rats. Pharm Res. 2007. PubMed
  4. Vignali JD et al. Systematic Review of Safety of Selective Androgen Receptor Modulators in Healthy Adults: Implications for Recreational Users. J Xenobiot. 2023. PubMed
  5. Leciejewska N et al. Selective androgen receptor modulator use and related adverse events including drug-induced liver injury: Analysis of suspected cases. Eur J Clin Pharmacol. 2024. PubMed
  6. Thevis M et al. Detection of the arylpropionamide-derived selective androgen receptor modulator (SARM) S-4 (Andarine) in a black-market product. Drug Test Anal. 2009. PubMed

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